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Camp Hol: Sechs Morde an zwei Tagen

 


Im nordostsyrischen Camp Hol sind innerhalb von zwei Tagen sechs Schutzsuchende ermordet worden. Hinter den Morden werden IS-Zellenstrukturen vermutet.

Im Lager Hol (al-Haul) bei Hesekê im Nordosten Syriens sind innerhalb von zwei Tagen sechs Schutzsuchende ermordet worden. Camp-Verantwortliche vermuten Zellenstrukturen der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) hinter den Morden vom Montag und Mittwoch. Eine Kommission der inneren Sicherheitskräfte (Asayisch) ermittelt und fahndet nach den Tatbeteiligten.

Bei den Mordopfern handelt es sich nach Angaben des Gesundheitszentrums von Heyva Sor a Kurd um drei syrische und drei irakische Bewohnerinnen und Bewohner des Camps: Ibrahim Okla Sattam aus Syrien, seine irakische Ehefrau Aida Muhammad Awad und deren Bruder Ayyad Muhammad Awad, Samia Abdullah Hamad aus Aleppo, der 26-jährige Musa Ali Saeed aus der ostsyrischen Kleinstadt Hajin und die Irakerin Suad Harir Abd Hamza aus Anbar. Sie alle seien mit Kopfschüssen hingerichtet worden, hieß es. Der Sohn von Abd Hamza wurde Zeuge der Tötung seiner Mutter. Seinen Angaben zufolge sei das gemeinsame Zelt von insgesamt drei Personen gestürmt worden. Zwei der Angreifer trugen Waffen mit Schalldämpfern bei sich und gaben jeweils einen Schuss auf die Frau ab, bevor sie unerkannt entkommen konnten.

Hol, die neue Hauptstadt des IS

Das Camp Hol im syrisch-irakischen Grenzgebiet ist so groß wie eine Stadt und gilt als Brutstätte des IS. Vor allem Dschihadistinnen haben eigene Strukturen aufgebaut und begehen immer wieder Gräueltaten an Personen, die nicht nach den Maßstäben des IS leben. Nicht umsonst hat das in vielen Bereichen kaum kontrollierbare Lager den Ruf, die neue Hauptstadt des IS zu sein. Die dortige Situation hängt mit der fehlenden Bereitschaft zu internationaler Unterstützung für die Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens und den permanenten Angriffen der Türkei zusammen. Der türkische Geheimdienst MIT unterstützt die Dschihadistinnen im Camp und hat einigen zur Flucht verholfen.

Noch rund 60.000 Bewohner

Das Camp beherbergt derzeit etwa 60.000 Personen aus mehr als 50 verschiedenen Ländern, darunter tausende IS-Familien, die nach der Einnahme der letzten Bastion der islamistischen Terrororganisation im März 2019 bei Hajin nahe Deir ez-Zor von den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) aufgegriffen wurden. In den Bereichen eins, zwei und drei der insgesamt sieben Abschnitte leben Menschen aus Mosul und Anbar, die 2014 vor dem IS geflohen sind. Im Bereich vier sind syrische Binnenflüchtlinge untergebracht. In den übrigen Bereichen fünf, sechs und sieben werden IS-Dschihadisten festgehalten und im Abschnitt „Muhadschirat“ die Familien der ausländischen Dschihadisten.

Immer wieder Morde und Anschläge

In Hol kommt es immer wieder zu Morden und Anschlägen oder Propagandaaktionen für den IS. Oftmals handelt es sich bei den Täter*innen um IS-Frauen. Die Dschihadistinnen haben einen heimlichen Gerichtshof gegründet, vor dem Menschen für „Fehlverhalten“ verurteilt werden. Mit einer „Religionspolizei” (Hisba) versuchen die IS-Anhängerinnen, ihre tyrannische Herrschaft im Lager aufrechtzuerhalten. Dabei schrecken sie auch nicht vor Konfrontationen mit den Sicherheitskräften zurück. In der Vergangenheit ist es im Camp Hol sogar zu Schusswechseln gekommen, als weibliche IS-Mitglieder das Feuer auf Sicherheitskräfte eröffneten.

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