Ziviler Mut in Suwayda (Süd-Syrien)

In der südsyrischen Stadt Suwayda versammelten sich vor einigen Tagen mehrere Demonstrant*innen, um vor dem Verwaltungsgebäude für die Freilassung politischer Gefangener zu demonstrieren. Dies ging als Reaktion auf die Festnahme des lokalen Ladenbesitzers und Aktivisten Muhannad Shihab al-Din hervor, der vor den Augen seines elfjährigen Sohnes mitgenommen und verschleppt wurde.

Das besondere an der Aktion ist, dass sich die Menschen in einer regimekontrollierten Gegend auf die Straße trauen und gegen die Vorgänge des Regimes gegenüber Oppositionellen zu demonstrieren.

Die drusisch geprägte Stadt hatte sich zwar in den letzten Jahren einen Sonderstatus erkämpft. Doch dass Menschen dort ohne Vermummung und mit offenem Gesicht für die Freilassung von politisch Gefangenen demonstrieren, beweist ganz viel Mut. Respekt!

Bild könnte enthalten: 9 Personen, Personen, die stehen, Menschenmasse, Schuhe und im Freien
Bild könnte enthalten: 6 Personen, Menschenmasse und im Freien
Bild könnte enthalten: 7 Personen, Personen, die stehen, Menschenmasse, Baum und im Freien

„adopt a revolution“: Auch das ist Idlib

Was wird da in dieser Schulklasse wohl gerade unterrichtet? Mathematik? Biologie? Englisch? Nicht ganz. In diesem Klassenraum in #Idlib wird den Kindern beigebracht, wie sie mit Waffenüberresten umgehen sollen. Unsere Partner von فريق ملهم التطوعي Molham Volunteering Team sagten uns dazu:

„Wir üben mit ihnen, was sie tun müssen, wenn bombardiert wird und dass sie sich Fremdkörpern nicht nähern sollen. Die Kinder finden den Unterricht total gut, sie mögen es sogar viel mehr als unseren Englischunterricht.“

Hier könnt ihr mehr über unsere Idlib-Projekte erfahren 👉 https://adoptrevolution.org/projektpartnerinnen-unter-besc…/

Bild könnte enthalten: 7 Personen, Personen, die lachen, Personen, die sitzen, Tisch und Innenbereich

Kobanê: Bildungsprogramm zur Frauenbefreiung für Männer

In der nordsyrischen Stadt Kobanê hat der Frauendachverband Kongreya Star ein Bildungsprogramm für Männer ins Leben gerufen. Die Teilnehmer erhalten Unterricht zu Frauenrechten und Gendergerechtigkeit.

ANF / KOBANÊ, 30. Juni 2019.

Der Dachverband der kurdischen Frauenbewegung in Rojava, Kongreya Star, hat ein Bildungsprogramm für Männer ins Leben gerufen. Seit einer Woche erhalten 18 Männer, die verschiedene Funktionen in den Komitees der Autonomieverwaltung in der Euphrat-Region bekleiden, Unterricht zu Frauenrechten und Gendergerechtigkeit. Unterrichtet werden die Männer von Aktivistinnen der Frauenbewegung an der Akademie „Şehîd Şîlan“ in der nordsyrischen Kantonshauptstadt Kobanê.

Das 14-tägige Bildungsprogramm von Kongreya Star umfasst auch Fragen zum Leben in einer freien Partnerschaft, die Rolle der Frau in der Gesellschaft und die Geschichte des Frauenbefreiungskampfes. Außerdem werden die Männer über gesellschaftlichen Sexismus aufgeklärt.

„Das Leben in einer freien Partnerschaft ist das Fundament der Egalität von Frauen und Männern in sozialer Hinsicht“, erklärte Felek Yûsiv aus dem Vorstand der Şehîd-Şîlan-Akademie. Eine bewusste, freie und demokratische Gesellschaft sei nur möglich, wenn die soziale Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht würde. „Dieses Ziel versuchen wir mit dem von uns initiierten Programm für Männer umzusetzen.“

Selbstverteidigungskräfte Südkurdistans gegründet

Die Selbstverteidigungskräfte Südkurdistans haben ihre Gründung bekannt gegeben.

% buffer

ANF / REDAKTION, 27. Juni 2019.

Mit einer militärischen Zeremonie in den kurdischen Bergen haben die Selbstverteidigungskräfte Südkurdistans ihre Gründung bekannt gegeben. Ziel der Neugründung ist der Kampf gegen die türkischen Besatzungstruppen in Südkurdistan.

In einer Erklärung, die auf der Gründungszeremonie von einem Kommandanten verlesen wurde, wird auf die Besatzungsversuche der „Neo-Osmanen“ in Kurdistan, insbesondere in Bradost, Kerkûk und Behdînan hingewiesen: „Leider machen sich gewisse südkurdische Kräfte zu Mittätern bei der Besatzung. Sie positionieren sich in keiner Weise gegen die kulturelle, wirtschaftliche und territoriale Plünderung.“

Die Gründung der Selbstverteidigungskräfte sei notwendig geworden, weil die südkurdische Regierung die Besatzung zulasse, wird in der Erklärung betont. Angriffsziel sei die Präsenz des türkischen Staates in Südkurdistan. Die Peschmerga und die politischen Kräfte in Südkurdistan wurden dazu aufgerufen, „die Besatzer gemeinsam aus Kurdistan“ zu vertreiben.

Mêrdîn (türkisch Kurdistan): Frauenkooperative nimmt Produktion auf

Nach den Wahlen begann die HDP-Stadtverwaltung von Şemrex mit einer Vielzahl neuer Projekte. Eines von ihnen ist die Frauenkooperative Sarya. Die Kooperative wurde von drei Frauen gegründet und betreibt kollektive Landwirtschaft.

ANF / REDAKTION, 26. Juni 2019.

Nach den Wahlen vom 31. März begannen die an Stelle der Zwangsverwalter wiedergewählten Kommunalverwaltungen der Demokratischen Partei der Völker (HDP) sofort wieder ihre Projekte der kommunalen Selbstverwaltung und Selbstversorgung aufzubauen. Eines dieser Projekte ist die Frauenkooperative Sarya in der nordkurdischen Stadt Şemrex (Mazıdağı) in der Provinz Mêrdîn (Mardin). Das Land der Kooperative wurde von Bauern gespendet und die Kooperative begann mit der Aussaat aus eigenem Budget. Ziel ist es, Hunderte von Frauen zu erreichen und einen Markt zu schaffen.

Während der drei Jahre Zwangsverwaltung durch einen türkischen Beamten fanden keinerlei Ausgaben für Frauenprojekte statt, Kooperativen, Räte, Hilfseinrichtungen wurden systematisch zerschlagen.

Eines der ersten Projekte der neuen HDP-Stadtverwaltung war die Sarya-Frauenkooperative. Die Kooperative begann auf drei Feldern grüne Bohnen anzupflanzen. Nun wird die Ernte mit großer Aufregung erwartet.

Die Stadtverwaltung will den Kooperativgedanken durch Informationsversammlungen in der Stadt weiterverbreiten. Die Ko-Bürgermeisterin, Nalan Özaydın, erzählt über die Geschichte der Kooperative: „Wir haben mit drei Frauen begonnen. Nachdem wir mit den Wahlen die Stadtverwaltung zurückgeholt hatten, haben wir auf drei Hektar, die uns ein Bauer gespendet hat, grüne Bohnen angepflanzt. Die Frauen aus dem Landkreis wollen sich ebenfalls beteiligen. Wir waren damit erfolgreich und haben es zusammen gemacht. Die Frauen wollen so einerseits etwas nach Hause mitbringen und andererseits ihre wirtschaftliche Freiheit gewinnen.“

Wir wollen Hunderte Frauen erreichen“

Die Frauen wollen das Projekt auf alle Dörfer der Region ausdehnen. Nalan berichtet, dass sie in der nächsten Woche mit der Aussaat von Rettich und Paprika beginnen: „Wir werden mit weiteren sieben Dörfern auf einer Fläche von zehn Hektar arbeiten. Bei diesem Land handelt es sich um Spenden von Bauern an die Frauenbewegung. Wir haben nun begonnen, das offiziell zu machen. Die Stadtverwaltung befindet sich hier nur in einer Unterstützerrolle. Wir selbst setzen unser eigenes verdientes Geld für die Bestellung der Felder ein. Wir haben nicht damit begonnen, indem wir von irgendwo hohe Geldbeträge kassiert haben. Wir haben mit einem sehr kleinen Budget angefangen und von unserem eigenen Geld Saatgut gekauft. Wir haben selbst gepflanzt. Wir werden überall im Landkreis mit Frauen weitere Kooperativen aufbauen.“

Wir werden Markt für unsere Produkte einrichten“

Nalan fährt mit den Worten fort: „Wir werden einen Markt zum Verkauf dieser Ernte einrichten. Im Moment gibt es zwei Orte, an denen wir einen Markt errichten werden. Wir werden die Produkte, die wir mit eigenen Händen hergestellt haben, dort verkaufen. Mit dem Gewinn aus den Produkten werden wir für die ökonomische Stärkung der Frauen sorgen und in die Ausbildung junger Frauen investieren.“

Wir werden Hand in Hand weiterarbeiten“

Hamdiye Kapçak von der Kooperative erzählt: „Während der Wahlen war die Kooperative eines unserer Projekte. Wir werden Şemrex durch unsere Frauenarbeit in eine Frauenstadt verwandeln. So haben wir entschieden, diese Kooperative aufzubauen. Wir haben mit nur drei Hektar begonnen, aber die Zahl der Frauen und unserer Arbeiten wird weiter zunehmen. Obwohl es nicht das erste Mal ist, das wir sowas machen, können wir die freudige Erwartung der Frauen sehen. Während der Zwangsverwaltung wurde nichts für die Frauen getan. Das werden wir zusammen mit den Frauen im Landkreis nun kompensieren. Unser wichtiges Ziel ist, für die Frauen hier ein Beschäftigungsfeld für Frauen zu schaffen. Wir versuchen so, die ökonomische Unabhängigkeit der Frauen durch Landwirtschaft und andere Projekte zu garantieren.“

IS-Kind an Dänemark übergeben – aber Deutschland untätig

 

Die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien hat ein zwölfjähriges Kind, dessen Eltern als IS-Mitglieder von den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) gefangengenommen wurden, an Dänemark übergeben.

ANF / QAMIŞLO, 23. Juni 2019.

Dänemark hat ein zwölfjähriges Kind, dessen in Rojava inhaftierte Eltern Mitglieder der Dschihadistenmiliz „Islamischer Staat“ (IS) sind und die dänische Staatsbürgerschaft besitzen, zurückgenommen. Ein Repräsentant aus der Abteilung des Konsularischen Dienstes beim dänischen Außenministerium war gestern zu einem offiziellen Besuch eingetroffen, um mit der Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien über die Rückführung von Kindern inhaftierter Dänen zu sprechen. Das Treffen fand im Büro für Außenbeziehungen der Autonomieverwaltung in der nordsyrischen Stadt Qamişlo statt. An dem Gespräch nahmen neben Abdulkarim Omar und Emel Dade, den beiden Verantwortlichen für auswärtige Angelegenheiten der Selbstverwaltung, auch Nojîn Mihemed von den Frauenverteidigungseinheiten YPJ teil. Dade erklärte nach dem Treffen: „Wir wünschen uns, dass dieser Besuch zur Entwicklung der Beziehungen zwischen der Autonomieverwaltung und der dänischen Regierung beitragen wird.“ Anschließend wurde das Kind am Grenzübergang Sêmalka der Obhut der dänischen Delegation übergeben.

In den letzten Monaten sind mehrere ausländische Frauen und Kinder an ihre Herkunftsländer übergeben worden. Zuletzt hatte die Autonomieverwaltung von Nord- und Ostsyrien Anfang Juni zwei Frauen und sechs Kinder mit US-amerikanischer Staatsbürgerschaft an die USA übergeben. Zur Rückführung der Frauen und Kinder aus dem zerschlagenen „Islamischen Staat“ (IS) war es auf Ersuchen der USA gekommen. Die norwegische Regierung hat bereits ein Rückführungsabkommen mit der nordostsyrischen Selbstverwaltung unterzeichnet.

Rückführung von IS-Waisen nach Deutschland?

Auch die Bundesregierung hat sich nach monatelangem Aussitzen erstmals bereit erklärt, Kinder von IS-Angehörigen nach Deutschland zurückzuholen. Nach Informationen von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung erklärte das Auswärtige Amt dies im Rahmen eines derzeit laufenden Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht in Berlin.

Das Auswärtige Amt reagierte mit der Erklärung auf die Klage der Großeltern zweier minderjähriger Waisenkinder, die sich derzeit im Flüchtlingslager Hol im Kanton Hesekê aufhalten. Ihre Mutter soll bei den Kämpfen um die letzte IS-Bastion al-Bagouz ums Leben gekommen sein.

Bisher hatte das Auswärtige Amt die eigene Untätigkeit mit fehlenden Möglichkeiten zur konsularischen Betreuung auf syrischem Boden gerechtfertigt. In dem Verfahren in Berlin erklärte es nun, weiterhin nicht „unmittelbar tätig werden“ zu können, sich aber bereits seit Monaten um eine Lösung mit Hilfe von Nichtregierungsorganisationen zu bemühen.

117 Kinder mit deutscher Staatsbürgerschaft in Nordsyrien und Irak

Die Bundesregierung hat nach Informationen des WDR erstmals einen genaueren Überblick über die Anzahl der Kinder deutscher IS-Dschihadisten, die sich derzeit in Gefangenenlagern und Gefängnissen in Nordsyrien und im Irak befinden. Bislang beruhten die Zahlen eher auf Schätzungen.

Demnach handelt es sich um 117 Kinder, bei denen eine deutsche Staatsbürgerschaft aufgrund mindestens eines deutschen Elternteils angenommen wird. Bei weiteren 21 Kindern gibt es Bezüge nach Deutschland, ihre Eltern sollen jedoch keine deutschen Staatsbürger sein.

Auftrag des MIT: QSD-Kämpfer vergiften

Ein Syrer wurde vom türkischen Geheimdienst damit beauftragt, Gift in das Essen der QSD-Einheiten zu mischen. Andernfalls sollte seine Familie ermordet werden, wurde ihm gedroht. Die QSD konnten ihn festnehmen, bevor er seinen Auftrag ausführte.

ERSİN ÇAKSU / DEZA DESTAN aus RAQQA, 23. Juni 2019.

Der türkische Staat setzt seine Aggression gegen Nord- und Ostsyrien mit verschiedenen Methoden fort. Nach dem militärischen Sieg der Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) über den „Islamischen Staat“ (IS) sind die Schläferzellen in der Region aktiviert worden.

Bei Spezialoperationen der QSD und YPG in der Euphrat-Region sind in den vergangenen Wochen diverse Personen festgesetzt worden, die mit dem türkischen Geheimdienst und dem IS in Verbindung stehen. Sie haben umfangreiche Aussagen zu den Machenschaften des MIT in der Region gemacht. Zu ihren Aufträgen gehörten unter anderem Mordanschläge auf wichtige Persönlichkeiten. Um die Selbstverteidigungskräfte zu diskreditieren, wurden deren Uniformen bei Entführungen und Misshandlungen von Zivilpersonen genutzt.

Isa Abdulfatah Hemud ist vor anderthalb Monaten in Raqqa gefangengenommen worden. Seine Aussagen belegen, welche schmutzigen Methoden der türkische Staat anwendet. Er wurde damit beauftragt, sich den QSD anzuschließen, um Gift in das Essen zu mischen. Den Befehl dazu bekam er von einem Mann namens Abu Hala, der in der Türkei lebt und die türkische Staatsbürgerschaft angenommen hat. Hemud wurde gedroht, dass seine Familie ermordet wird, wenn er sich dem Befehl widersetzt.

Miete für eine Stunde Grenzöffnung: 32.000 Dollar

Hemud stammt aus Aleppo und ist nach eigenen Angaben 2016 über Idlib in die Türkei gegangen, um in Istanbul bei seinem Onkel zu arbeiten. Dort lernte er Abu Hala kennen, der ebenfalls aus Syrien kam und ihm den Vorschlag machte, im Grenzhandel zwischen Idlib und der Türkei zu arbeiten.

„Ich ging nach Hatay, um an der Grenze zu arbeiten. Ich war einen Tag in der Türkei und einen Tag in Syrien. Wir brachten kontinuierlich Waren und Menschen über die Grenze. Die Menge war dabei unerheblich, wichtig war nur die Zeit. Jede Stunde kostete 32.000 Dollar. Wenn du 32.000 Dollar gegeben hast, gehörte der Grenzübergang für eine Stunde dir und du konntest nach Belieben Waren und Menschen über die Grenze bringen“, erzählt Hemud.

Der auf diese Weise genutzte Grenzübergang befand sich laut Hemud in wenigen Kilometern Entfernung von dem Grenzkontrollpunkt Cilvegözü (Bab al-Hawa). Verantwortlich war dort ein türkischer Offizier namens Emrah. „Es war kein offizieller Übergang. Fahrzeuge kamen nicht durch, nur Menschen und Waren. Abu Hala kümmerte sich um die Anmietung. Wir brachten von beiden Seiten die Menschen und Sachen in die Nähe und wenn unsere Zeit gekommen war, brachten wir sie über die Grenze.“

Morddrohung gegen die Familie

Hemud sagt, dass er im Juni 2018 Probleme mit Abu Hala bekam und mit seiner Tätigkeit aufhörte. Er ging zurück zu seiner Familie nach Aleppo. Dort wurde er nach einer Weile von Abu Hala angerufen: „Er fragte mich nach militärischen Stützpunkten und dem Zustand der hiesigen militärischen Kräfte. Er rief häufig an und wollte schließlich, dass ich nach Raqqa gehe, mich den QSD anschließe und für ihn arbeite. Als ich ablehnte, zeigte er mir Fotos von unserem Haus und meiner Familie. Er drohte mir, dass jeden Tag ein Mitglied meiner Familie ermordet wird, wenn ich nicht tue, was er sagt.“

Hemud ging nach Raqqa. Abu Hala nahm erneut telefonisch Kontakt zu ihm auf und sagte, dass in Kürze ein Ausbildungsprogramm der QSD für neue Kämpfer beginnt und er sich einschreiben soll. Später ließ Abu Hala ihm über eine Frau verschiedene Medikamente zukommen, die er in das Essen der QSD-Kämpfer mischen sollte. Bevor er diesen Auftrag ausführen konnte, wurde er festgenommen.

Abu Hala arbeitet mit dem MIT zusammen

Nach Hemuds Aussage stammt Abu Hala aus Dara, lebt seit langer Zeit in Ankara und hat zusammen mit seiner Familie die türkische Staatsbürgerschaft angenommen: „Er ist sehr reich. Er hat in Ankara in der Nähe des Busbahnhofs ein großes Lokal. In Hatay hat er eine Busfirma. Er arbeitet mit dem türkischen Geheimdienst zusammen.“

Bildungsprogramm für Frauen in Raqqa

Der Frauenrat der nordsyrischen Stadt Raqqa bietet in Zusammenarbeit mit dem Bildungskomitee einen Alphabetisierungskurs an.

ANF / RAQQA, 23. Juni 2019.

Der Frauenrat der nordsyrischen Stadt Raqqa hat in Zusammenarbeit mit dem Bildungskomitee einen Alphabetisierungskurs für Frauen ins Leben gerufen. Der Kurs, der bisher 90 Frauen aus dem Stadtteil al-Mashlib angeboten wird, ist der erste seiner Art. Die meisten Teilnehmerinnen sitzen zum ersten Mal in einem Klassenzimmer.

An der Eröffnungszeremonie des Bildungsprogramms nahmen heute Vertreterinnen der Zivilgesellschaft und der Frauenbewegung teil. Rima Ibrahim aus dem örtlichen Gemeinderat erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur ANHA, dass dieser Alphabetisierungskurs Frauen die Möglichkeit biete, ihre Persönlichkeit besser kennenzulernen. „Schließlich bilden Frauen die Grundlage der Gesellschaft“, sagte Ibrahim.

Fehima Casim aus dem Frauenrat von Raqqa erinnerte in einer Ansprache an die gefallenen Kämpferinnen, die für die Verteidigung der Rechte von Frauen ihr Leben ließen. „Die Schergen des sogenannten Islamischen Staats, die über die Regionen Nord- und Ostsyriens herfielen, hatten es insbesondere auf die Frauen abgesehen. Heute können Frauen die sich in den Köpfen festgesetzten perfiden Ideen des IS aus eigener Kraft loswerden“, so Casim.

Êzîdxan-Kämpfer beenden Ausbildung in Şengal

 

An der Akademie „Şehîd Şengal“ in Xanasor ist eine Ausbildung für den Êzîdxan-Asayish mit einer militärischen Zeremonie und Vereidigung abgeschlossen worden.

ANF / ŞENGAL, 23. Juni 2019.

In der Kleinstadt Xanasor (Khanasor) in der Şengal-Region befindet sich die Akademie „Şehîd Şengal“. Dort ist ein Ausbildungsprogramm für Kräfte des Êzîdxan-Asayishs abgeschlossen worden. Die Absolventen des 25-tägigen Programms „Şehîd Brûsk“, benannt nach einem gefallenen YBŞ-Kämpfer, traten am Samstag zur Abschlusszeremonie an.

Die Ausbildung der Kräfte für die Sicherheit in Êzîdxan, dem „Land der Ezid*innen“, umfasste sowohl militärische als auch ideologische Komponenten. Außerdem erhielten die Absolventen Unterricht in der Geschichte Şengals. Auf der Vereidigungszeremonie der neuen Kämpfer hielt Sebeh Cirdo im Namen der Kommandantur des Êzîdxan-Asayishs eine Rede. Cirdo wies darauf hin, dass die Angriffe auf die ezidische Bevölkerung in Şengal seit dem IS-Überfall im August vor fünf Jahren weiter anhalten. „Um die Attacken auf uns abzuwenden, ist Bildung und die Organisierung unserer Bevölkerung lebensnotwendig. Als Şengal angegriffen wurde, gingen viele der Menschen aus der Region zum Widerstand über. Dadurch konnte sich das Volk organisieren. Viele junge ezidische Frauen und Männer traten den Reihen der Widerstandseinheiten YBŞ und YJŞ bei.“

Cirdo wies zudem auf die Ambitionen regionaler Akteuere hin, wonach der Êzîdxan-Asayish zerschlagen werden soll, um die Verteidigung der ezidischen Bevölkerung zu brechen. „Unser Asayish wird angegriffen, weil er das Volk beschützt. Wir tragen Hoffnung, dass unsere neuen Mitglieder ihren Aufgaben in Êzîdxan gerecht werden“, sagte Cirdo.

Türkei: Geflüchtete Frauen werden zur Prostitution gezwungen

Syrische Schutzsuchende werden in der Türkei in die Prostitution gezwungen, um ihr Überleben zu sichern. Andere verkaufen ihre Nieren. „Urfa ist ein einziges Bordell“, sagt eine Betroffene.

 

 

ANF /  RIHA, 22. Juni 2019.

Immer wieder werden Fälle bekannt, in denen Hilfsersuchen von Flüchtlingen in türkischen Behörden mit dem Ratschlag beantwortet werden, sich zu prostituieren.

Insbesondere in der kurdischen Region in der Türkei sind Schutzsuchende von Prostitution, Organ- und Drogenhandel bedroht. Mafiagruppen nutzen die schlechte ökonomische und angeschlagene psychische Situation der Schutzsuchenden aus. Die Mafia schlägt unter den Augen des Staates Profit aus dem Leid der Schutzsuchenden und wird von den Behörden zumindest geduldet, teilweise sogar kontrolliert. Insbesondere in Riha (Urfa), einer nordkurdischen Großstadt in der Nähe der Grenze nach Rojava, ist die Situation dramatisch. Nach Angaben lokaler Quellen gibt es in Riha mindestens 850 Bordelle. Diese Bordelle existieren mit Kenntnis der Polizeidirektion von Riha, die diese als „unter unserer Kontrolle“ beschreibt.

Es liegen Informationen vor, dass geflüchtete Frauen in den Armenvierteln von Riha von Staatsvertretern praktisch in die Prostitution gedrängt werden. Da sie keine Arbeit finden, wenden sie sich, um ihr Überleben zu sichern, an die Behörden, werden jedoch mit Aussagen wie „Entweder ihr haut ab und sterbt in eurem Land oder ihr prostituiert euch“ abgefertigt.

„Die Türkei ist schlimmer als das Assad-Regime“

Eine 35-jährige syrische Frau, die vor sieben Jahren vor dem Krieg geflohen ist und sechs Kinder hat, sagt folgendes: „Wenn ich morgens mit meinen Kindern aufwache, danke ich Gott dafür, dass wir einen weiteren Tag überlebt haben. Wir finden kaum Brot zum Essen. Vor sieben Jahren habe ich meinen Ehemann im Krieg in Syrien verloren. Es gab eine Explosion und er starb vollkommen unschuldig. Ich war dazu gezwungen, mit meinen Kindern in die Türkei zu kommen. Ich habe sechs Kinder und ich wollte mich schon dutzende Male umbringen, weil ich sie nicht versorgen kann. Aber niemand außer mir kann sich um sie kümmern. Deswegen habe ich es jedes Mal gelassen. Als wir hier ankamen, haben wir geglaubt, wir könnten uns ein neues Leben aufbauen. Wir dachten, wir sind jetzt hier und nicht mehr zwischen Assad und den salafistischen Oppositionellen. Wir hätten niemals geglaubt, dass die Türkei schlimmer als das Assad-Regime ist.“

„Geht und prostituiert euch“

Sie berichtet weiter: „Damit meine Kinder überleben, müssen wir sogar um Brot betteln. Wir leben mit drei Familien in einer Zweizimmerwohnung. Wir gehen fast jeden Tag zu den Hilfseinrichtungen des türkischen Staates. Auch wenn sie uns von Anfang an nicht gut behandelten, so konnten wir doch satt werden. Aber in den letzten drei bis vier Jahren setzen sie alles daran, uns nicht mehr zu helfen. Sie sagen uns, dass in unserem Viertel viele Frauen mit Wissen ihrer Männer als Prostituierte arbeiten, um die Familie zu ernähren. Wenn wir fragen, ob wir uns etwa auch prostituieren sollen, wird gesagt: „Ihr könnt gehen und in eurem Land sterben oder ihr prostituiert euch.“

„Urfa ist ein einziges Bordell“

Eine andere Frau, die einen großen Teil ihrer Familie im Krieg verloren hat, sagt: „Ich möchte meine Kinder mit sauberem Geld satt machen. Sie sollen uns entweder eine Arbeit geben, die wir machen können, uns helfen oder die Grenzen nach Europa aufmachen. Unsere psychische Situation wird immer schlimmer. Ich war in Syrien Lehrerin. Ich war gezwungen, mit meinem Mann und drei Kindern hierher zu fliehen. Mein Mann ist vergangenes Jahr vor Kummer gestorben. Meine Kinder werden ständig wegen ihrer Unterernährung krank. Die meisten Frauen aus Syrien müssen sich prostituieren. Diejenigen, die das nicht machen, werden dazu gedrängt. Die Ehemänner wissen das. Sie finden keinen Arbeitsplatz. Es gibt keine Arbeit. Auch die Männer prostituieren sich, um zu überleben. Urfa ist ein einziges Bordell. Die syrischen Flüchtlinge werden zur Prostitution, zu Drogen- und Organhandel genötigt. Ich kenne Dutzende Flüchtlinge aus Syrien, die ihre Nieren verkauft haben. Unsere Situation wird immer schlimmer. Der türkische Staat fördert sehenden Auges die Prostitution und andere unmoralische Dinge.“