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Save the Children: Mehr mangelernährte Kinder in Nordostsyrien


Die Zahl der mangelernährten Kinder im Nordosten von Syrien ist in den vergangenen sechs Monaten um besorgniserregende 150 Prozent gestiegen. Damit leiden mindestens 10.0000 weitere Kinder in der Region unter Mangelernährung.

Die Zahl der mangelernährten Kinder im Nordosten von Syrien ist nach den neuesten Daten der NES Nutrition Working Group in den vergangenen sechs Monaten um besorgniserregende 150 Prozent gestiegen. Damit leiden mindestens 10.0000 weitere Kinder in der Region unter Mangelernährung, betont die Kinderrechtsorganisation Save the Children in einer Mitteilung und appelliert an die internationale Gemeinschaft, ihre Anstrengungen zur Bekämpfung der Hungerkrise zu verstärken und die verheerenden Auswirkungen auf Kinder zu mildern – in Syrien und weltweit.

„Die verfügbaren Mittel reichen bei Weitem nicht aus, um sicherzustellen, dass alle Kinder Zugang zu einer ausgewogenen Ernährung haben“, kritisiert Save the Children. Jeden Tag müssten Mitarbeitende in Syrien mehr Kinder als am Tag zuvor behandeln. Die Menschen seien arm und könnten sich einfach keine Lebensmittel mehr leisten. Vor allem für Kinder sei die Mangelernährung lebensbedrohlich. Allein in den 19 Ernährungszentren der Organisation in Nordostsyrien habe sich die Zahl der mangelernährten Kinder vervierfacht – von 256 auf mehr als 1000.

Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) benötigen rund 5,5 Millionen Menschen in ganz Syrien direkte Nahrungsmittelhilfe, die Hälfte davon im Nordosten des Landes, der eingekesselt ist zwischen syrischem Regime und türkischer Besatzungszone. In den vergangenen drei Jahren haben Konflikte, Dürren, die Corona-Pandemie und die Finanzkrise im Nachbarland Libanon, wo viele syrische Geflüchtete leben, die Wirtschaftskrise immer weiter befeuert. Die Lebensmittelpreise schnellten zwischen 2019 und 2021 um fast 800 Prozent in die Höhe und steigen weiter. 90 Prozent der 18 Millionen Einwohner:innen Syriens leben in Armut.

„Nach fast zwölf Jahren Konflikt ist nun die wirtschaftliche Not zum Haupttreiber des Hungers geworden“, sagt Beat Rohr, Interimsländerdirektor von Save the Children in Syrien. „Mindestens 60 Prozent der Bevölkerung sind von Ernährungsunsicherheit betroffen; die Lage wird täglich kritischer.“ Die Staats- und Regierungschefs beim COP27-Klimagipfel fordert die Kinderrechtsorganisation auf, die Auswirkungen der Klimakrise auf Kinder – wie die Dürre im Nordosten Syrien – anzuerkennen und ambitioniert zu bekämpfen.

Aktion für Hilfsprojekte in Camps

Die neuen Zahlen zu Mangelernährung bei Kindern im Nordosten Syriens stammen von der NES Nutrition Working Group, einem Zusammenschluss aller im Bereich Ernährung in der Region tätigen NROs, dem auch Save the Children angehört. Die Organisation arbeitet seit 2012 in Syrien und erreicht dort über fünf Millionen Menschen, darunter mehr als drei Millionen Kinder. Ihre Projekte umfassen die Bereiche Nothilfe, Kinderschutz, Bildung, Gesundheitsdienste, Ernährungssicherheit, Existenzsicherung, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene. Mit der Aktion „Ein Schal fürs Leben“ konnte Save the Children seit 2014 gemeinsam mit der Frauenzeitschrift BRIGITTE insgesamt 2,5 Millionen Euro für Projekte für syrische Kinder sammeln. Ein Teil der Erlöse aus dem Verkauf von Schals und Wollpaketen sowie Spenden fließt vor allem in die Soforthilfe von Save the Children und Partnerorganisationen vor Ort. So werden zahlreiche Hilfsprojekte in Camps in Syrien und angrenzenden Nachbarländern finanziert, damit betroffene Kinder genug zu essen haben, medizinisch versorgt werden und wieder zur Schule gehen können. Dieses Jahr findet die Aktion zum neunten Mal statt.

 

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