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Appell an Faeser von "IAKR" (Informationsstelle antikurdischer Rassismus) fordert Verbot der „Grauen Wölfe“

 


Nach dem Eklat um den faschistischen Wolfsgruß des türkischen Nationalspielers Merih Demiral beim EM-Spiel gegen Österreich werden die Stimmen nach einem Verbot der „Grauen Wölfe“ in Deutschland immer lauter.

„Unerlässlich und längst überfällig“

Nach dem Eklat um den faschistischen Wolfsgruß des türkischen Nationalspielers Merih Demiral beim EM-Spiel gegen Österreich am Dienstag werden die Stimmen nach einem Verbot der „Grauen Wölfe“ in Deutschland immer lauter. Die Informationsstelle Antikurdischer Rassismus (IAKR) kritisierte am Donnerstag eine Verharmlosung der Bedrohung und bezeichnete die rechtsextremistische Bewegung als „ernsthafte Gefahr“ für die Demokratie, da sie „dezidiert antidemokratisch, rassistisch und antisemitisch“ sei. In einem offenen Brief an Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) forderte die IAKR zum Handeln auf.

Graue Wölfe bedrohen sozialen Frieden

Die Graue Wölfe-Bewegung sei eine der größten ultranationalistischen Bewegungen in Deutschland, so die IAKR. „Sie sieht Gewalt als legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung, insbesondere gegen Oppositionelle und Minderheiten.“ Damit bedrohe sie den sozialen Frieden im Land und trage dazu bei, dass sich Betroffene nicht mehr sicher fühlten. Immer wieder komme es in Deutschland zu gewaltsamen Übergriffen und Drohungen gegen Andersdenkende durch Anhänger dieser Bewegung.

Die vielerorts zunehmende Präsenz der Grauen Wölfe und ihrer Symbole seit der Europameisterschaft bereiten der Informationsstelle ernsthafte Sorgen. „Nicht zuletzt auch wegen des starken Mobilisierungspotentials dieser gewaltbereiten Bewegung.“ Mit gezielter Propaganda und Hetze würde es ihnen gelingen, vor allem junge Menschen für ihre menschenverachtende Ideologie zu gewinnen. „Dies ist ein faschistischer Nährboden und es wäre völlig unverantwortlich, diesem kein Ende zu setzen.“

Die IAKR ist daher der Ansicht, dass ein Verbot der Grauen Wölfe-Bewegung und ihrer Symbole unerlässlich und längst überfällig ist. Innenministerin Faeser sei gefordert, die notwendigen Schritte eines Verbots einzuleiten, um die Aktivitäten dieser Bewegung konsequent zu unterbinden, heißt es in dem Brief, der unter anderem von dem Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert und dem Heidelberger Autor Alexander Glasner-Hummel unterzeichnet wurde. Hass und Hetze dürften keinen Platz in der deutschen Gesellschaft haben.

ZAD: Idealisten-Ideologie unvereinbar mit Demokratie und Menschenrechten

Auch der Zentralrat der Armenier in Deutschland fordert ein Verbot der sogenannten Grauen Wölfe. „Wir sind schockiert darüber, dass ein solches Zeichen des Hasses und der Gewalt auf einer internationalen Bühne in Deutschland gezeigt wird, ohne dass es Konsequenzen seitens der politischen Entscheidungsträger gibt“, erklärte Jonathan Spangenberg, Vorsitzender des ZAD. „Die Grauen Wölfe stehen für eine Ideologie, die mit Demokratie und Menschenrechten unvereinbar ist und in der Vergangenheit zu unermesslichem Leid geführt hat. Wir fordern, ähnlich wie in Österreich und Frankreich, ein sofortiges Verbot des Wolfsgrußes. Darüber hinaus fordern wir die Bekämpfung der rechtsextremen Grauen Wölfe, die in hunderten Vereinen in Deutschland ungehindert ihre Ideologie des Hasses verbreiten.“

GfbV: Verhöhnung der alevitischen Opfer des Sivas-Massakers

Dass Merih Demiral die Wolfsgeste ausgerechnet am Jahrestag des Pogroms von Sivas (ku. Sêwas) zeigte, bei dem am 2. Juli 1993 35 Menschen, größtenteils alevitischen Glaubens, getötet wurden, sei ein absoluter Skandal sowie „eine Verhöhnung der alevitischen Opfer des Massakers“, erklärte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Ihr Nahostreferent Kamal Sido forderte eine Entschuldigung von Demiral bei den Millionen Alevit:innen, für die der Wolfsgruß ein Symbol der Unterdrückung und Verfolgung sei. „Die türkische Nationalmannschaft muss sich öffentlich vom Zeigen des rechtsextremen Symbols distanzieren“, so Sido.

Bewegung der Grauen Wölfe

„Graue Wölfe“ ist eine Bezeichnung für die „Ülkücü“-Bewegung – zu Deutsch: Idealisten. „Graue Wölfe“ wurden in den 1960er Jahren militante Jugendgruppen und Paramilitärs genannt, denen zahlreiche politische Morde an Kurd:innen, Alevit:innen, Linken, Sozialist:innen und Gewerkschafter:innen in der Türkei zwischen den 60er und 90er Jahren angelastet. Ihr Symbol ist der graue Wolf (tr. Bozkurt). Der türkische Doppeltorschütze Merih Demiral hatte beim 2:1-Sieg gegen Österreich das Handzeichen bei seinem Jubel nach dem 2:0 gezeigt und ein Foto davon auch in sozialen Medien veröffentlicht. Bei einer Pressekonferenz im Anschluss hatte der Abwehrspieler die Geste verteidigt und betont, dass keine versteckte Botschaft dahinter stecke.

Die Idealisten-Bewegung wurde in den 1960er Jahren von Hitler-Verehrer Alparslan Türkeş gegründet und steht für eine rassistisch-nationalistische Ideologie, die von der historischen und moralischen Überlegenheit der Turkvölker ausgeht und Abweichungen davon diskriminiert. Zu ihr zählt auch die sogenannt Große Einheitspartei BBP und die ultranationalistische Partei MHP. Letztere ist Regierungspartner von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan und seiner AKP.

Die Ableger der „Grauen Wölfe“ in Deutschland werden vom Verfassungsschutz beobachtet. Der stuft die Gruppierung als eine „erhebliche Bedrohung für die freiheitlich demokratische Grundordnung“ ein. Der Ideologie der „Ülkücü“-Bewegung wird im Verfassungsschutzbericht 2023 ein „übersteigerter Nationalismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ wie Rassismus und Antisemitismus attestiert. Mit mehr als 12.000 Anhänger:innen ist sie eine der größten rechtsextremen Gruppen in Deutschland.

Faeser fordert Konsequenzen von UEFA

Auf X hatte sich Bundesinnenministerin Nancy Faeser am Mittwoch ebenfalls zu dem Thema geäußert. „Unsere Sicherheitsbehörden haben türkische Rechtsextremisten in Deutschland fest im Blick“, schrieb die SPD-Politikerin und bezeichnete es als „völlig inakzeptabel“, die Fußball-Europameisterschaft als Plattform für Rassismus zu nutzen. Faeser forderte die UEFA auf, Konsequenzen zu ziehen. Einem Verbotsantrag hat die Ministerin bislang aber nicht zugestimmt.

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