Lebensunterhalt dank jahrtausendealter Tradition

Das Brot Nanê Tenûrê wird nach jahrtausendealter Tradition gebacken. Für Hilale Hassan aus dem nordsyrischen Tell Brak ist es der Lebensunterhalt für ihre gesamte Familie.

ANF / TELL BRAK, 22. Sept. 2019.

Hilale Hassan lebt in einem Dorf im Osten von Tell Brak. Dort befindet sich der gleichnamige antike Hügel Tell Brak, einer der weltweit ältesten Siedlungen mit städtischen Strukturen der Kulturen des 3. und 2. Jahrtausends v. Chr. Heute liegt die Stadt geografisch im nordsyrischen Kanton Qamişlo.

Mindestens genauso alt wie Tell Brak sind die Tenûr-Öfen oder auch Tandur – Lehmöfen zum Backen von Fladenbrot. Mit dem Brot aus diesem Ofen – auf kurdisch nennt es sich Nanê Tenûrê – verdient die 40-jährige Hilale Hassan ihren Lebensunterhalt und kann so für ihre Familie sorgen. Dieses Handwerk hat sie wie üblich von ihrer Mutter erlernt. Jeden Tag backen Hassan und ihre Nachbarn zwischen sieben und neun Nanê Tenûrê und verkaufen es im gesamten Ort.

Doch anders als in Nordkurdistan, wo Nanê Tenûrê traditionell aus gesäuertem Teig und lediglich durch Hinzufügen von Hefe hergestellt wird, verfeinert Hilale Hassan ihren Teig mit Stroh und Tonerde. „Wir mischen unsere Zutaten und lassen den Teig zwei Tage lang stehen. Anschließend wird der Teig wieder angemischt, bevor wir daraus Kugeln formen“, erklärt Hassan. „Trotz Hitzephase war es ein gutes Erntejahr. Im Frühling hat es viel geregnet. Die Menschen verwenden den eingelagerten Weizen zur Brotherstellung. Aber die Qualität lässt zu wünschen übrig. Das gleiche gilt für das Brot in den traditionellen Bäckereien. Wir selbst haben früher zwar auch Brot aus der Bäckerei konsumiert, doch seit wir wieder auf den Geschmack von Nanê Tenûrê gekommen sind, verzichten wir auf etwas anderes. Ich backe pro Tag etwa sieben bis neun Fladen davon und habe eine ganze Reihe von Kunden, die ebenfalls kein anderes Brot haben wollen,“ fährt die 40-Jährige fort.

Nanê Tenûrê ist in Rojava der Hauptbestandteil aller Mahlzeiten, insbesondere des Frühstücks. Da es in den heißen Sommermonaten schnell austrocknet, wird es in der Regel nur im Frühjahr und Herbst gebacken.