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Kurdischer Bevölkerungsanteil in Efrîn auf 18 Prozent gesunken


Innerhalb von zwei Jahren türkischer Besatzung ist der kurdische Bevölkerungsanteil in Efrîn auf 18 Prozent gesunken. Die Menschenrechtsorganisation Efrîn hat einen Bericht zur ethnischen Säuberung und weiteren Rechtsverletzungen vorgestellt. 


Im März 2018 ist Efrîn vom türkischen Staat besetzt worden. Die Menschenrechtsorganisation Efrîn hat in Şehba einen Bericht zu den Rechtsverletzungen der vergangenen zwei Jahre vorgestellt. Der Bericht wurde von Heyhan Ali im Serdem-Camp öffentlich verlesen.
Demnach wurden durch die türkische Invasion über 300.000 Menschen aus Efrîn in den benachbarten Kanton Şehba und andere Orte in Syrien vertrieben. Der kurdische Bevölkerungsanteil in Efrîn ist auf 18 Prozent gesunken. Im Zuge des gezielten Bevölkerungsaustausches wurden Dschihadisten aus Idlib und anderen Gegenden mit ihren Familien in Efrîn angesiedelt.
„Türkisierungspolitik“
Wie Heyhan Ali ausführte, wird die „Türkisierungspolitik“ in Efrîn weiter vorangetrieben. Orte und Straßen haben türkische Bezeichnungen bekommen. So wurde beispielsweise die Kawa-Kreuzung, deren Name sich auf den Schmied Kawa aus dem Newroz-Mythos bezieht, in Olivenzweig-Kreuzung umbenannt. „Olivenzweig“ war der Name, den die Türkei seiner völkerrechtswidrigen Invasion vor zwei Jahren gegeben hatte. In den Schulen in Efrîn findet heute türkischsprachiger Unterricht statt. Die neuen Schuluniformen repräsentieren laut Bericht „die türkische Kultur“. An vielen Orten hängen Bilder des türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Den Menschen in Efrîn werden türkische Ausweise aufgezwungen.
6200 Menschen verschleppt
In Efrîn sind laut der Menschenrechtsorganisation 6200 Menschen gewaltsam verschleppt worden. Das Schicksal von 3400 Entführungsopfern ist unbekannt.
Übergriffe gegen Frauen
Frauen sind von dem Besatzungsregime in Efrîn auf besondere Weise betroffen. Die Menschenrechtsorganisation hat 61 Fälle von Übergriffen gegen Frauen dokumentiert. Auch die Selbstmordrate von Frauen ist seit der Besatzung gestiegen. Drei Frauen haben Suizid begangen, nachdem sie von Dschihadisten angegriffen wurden.
553 Zivilisten getötet
Laut Bericht sind 553 Zivilist*innen durch direkte Angriffe des türkischen Staates und seiner dschihadistischen Proxys getötet worden. 55 der Opfer wurden zu Tode gefoltert.
200.000 Olivenbäume gefällt
In dem Bericht wird festgehalten, dass nicht nur die Zivilbevölkerung und ihr Eigentum von den systematischen Angriffen betroffen sind, sondern auch die Natur sowie historische und heilige Stätten. Wie Heyhan Ali ausführte, sind über 200.000 Olivenbäume gefällt und 11.000 Hektar Anbaufläche abgebrannt worden: „Aus der grünen Natur Efrîns ist eine Wüste geworden.“ Die Baumstämme wurden zur Verwertung in die Türkei gebracht.
75 historische Stätten geplündert
75 historische Stätten sind laut Bericht von den Besatzungstruppen geplündert worden. Dutzende Mosaike wurden weggeschafft. Außerdem wurden 15 Gräber zerstört, die für verschiedene Religionsgemeinschaften heilig waren.
Vor den Augen der Weltöffentlichkeit
Heyhan Ali wies abschließend darauf hin, dass diese Verbrechen vor den Augen der Weltöffentlichkeit stattfinden. Die Menschenrechtsorganisation ruft die UN dazu auf, ihrer Verantwortung nachzukommen und den türkischen Staat mit seinen dschihadistischen Proxys aus Syrien zu schaffen.

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