Renaissance der tschetschenischen Sprache und Kultur in Minbic

Die in Minbic lebenden Tschetschenen waren jahrzehntelang einer heftigen Assimilationspolitik ausgesetzt. Unter dem Dach der Selbstverwaltung erlebt ihre Sprache und Kultur eine Renaissance.

ANF / MINBIC, 30. Aug. 2019.

Die tschetschenische Bevölkerung wurde vor etwa 150 Jahren vom Osmanischen Reich in Nordsyrien, insbesondere in den Gebieten um Homs und Minbic herum, angesiedelt. Schon unter der osmanischen Herrschaft wurde sie zum Ziel von Assimilationspolitik und auch das syrische Regime setzte ihre Arabisierung fort. Waren es damals noch 1.864 tschetschenische Familien, die in Minbic angesiedelt wurden, sind es heute aufgrund der erlebten Unterdrückung nur noch 150 Familien, die geblieben sind.

Renaissance von Sprache und Kultur

Nachdem Minbic vor drei Jahren durch die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) von der Terrorherrschaft der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) befreit wurde, begann die autonome Selbstverwaltung die tschetschenische Bevölkerung dabei zu unterstützen, ihre Sprache und Kultur wieder aufleben zu lassen. Es wurden Vereine gegründet, und die Kinder konnten in ihrer Muttersprache lernen und ihre Kultur leben.

Im Juli nahm der Verein der Tschetschenen mit einem Sprachkurs seine Arbeit auf. An dem Kurs nehmen etwa 50 Schüler*innen teil. Im Rahmen des Bildungsprogramms finden auch kulturelle Aktivitäten statt. So werden tschetschenische Folklore und Tänze gepflegt. Der Verein ist an jedem Wochentag geöffnet.

70.000 Menschen nach Şengal zurückgekehrt

Nach der Befreiung von Şengal und dem Wiederaufbau der Region sind nach Angaben des Volksrats von Şengal bisher etwa 70.000 Menschen zurückgekehrt.

ANF / ŞENGAL, 28. Aug. 2019.

Am 3. August 2014 hatten die Peschmerga der Demokratischen Partei Kurdistans (PDK) kampflos die Şengal-Region und ihre ezidische Bevölkerung dem sogenannten „Islamischen Staat“ (IS) überlassen, der sofort mit einem Genozid begann. Tausende wurden ermordet, Tausende Frauen und Kinder verschleppt und auf Sklavenmärkten verkauft. Durch den Widerstand von wenigen damals im Şengal präsenten Guerillakämpfer*innen der Volksverteidigungskräfte HPG und die Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG/YPJ aus Rojava konnte ein Fluchtkorridor geöffnet werden, durch den sich Hunderttausende Ezid*innen vor dem sicheren Tod nach Rojava und weiter retten konnten. In der Şengal-Region wurden eigene Verteidigungseinheiten, die Widerstandseinheiten YBŞ und YŞJ aufgebaut, die gemeinsam mit der HPG den IS immer weiter aus der Region vertreiben konnten. Die Menschen in den befreiten Gebieten begannen Rätestrukturen und Selbstverwaltung aufzubauen. Die Şengal-Region wurde am 13. November 2015 komplett vom IS befreit. Im Juni 2016 gründeten Tausende junge Männer und Frauen die Sicherheitskräfte von Êzîdxan die ebenfalls für Sicherheit im Şengal sorgen.

Sprengfallen geräumt

Gemeinsam mit den YBŞ/YJŞ räumte das Êzîdxan Asayisch die Gebiete Sinune, Zorava, Guhbel, Duhlo und Digorê von zurückgebliebenen Sprengkörpern, Sprengfallen und Minen und legte damit die Grundlage für die Rückkehr der Menschen in die Region.

Bevölkerung kehrt zurück

Etwa 550.000 Menschen hatten wegen des IS-Angriffs die Region verlassen. Nach der Wiederherstellung der Sicherheit kehrten Hunderte Familien, insbesondere aus den Flüchtlingslagern in Dihok, Zaxo und Hewlêr zurück. Nach Berichten der Rückkehrer*innen ist es ihnen verboten, ihre Sachen aus den Lagern mit nach Şengal zu bringen. Die PDK hält ein strenges Embargo über die Region. Wiederholt berichten Menschen aus Lagern, dass sie von der Lagerverwaltung sogar an der Rückkehr gehindert werden. Über die Zahl der Rückkehrer*innen gibt es keine offiziellen Angaben vonseiten der irakischen oder südkurdischen Regierung. Der Volksrat von Şengal spricht von 70.000 Rückkehrer*innen, vor allem aus Xanesor, Sinune, Digure, Duhlo und Borik.

Räte versorgen die Familien

Mit der Rückkehr der Familien begann der Demokratisch Autonome Şengal Rat sich um die Versorgung der Betroffenen zu kümmern. Der Rat hatte sich vorher vor allem um den Aufbau der Strom- und Wasserversorgung gekümmert, jetzt deckt er auch den Bedarf der Familien an Lebensmitteln ab.

Der Ko-Vorsitzende des Volksrats von Xanesor, Pir Haşim sagt: „Wir versuchen, die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. Die Familien kehren nach fünf Jahren in die Şengal-Region zurück. Aber sie dürfen nichts von ihren Sachen aus den Lagern mitbringen. Wir als Rat versorgen die Familien soweit wird das können.“

700.000 Menschen nach Raqqa zurückgekehrt

Nach der Befreiung der Stadt Raqqa und dem Wiederaufbau des zerstörten Ortes begann die Rückkehr von etwa 700.000 Einwohner*innen der Großstadt.

ANF / RAQQA, 28. Aug. 2019.

Die Hauptstadt des selbsternannten IS-Kalifats Raqqa wurde am 20. Oktober 2017 von den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) mit Unterstützung der internationalen Anti-IS-Koalition vom sogenannten „Islamischen Staat“ befreit. Mit der Befreiung der Stadt ist das Leben vor Ort neu aufgeblüht. Der IS hatte 85 Prozent der Infrastruktur der Stadt zerstört. Mit der Befreiung der Stadt begannen intensive Räumungs- und Wiederaufbauarbeiten.

700.000 Menschen zurückgekehrt

Der Zivilrat von Raqqa und die Stadtverwaltung koordinierten die Räumungsarbeiten, die Arbeiten zur Wiederherstellung der Wege und begannen ein Haus nach dem anderen wieder an die Wasserversorgung anzuschließen. Auf diese Weise wurden die Hinterlassenschaften des Krieges Schritt für Schritt beseitigt. Mit dem Wiederaufbau der Stadt und insbesondere eines vom Geiste des Zusammenlebens geprägten friedlichen Miteinanders begannen die Menschen, in die Stadt zurückzukehren. Bis jetzt sind 700.000 Menschen in die ostsyrische Großstadt zurückgekommen.

Tausende Gebäude errichtet

Mit der Rückkehr der Einwohner*innen der Stadt und dem Anstieg der Bevölkerung beschleunigten sich auch die Bauarbeiten. Die Stadtverwaltung erteilte eine Amnestie an alle, die ohne eine Genehmigung ihre Häuser wiederaufbauten und unterstützte diese nach Möglichkeiten. Außerdem wurden 2.000 Genehmigungen für Neubauten und 800 Wiederaufbaugenehmigungen für im Krieg zerstörte Gebäude erteilt.

Unterbringung von Flüchtlingen ausgebaut

Luey Isa vom Organisierungsbüro des Zivilrats von Raqqa berichtet, dass sich in der Stadt auch etwa 80.000 Binnenflüchtlinge befinden. Als die ersten Einwohner*innen zurückkehrten, sei deren Versorgung mit Dienstleistungen schwer gewesen, sagt Isa: „Dieses Problem wurde mit der vollständigen Absicherung der Region gemeinsam gelöst. Nun kehren die Einwohner in Ruhe und Frieden in ihre Häuser zurück. Auch die Rückkehr von Menschen aus Raqqa, die sich in Gebiete unter der Kontrolle des Regimes flüchten mussten, hält an.“

Mohammed Bekri von der Stadtverwaltung erklärt außerdem, alle, deren Häuser zerstört wurden oder die sich ein neues Haus bauen, seien von Steuern bef

MSD-Sprecher: Trotz Abkommen gehen türkische Drohungen weiter

Trotz des erreichten Abkommens über die Grenzsicherheit mit der Türkei wird die Bedrohung durch das AKP-Regime weitergehen, sagt der Sprecher des Demokratischen Syrienrats, Amjad Othman.

ANF / QAMIŞLO, 28. Aug. 2019.

Der Sprecher des Demokratischen Syrienrats (MSD), Amjad Othman, sprach mit der Nachrichtenagentur ANHA über die Invasionsdrohungen der Türkei und die Einrichtung einer „Sicherheitszone“. Othman betonte die Notwendigkeit der Lösung aller Probleme durch Diplomatie und Politik. Zum Abkommen erklärte er, durch die Vermittlung der USA sei es „an manchen Punkten bezüglich der Grenzsicherheit zu einer Verständigung gekommen. Damit konnte den Bedrohungen durch die Türkei, selbst wenn nur zeitweise, ein Riegel vorgeschoben werden“.

Rückkehr syrischer Flüchtlinge wird ermöglicht“

Weiter erklärte er, dass die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) die Versuche zur „ethnischen Säuberung“ der Region verhindern konnten und so den Weg für die Rückkehr aller Menschen, die aus Syrien geflohen sind, freigemacht haben. Im Rahmen der Verhandlungen sei es zu einer Übereinkunft gekommen, die allen Menschen aus Syrien die Rückkehr nach Hause ermöglicht. Es seien auch Maßnahmen gegen diejenigen, die Straftaten gegen die Selbstverwaltung verübt haben, und zu eventuellen Gerichtsverfahren bei ihrer Rückkehr vereinbart worden.

Die Drohungen gehen weiter“

„Der türkische Staat wird seine Drohungen nicht einstellen“, betonte Othman. „Deswegen werden wir stets aufmerksam die Bedrohung durch die Türkei verfolgen und versuchen, dennoch gute Beziehungen aufzubauen.“

Die Vorschläge der QSD wurden umgesetzt“

Zum Abzug der Volks- und Frauenverteidigungseinheiten YPG/YPJ aus dem Grenzstreifen und der Übergabe an die lokalen Militärräte sagte Othman: „Das war der Vorschlag der QSD. Sie werden auf ein Gebiet fünf Kilometer im Inneren zurückgezogen.“ Zur Bereitschaft für eine Lösung der Syrienkrise erklärte er: „Wir sind bereit, mit allen Seiten für eine Lösung in einen Dialog zu treten.“

Jeder Mensch aus Syrien hat das Recht auf Rückkehr“

Zu den Erklärungen der Türkei, syrische Flüchtlinge in der „Sicherheitszone“ anzusiedeln, sagte Othman: „Wir haben dieses Projekt nicht akzeptiert. Jeder Mensch aus Syrien hat das Recht, nach Hause zurückzukehren. Es sollten jedoch keine Versuche unternommen werden, die Struktur Syriens zu verändern.“

Othman rief die Menschen aus Nord- und Ostsyrien dazu auf, nach Hause zurückzukehren, und kündigte entsprechende Unterstützung durch die autonome Selbstverwaltung an

Selbstverwaltung: Erste Phase der Grenzsicherung beginnt

Die autonome Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien erklärt, dass mit der Umsetzung des ersten Teils des Abkommens zur Grenzsicherung begonnen worden ist.

ANF / REDAKTION, 27. Aug. 2019.

Zedan al-Asi vom Büro für Verteidigung der Autonomen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien hat bekannt gegeben, dass mit der ersten Phase des Abkommens zur Grenzsicherung begonnen worden ist. Es geht dabei um die Umsetzung der Anfang August zwischen den USA und Ankara vereinbarten Sicherheitszone. Die Selbstverwaltung verhandelte über die Sicherheitszone durch US-Vermittlung mit dem AKP-Regime.

Al-Asi erklärte: „Aufgrund der trilateralen Vereinbarung mit der Türkei und den USA haben wir am 24. August begonnen, praktische Schritte zu deren Umsetzung einzuleiten. Zunächst wurden die Wälle an der Grenze in Serêkaniyê abgetragen und die Einheiten der YPG und schwere Waffen an andere Stellungen abgezogen. Die Punkte an der Grenze wurden lokalen Kräften übergeben.“ Die Volks- und Frauenverteidigungseinheiten (YPG/YPJ) übergaben die militärische Kontrolle des Grenzstreifens den eigens gebildeten lokalen Militärräten. Mit diesem Schritt hat die Selbstverwaltung die türkischen Pläne zur Errichtung einer Besatzungszone zumindest auf diplomatischer Ebene durchkreuzt.

„Die gleichen Schritte wurden am 26. August in Girê Spî durchgeführt“, so Asi: „Die Punkte des Abkommens werden mit aller Vorsicht umgesetzt. Alle Probleme mit den Nachbarstaaten sollen auf der Ebene eines friedlichen Dialogs gelöst werden.“

QSD fordern Anerkennung der Selbstverwaltung

Die Jahreskonferenz der Demokratischen Kräfte Syriens endete mit einer Abschlusserklärung, in der die syrische Regierung zum Dialog und zur Anerkennung der autonomen Selbstverwaltung aufgerufen wurde.

ANF / HESEKÊ, 25. Aug. 2019.

Am Samstag hat in der nordsyrischen Kantonshauptstadt Hesekê die Jahresversammlung der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) stattgefunden. Unter dem Motto „Nach dem Ende des Terrors Stabilität garantieren“ diskutierten rund 600 Delegierte der in den QSD zusammengeschlossenen militärischen Verbände YPG, YPJ, Jaish al-Thuwar, Liwa al-Shamal al-Democrati, Jabhat al-Akrad, Quwwat as-Sanadid, dem Militärrat der Suryoye und geladene Gäste aus der Politik und Zivilgesellschaft auf der nicht öffentlichen Sitzung über den weiteren Kampf gegen die Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) und eine Neustrukturierung der QSD. Die Konferenz endete mit einer gemeinsamen Abschlusserklärung, die vom QSD-Pressesprecher Mustafa Bali verlesen wurde.

„Als Demokratische Kräfte Syriens haben wir in dieser bedeutsamen Phase unsere Jahresversammlung durchgeführt, um den Kampf nach dem historischen Sieg über den IS angemessen zu planen und Sicherheit und Frieden in Nord- und Ostsyrien zu garantieren. Die Versammlung zielte auch darauf ab, die QSD weiter zu stärken und das Ziel eines dezentralen, freien, vielfältigen und demokratischen Syriens zu verwirklichen. Auch wenn der IS als Territorialmacht durch militärische Schläge inzwischen nicht existent ist, so stellt er doch weiterhin eine Bedrohung für den Frieden und die Sicherheit in der Region und weltweit dar. Insofern ist der Kampf gegen den IS in eine schwierigere als die vorrangegangene Phase eingetreten. Der IS hat seine Kriegstaktiken geändert und versteckt sich mit seinen klandestinen Zellen innerhalb der Zivilbevölkerung. Wir erklären unsere Entschlossenheit, diese Zellenstrukturen in kürzester Zeit zu vernichten und betonen die Bedeutung, welche die notwendige Unterstützung der internationalen Koalition für einen endgültigen Sieg hat.

Der Kampf gegen die Terrororganisation IS ist unsere Hauptaufgabe. Wir haben zuvor schon erklärt, dass der türkische Staat Efrîn besetzt hat und dort versucht, eine neue Front gegen unsere Kräfte zu eröffnen. Wir betonten, dass dieses Vorgehen unseren gemeinsam mit der internationalen Koalition geführten Krieg gegen den IS negativ beeinflusst hat. Auf dieser Grundlage möchten wir unsere Unterstützung für Aktivitäten der USA erklären, die Türkei davon abzuhalten, die Sicherheit an unserer Grenze und den Frieden in der Region zu stören und sich auf eine von allen Seiten akzeptable Form zu einigen. Wir sind bereit, in diesem Sinne unsere Pflicht zu erfüllen.

An dieser Stelle wiederholen wir unser Wort, dass die Bevölkerung Efrîns in ihre Häuser zurückkehren muss und stellen fest, dass ohne die Rückkehr der Vertriebenen kein dauerhafter Frieden in Syrien möglich ist.

Wir fordern die syrische Regierung einmal mehr auf, einen friedlichen Weg zu finden, um die Lage Nord- und Ostsyriens und die kurdische Frage dauerhaft zu lösen und appellieren an sie, endlich das Bevölkerungsmosaik der Region anzuerkennen. Die syrische Regierung muss mit einem innersyrischen Dialog beginnen und auf der Grundlage der Anerkennung der Demokratisch-Autonomen Selbstverwaltung Gespräche führen sowie alle Bevölkerungsgruppen in einem multiethnischen, dezentralen und vielfältigen Syrien akzeptieren.

Als Demokratische Kräfte Syriens arbeiten wir seit etwa einem halben Jahr an einer Restrukturierung mit Hinblick auf den Bedarf und die Entwicklungen in der Region. Wir haben mit dem Aufbau der lokalen Militärräte einen wichtigen Schritt in diesem Sinne gemacht. Darüber hinaus haben wir kompetente und fachkundige Institutionen gegründet.

Auf der heutigen Konferenz haben wir einen weiteren Schritt auf dem Weg zur Gründung eines Gesamtmilitärrats unternommen. Die Militärräte werden sich unter diesem Dach organisieren. Wir haben militärische Koordinierungsmechanismen aufgebaut, damit alle Bereiche entsprechend arbeiten können. Unser Entwurf entspricht sowohl dem internationalen Recht als auch den entsprechenden Abkommen.

Zuletzt möchten wir den Vertretern des Demokratischen Syrienrats, der politischen Parteien, der demokratischen Einrichtungen und unserem Alliierten, der Internationalen Koalition danken. Unser einziges Ziel ist die Sicherheit unseres Landes, unserer Bevölkerung und der Welt.“

Tausende Angehörige islamistischer Milizen in Efrîn angesiedelt

Die Türkei siedelt in den letzten Wochen systematisch Angehörige von islamistischen Milizen aus Idlib in Efrîn an. Mehr als 160.000 Menschen sollen bereits nach Efrîn gebracht worden sein.

ANF / EFRÎN, 25. Aug. 2019.

Die türkische Besatzungsmacht treibt ihre Politik des demographischen Wandels in Efrîn mit aller Gewalt voran. Während die kurdische Bevölkerung aufgrund der systematischen Kriegsverbrechen aus ihrer Heimat vertrieben wird, lassen die Truppen aus Ankara nun tausende Menschen aus Idlib nach Efrîn transportieren. Bei den meisten Menschen handelt es sich hierbei um Angehörige islamistischer Milizen, die als Partner der Türkei im Norden Syriens agieren.

Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) beträgt die Zahl der Menschen, die aus Idlib nach Efrîn gebracht worden sind, bereits mehr 160.000. Örtliche Quellen berichten, dass alleine in den vergangenen zwei Tagen im Bezirk Şera 1.800 Menschen aus Idlib angesiedelt wurden. Auch aus anderen Bezirken Efrîns erreichen uns ähnliche Meldungen. Demnach werden mancherorts ganze Dörfer den Angehörigen dschihadistischer Milizen überlassen.

Sitzung der Ezidischen Gelehrtenvereinigung in Şengal

Die im Juli gegründete Ezidische Gelehrtenvereinigung ist in Şengal zu ihrer ersten ordentlichen Sitzung zusammengetroffen.

ANF / ŞENGAL, 25. Aug. 2019.

In Şengal hat heute die erste ordentliche Sitzung der Ezidischen Gelehrtenvereinigung stattgefunden. Der Zusammenschluss ezidischer Geistlicher und Religionswissenschaftler hatte am 22. Juli seine Gründung bekanntgegeben.

Im Rahmen des Treffens wurde zunächst die aktuelle Situation der ezidischen Gemeinschaft und der Bevölkerung in Şengal erörtert. Anschließend wurde beschlossen, dem irakischen Präsidium für Religionsangelegenheiten, einer staatlichen Einrichtung zur Verwaltung religiöser Angelegenheiten der Zentralregierung in Bagdad, einen Bericht zur Untersuchung und Erneuerung der von der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Şengal beschädigten sowie vollständig zerstörten Friedhöfe vorzulegen. Auch insgesamt 68 heilige Stätten, die im Verlauf des ezidischen Genozids im Sommer 2014 vom sogenannten IS beschädigt wurden, sollen ebenfalls begutachtet werden.

Zu den weiteren Entschlüssen der Gelehrtenvereinigung gehört ein Besuch bei den ezidischen Widerstandseinheiten, die sich am Kampf gegen den IS-Terror beteiligen, und die Organisierung von Seminaren zum Ezidentum in Şengal.

Militärrat von Girê Spî bereit für „Sicherheitszone“

In der Umsetzung der Einrichtung einer „Sicherheitszone“ zwischen Serêkaniyê und Girê Spî spielt der Militärrat von Girê Spî eine wichtige Rolle. Er ist bereit, die Grenze und die Stadt zu verteidigen. Eine Beteiligung der Türkei ist ausgeschlossen.

ANF / GIRÊ SPÎ, 21. Aug. 2019.

Die Verhandlungen über eine „Sicherheitszone“ zwischen Girê Spî (Tall Abyad) und Serêkaniyê gehen weiter. An den Gesprächen zwischen den USA und der Türkei nehmen die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) indirekt teil. Auch wenn die QSD fordern, dass die „Sicherheitszone“ vom Euphrat bis zum Tigris reichen müsse, so wurde das Abkommen zwischen beiden Parteien bisher noch immer nicht umgesetzt. Einer der Militärräte, welche ihre Arbeit mit der Einrichtung der „Sicherheitszone“ aufnehmen werden, ist der Militärrat von Girê Spî

Der Militärrat von Girê Spî

Der Militärrat von Girê Spî besteht aus 21 Komitees. Deren Aufgaben sind nicht rein militärisch, sondern reichen von Bildung über Ökonomie bis hin zur Sicherheit. Im Militärrat sind arabische, kurdische, armenische und turkmenische Kämpfer*innen organisiert. Er besteht vollständig aus Menschen aus Girê Spî. Der Militärrat wird die Kontrolle der Grenze und die Verteidigung der Stadt übernehmen, sobald sich die YPG/YPJ und QSD fünf Kilometer von der Grenze im Rahmen der Einrichtung der „Sicherheitszone“ zurückgezogen haben. In den nächsten Tagen wird sich der Militärrat mit Vertretern der Internationalen Anti-IS-Koalition zu Gesprächen treffen.

Wir wollen die Türkei nicht“

Riyad Halaf al-Hemis, einer der Kommandanten des Rates, sprach über diese Entwicklungen mit der Nachrichtenagentur Mezopotamya. Wir geben hier übersetzte Auszüge aus dem Gespräch wieder. Al-Hemis erklärte, die Türkei wolle vor allem durch die „Sicherheitszone“ in die Region eindringen. Er erinnerte daran, wie die Türkei dem Islamischen Staat (IS) die Grenzen geöffnet und die Dschihadisten in Stadt und die Region gelassen hat: „Die Türkei will unsere Region mithilfe der Sicherheitszone besetzen. Als Menschen aus Girê Spî akzeptieren wir das nicht.“

Die Zone muss die gesamte Region einschließen“

In dem zwischen den USA und der Türkei geschlossenen Abkommen soll ein fünf Kilometer breiter und 100 Kilometer langer Streifen zur „Sicherheitszone“ erklärt werden. Hemis betont aber, dass der Rat eine „Sicherheitszone“ entlang der gesamten Grenze will. Es geht hier offensichtlich vor allem um den Schutz vor türkischer Aggression. Er erklärt die Forderung folgendermaßen: „Die Türkei versucht uns und unser Land zu terrorisieren. Hier ist niemand von außen hergekommen. Es handelt sich um die Menschen, die in Girê Spî leben, um Araber, Kurden, Turkmenen und Armenier. Wir wollen die Türkei nicht auf unserem Land. Wenn sie uns angreift, sind wir bereit, uns zu verteidigen. Der türkische Staat sagt, dass er seine Grenzen schützen will. Vor wem fürchtet er sich denn? Wir sind seit Jahren hier und wir haben niemanden angegriffen. Wir sind keine Besatzer so wie er.“

Wir haben den IS besiegt“

Hemis weiter: „Wir haben unser Land vor dem IS-Terror geschützt. Die Türkei hat den IS über uns gebracht. Aber wir haben den IS besiegt. Wir haben mehr als 11.000 Gefallene dafür gegeben. Und wir sind bereit, weitere zu geben. Wir wollen, dass die Völker gleichberechtigt zusammenleben. Das sagen wir nicht nur für uns, sondern auch in Bezug auf unsere Nachbarn.“

Appell an die Menschen in Girê Spî

Hemis kritisierte die Behauptungen scharf, dass den Menschen aus Syrien nicht erlaubt werde, hierher zurückzukehren. Man habe die Menschen immer wieder zur Rückkehr aufgerufen und tue das weiterhin, betonte er, die Region sei vom Terror befreit und die Türen für alle geöffnet. „Wir appellieren an alle: Kehrt zurück auf euer Land. Unser Volk in den Lagern soll dies wissen. Es ist sicher hier. Wir leben in Gleichberechtigung. Dieses Land ist für alle Menschen aus Girê Spî. Aber alle sollen wissen, dass wir von denjenigen, die den IS unterstützen und unser Volk ermordeten, Rechenschaft verlangen werden“, so Hemis.

Kirchen und Moscheen in Raqqa werden wiederaufgebaut

Viele Gebäude in Raqqa wurden beim Kampf um die Befreiung der Stadt vom IS zerstört. Auch die Märtyrerkirche von Raqqa trug großen Schaden und wurde bis auf die Grundmauern zerstört.

ANF / RAQQA, 21. Aug. 2019.

Raqqa ist immer eine multikulturelle und multireligiöse Stadt gewesen. So prägten neben Moscheen auch Kirchen das Stadtbild der ostsyrischen Metropole. Nach der Befreiung von Raqqa setzte sich die autonome Selbstverwaltung für den Wiederaufbau der Kirchen ein und arbeitet seitdem an der Rekonstruktion und Wiederherstellung von archäologischen Stätten und historischen Monumenten.

Abdul Salam Hamsourg, Ko-Vorsitzender des Ausschusses für soziale Angelegenheiten und Arbeit, sagt dazu: „Seit der Befreiung der Stadt Raqqa durch die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) kümmern wir uns um die religiösen Stätten, um Moscheen und Kirchen, die durch die militärischen Operationen in der Stadt beschädigt oder zerstört worden sind. Wir haben die internationalen Organisationen aufgefordert, beim Wiederaufbau zu helfen, denn diese Kirchen sind heilige Symbole und Teil des kulturellen Gedächtnisses der Bevölkerung. Die wichtigste dieser Kirchen ist die Märtyrerkirche. Sie ist die größte Kirche der Stadt.

Der Ausschuss für soziale Angelegenheiten und Arbeit arbeitet in Zusammenarbeit mit der Stiftung für religiöse Angelegenheiten und unter der Aufsicht des Zivilrates von Raqqa daran, der Märtyrerkirche ihr altes Aussehen wiederzugeben. Wir versuchen, die alte Architektur zu rekonstruieren und sie so wiederaufzubauen, wie die Bevölkerung sich an sie erinnert. Dies geschieht unter der Aufsicht von Fachingenieuren.

Zunächst haben wir die Trümmer der alten Kirche weggeschafft, um das Fundament des Gebäudes zu erreichen, damit die Kirche darauf wieder errichtet werden kann. Wir wollen den Wiederaufbau der Kirche bis zum Neujahrstag abschließen.“

Mittlerweile sind etwa vierzig armenische Familien in die Stadt zurückgekehrt. Sie warten auf die Wiedereröffnung ihrer Kirche.