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Zivilgesellschaftliches Engagement zum Tag der Muttersprache

 


Die KJK macht anlässlich des Welttags der Muttersprache auf die Verbotspolitik gegen kurdische Sprachen aufmerksam und fordert zivilgesellschaftliches Engagement ein. Der kurdische Elternverein Yekmal e.V. organisiert eine Fachtagung in Bremen.

Der Internationale Tag der Muttersprache am 21. Februar ist ein im November 1999 von der UNESCO ausgerufener Gedenktag zur Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit. Das diesjährige Thema lautet: „Mehrsprachige Bildung ist eine Säule des generationenübergreifenden Lernens". Die Gemeinschaft der Frauen Kurdistans (KJK) macht in einer Erklärung mit dem Titel „Muttersprache ist die Identität der Völker" darauf aufmerksam, dass 25 Jahre nach der Ausrufung dieses Gedenktages in einigen Staaten immer noch Sprachen verboten sind.

„Die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) hat den 21. Februar zum Welttag der Muttersprache erklärt. Obwohl seit diesem Beschluss 25 Jahre vergangen sind, sind viele historisch und gesellschaftlich verankerte Sprachen in einigen UN-Mitgliedstaaten immer noch verboten. Der türkische Staat betreibt seit hundert Jahren eine Politik des Völkermords und der Assimilierung, die sich gegen Kurd:innen, Suryoye, Armenier:innen und andere Völker richtet. Angesichts dieser auf einem monistischen Verständnis basierenden Politik und des Verbots von Sprachen in der Türkei zu schweigen, ist eine Schande für die UNESCO und eine Verletzung der UN-Resolutionen“, stellt das Bildungskomitee der KJK fest.

Weiter heißt es in der Erklärung: „Die Nationalstaaten Türkei, Syrien und Iran erkennen die Existenz des kurdischen Volkes bis heute nicht offiziell an. Das kurdische Volk, dem mehr als 40 Millionen Menschen angehören, kämpft seit Jahren für seine Rechte und Freiheiten.“ In diesem Kampf erfahre das kurdische Volk große Unterstützung von nichtstaatlicher Seite, betont das KJK-Komitee und verweist auf Menschen aus vielen verschiedenen Ländern, die sich solidarisch erklären oder als Internationalist:innen in der Freiheitsbewegung engagieren.

KJK: Nicht auf den Staat warten, selbst aktiv werden

Für die Kurdinnen und Kurden sei jedoch vor allem wichtig, an die eigene Arbeit zu glauben und für den Aufbau einer demokratischen Nation zu kämpfen: „Unser Volk darf sich nicht auf einen Nationalstaat verlassen, wenn es um muttersprachliche Bildung geht. Die wahre Hoffnung ist die Solidarität und Unterstützung in der Gesellschaft.“ Anstatt auf staatliche Angebote zu warten, sollten in Eigeninitiative Projekte zur Förderung von Muttersprache und Kultur gestartet werden, appelliert die KJK. Das sei auch ein Grundprinzip beim Aufbau einer demokratischen Nation:

„Das Sprechen, Lernen und Entwickeln der Muttersprache ist ein sehr natürliches und sinnvolles Bestreben. Die Sprache ist das Symbol der menschlichen Existenz, Herkunft und Identität. Wenn ein Mensch seine Sprache verliert, verliert er seine Herkunft. Wir rufen alle Kurdinnen und Kurden dazu auf, in jeder Lebensphase auf Kurdisch zu denken und zu sprechen und ihre Existenz auf Kurdisch auszudrücken."

Yekmal e.V.: Förderung der Mehrsprachigkeit in Deutschland

Ein positives Beispiel für das von der KJK geforderte zivilgesellschaftliche Engagement ist der Verein der Eltern aus Kurdistan in Deutschland (Yekmal e.V.), der sich als politisch unabhängige Migrantenselbstorganisation versteht und ein vielfältiges soziales und pädagogisches Angebot mehrsprachig in Deutsch, Kurmancî, Soranî, Zazakî, Arabisch, Türkisch und Englisch umsetzt. Den internationalen Tag der Muttersprache begeht der Verein traditionell mit einem Fachtag, der der Förderung der Mehrsprachigkeit in Deutschland gewidmet ist.

Das diesjährige Symposium findet am kommenden Wochenende unter dem Motto „Herkunftssprachenunterricht in Schulen und Bilingualität in Kitas: Erwartungen, Realitäten und Zukunftsaussichten“ im DGB-Haus in Bremen statt. Die Fachtagung am 23. und 24. Februar ist eine Kooperationsveranstaltung von Yekmal e.V., GEW Bremen und dem Verein Kurdischer LehrerInnen in Europa e.V. und wird in einem hybriden Format, also sowohl online als auch in Präsenz, organisiert.

Foto: Aktivist:innen fordern in Istanbul die Anerkennung von Kurdisch als offizieller Bildungssprache, Mai 2022

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