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Ezidin nach über sechs Jahren IS-Gefangenschaft wieder frei

 


Nach dem fluchtartigen Rückzug der PDK-Peschmerga aus der ezidischen Region Şengal ist die Ezidin Asîma Casim Xidir rund sechseinhalb Jahre vom IS gefangengehalten worden. Nun ist sie wieder frei und berichtet von ihrem Martyrium.

Die neunzehnjährige Ezidin Asîma Casim Xidir stammt aus dem Dorf Berberoj in Şengal. Sie lebte dort mit ihrer Familie, sechs Schwestern und drei Brüdern. Am 4. August 2014 wurde sie nach dem Rückzug der PDK-Peschmerga aus dem ezidischen Siedlungsgebiet von der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat” (IS) gefangen genommen. Fast sechseinhalb Jahre lebte Xidir unter Folter und Schrecken als Sklavin und schließlich unter IS-Frauen im Camp Hol. Vor zwei Tagen nahm sie Kontakt mit dem Asayîşa Jin auf und soll nun bald wieder mit ihrer Familie zusammengebracht werden.

Die PDK hat uns dem Horror überlassen“

Ihre Geschichte erzählte Asîma Casim Xidir den Journalistinnen Silava Ebdulrehamn und Henar Ibrahim von der in Rojava ansässigen Nachrichtenagentur ANHA. „Vor dem Angriff des IS lebten wir in Ruhe und Frieden in Şengal. Eines Nachts im August 2014 hörten wir Schüsse. Dann sahen wir, wie die PDK-Einheiten, die uns eigentlich schützen sollten, in ihren Autos wegrasten. Sie hauten ab, ohne die Bevölkerung Şengals darauf hinzuweisen, dass der IS die Region angreift. Als Eziden konnten wir nichts ausrichten. Wir konnten auch nicht weg. Als sich der IS näherte, versuchten wir, auf den Şengal-Berg zu flüchten. Aber der IS umzingelte uns und hat vor unseren Augen viele junge Menschen ermordet.“

Sie haben meine Kindheit getötet“

Der IS habe ihre Kindheit getötet, sagt Asîma Casim Xidir. „Nachdem diese Verbrecher uns gefasst hatten, sammelten sie uns und trennten Männer, Frauen und Alte. Sie haben Familien auseinandergerissen. Ich wurde mit den Mädchen zusammen nach Mosul gebracht. Ich weiß bis heute nicht, was mit meiner Familie und meinen Nachbarn geschehen ist.“

Ich lebte einen Alptraum“

Als Zwölfjährige wurde Xidir in Mosul von einem sogenannten IS-Gericht verurteilt und zehn Tage in einem Folterzentrum festgehalten. Anschließend übergab man sie einem 21-jährigen IS-Dschihadisten aus dem Irak als Sklavin. Damit begannen für die Ezidin Tage voll Folter und Schrecken. „Zweieinhalb Jahre lang war ich bei dem irakischen IS-Verbrecher. Ich lebte einen Alptraum. Er folterte mich, schlug mich und beschimpfte mich”, erinnert sich Asîma Casim Xidir. „Ich durfte nicht nach draußen. Er sagte ‚Tätowierungen sind haram‘ und begann mich zu schlagen, weil auf meiner Hand der Name meines Vaters geschrieben stand. Er brannte den Namen heraus. Später verkaufte er mich an ein syrisches IS-Mitglied. Der ISler hieß Al-Qaqaa, war 45 Jahre alt und brachte mich nach Syrien. Ich war damals 15 Jahre alt. Anschließend wurde ich in al-Bagouz einem IS-Mitglied namens Abdulkarim als Sklavin gegeben. Bei diesem ISler war ich ein Jahr und bekam ein Kind von ihm. Er starb bei den Gefechten um al-Bagouz.“

Brandnarben auf Asîmas Hand

Aus al-Bagouz ins Hol-Camp

Xidir wurde zusammen mit IS-Frauen nach der Befreiung von al-Bagouz ins Hol-Camp gebracht. Die Dschihadistinnen bedrohten sie, den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) ihre Herkunft nicht preiszugeben und redeten ihr ein, dass die versklavten ezidischen Frauen bei ihrer Rückkehr nach Şengal umgebracht würden. Xidir berichtet, sie habe nichts über die QSD gewusst und habe sich so zwei Jahre lang unter den IS-Frauen im Camp Hol aufgehalten. Über ihre Flucht sagt sie: „Nach zwei Jahren im Lager sagten IS-Frauen, sie würden mithilfe von Schmugglern entkommen. Ich wollte, dass sie mich mitnehmen. So entkamen ich und ein paar Frauen und erreichten den Ort Basira bei Deir ez-Zor. Dort lebte ich bei einer armen IS-Frau. Ich hörte aber auch, dass manche ezidische Frauen gerettet und auf sichere Weise nach Şengal gebracht worden waren. Daraufhin wandte ich mich an den Asayisch der Frauen in Deir ez-Zor.“

Xidir wurde vom Asayîşa Jin an das Mala Êzîdî (Ezidisches Haus) übergeben und soll nun in Kürze mit ihrer Familie in Şengal zusammengebracht werden.

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