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Jineolojî-Camp in Hewraman (Süd-Kurdistan)


In der Hewraman-Region bei Helebje hat ein dreitägiges Jineolojî-Camp begonnen. 15 Teilnehmerinnen wollen sich dabei über die Möglichkeiten der Umsetzung dieser aus der kurdischen Frauenfreiheitsbewegung kommenden Sozialwissenschaft austauschen.

In der Hewraman-Region nahe der südkurdischen Stadt Helebce (Halabja) hat am Sonntag ein von der Frauenbewegung „Jinên Ciwanên Têkoşer“ (deut. Kämpfende junge Frauen) organisiertes dreitägiges Jineolojî-Camp begonnen. Die 15 Teilnehmerinnen wollen sich im Rahmen des Camps über die Möglichkeiten der Umsetzung dieser aus der kurdischen Frauenfreiheitsbewegung kommenden Sozialwissenschaft austauschen.

Jineolojî als Wissenschaft der Frau kritisiert das elitäre, patriarchale, positivistische Verständnis von Wissenschaft. Dieses radikale Denken entwickelt Wissen und Methoden für die Erforschung und Überwindung patriarchaler, staatlicher und kapitalistischer Wissens- und Herrschaftsformen mit dem Ziel der Frauenrevolution für eine freie Gesellschaft. Das erste Mal schrieb Abdullah Öcalan 2008 in seiner Verteidigungsschrift „Soziologie der Freiheit“ von Jineolojî. Darin heißt es: „Solange das Wesen der Frau im Dunkeln bleibt, ist es nicht möglich das Wesen der Gesellschaft aufzuklären. (...) Um die Geschichte der Kolonialisierung von Frauen zu lösen – einschließlich ihrer wirtschaftlichen, sozialen, politischen und mentalen Kolonialisierung – wird die Aufklärung aller anderen Fragen in der Geschichte und allen Seiten der heutigen Gesellschaften nicht möglich sein.“

Das Camp begann am ersten Tag mit einer Einführung in allgemeine Grundbegriffe der Jineolojî in den verschiedenen Sprachen und Dialekten. In den Tälern Hewramans, die aus dem Gebirgsland zwischen dem Dreieck Helebce-Merîwan-Pawe bestehen, wird hauptsächlich Hewramî, ein Dialekt des Goranî, und Soranî („Südkurdisch“) gesprochen. Nach dem Sprachworkshop stellte eine Aktivistin von „Jinên Ciwanên Têkoşer“ die Geschichte und den Vorschlag der Jineolojî vor. Im Kern ging es dabei um die Beantwortung der Fragen, worauf die Jineolojî aufbaut, was genau sie an positivistischer Wissenschaft kritisiert und wie ihre wissenschaftliche Perspektive für den gesellschaftlichen Wandel und den Kampf für Frauenfreiheit weltweit aussieht. Die patriarchale Gesellschaft in vielen Regionen Südkurdistan ist geprägt von einer Besatzermentalität. Das Camp soll den Rahmen für intensive Auseinandersetzungen mit dem Einfluss des Patriarchats auf die unterdrückte Position der Frau in der südkurdischen Gesellschaft bilden.

Der erste Tag des Camps wurde am frühen Abend mit einer Fahrradtour im Gebirgsland von Hewraman abgeschlossen. Für die späteren Stunden stehen noch kulturelle Aktivitäten auf dem Programm.

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