IS-Terror im Camp Hol

ANF / HESEKÊ, 6. Okt. 2019.

Im Camp Hol in Nordsyrien ist ein männlicher Bewohner am Sonntag bei einer Messerattacke von Anhängerinnen der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat” (IS) schwer verletzt worden. Der Mann erlitt bei der Attacke mehrere Schnittwunden am Hals und wurde an mehreren Arterien verletzt. Außerdem wurden seine Stimmbänder in Mitleidenschaft gezogen.

Bei dem Opfer handelt es sich um den Camp-Bewohner Abdulrahman Aziz. Am frühen Morgen bereite er im Lager eine Bestattung vor, als er von den IS-Dschihadistinnen angegriffen wurde. Medizinisch wird er auf einer Krankenstation des Camps versorgt. Sein Zustand ist kritisch.

Das Camp Hol im syrisch-irakischen Grenzgebiet nahe Hesekê ist so groß wie eine Stadt. Aktuell sind dort mehr als 71.000 Menschen untergebracht. Unter ihnen befinden sich Schutzsuchende aus Syrien und dem Irak, aber auch Tausende IS-Anhängerinnen mit ihren Kindern, darunter auch viele Deutsche. Für die IS-Familien ist ein gesonderter Bereich eingerichtet.

Die Behörden in Nord- und Ostsyrien und die Camp-Verwaltung in Hol warnen bereits seit Monaten vor einem „kleinen IS-Staat“ in dem Lager. Insbesondere die weiblichen IS-Mitglieder stellen eine große Gefahr dar. ANHA-Informationen zufolge haben Dschihadistinnen einen heimlichen Gerichtshof gegründet, vor dem Frauen aus dem Camp für „Fehlverhalten“ verurteilt werden. Erst gestern ist in dem Lager der Leichnam einer IS-Frau entdeckt worden. Am vergangenen Donnerstag wurde ein junger Mann aus al-Bab erstochen, weil er die IS-Ideologie ablehnte.

Anfang der Woche war es im Camp-Hol zu einem fünfzehnminütigen Schusswechsel gekommen, als weibliche IS-Mitglieder das Feuer auf Sicherheitskräfte eröffneten. Bei der bewaffneten Auseinandersetzung kam eine IS-Frau ums Leben, sieben weitere Dschihadistinnen wurden verletzt. Vergangenen Sonntag wurden zwei russische Schwestern von IS-Frauen angegriffen und verletzt. Außerdem wurde an dem Tag in der Kanalisation eine Frauenleiche entdeckt.