Efrîn: Das Symbol freier Frauen soll zerstört werden

Die Frauen in Efrîn waren weit entwickelt und offen. Sie sind von einer Philosophie der Freiheit geprägt worden. Als der türkische Staat Efrîn besetzt hat, sind auch die Frauen besetzt worden, erklärt Hediye Yusif vom Frauendachverband Kongreya Star.

HIVDA HEBÛN / ŞEHBA, 25. Mai 2019.

Mit den Angriffen auf Frauen in Efrîn sollen Symbolwerte vernichtet werden. Seit der türkischen Besatzung sind die Menschen in dem nordsyrischen Kanton und insbesondere die Frauen einem sehr vielschichtigen schmutzigen Vorgehen ausgesetzt. Es wird von Hunderten Frauen gesprochen, die vergewaltigt, verschleppt, ermordet, als Spitzel benutzt oder zur Prostitution gezwungen werden. Hediye Yusif vom Frauendachverband Kongreya Star hat sich im ANF-Interview zum Vorgehen der türkischen Besatzungsmacht gegen Frauen geäußert.

Frauen sind in allen Kriegen besonders betroffen. In dem Krieg der letzten acht Jahre waren Frauen, vor allem kurdische Frauen, ein spezielles Angriffsziel der Besatzer. Warum?

Als 2013 der Terror einsetzte, wurden Frauen vor allem bei den Angriffen auf Mosul, Şengal und Kobanê zu einem strategischen Angriffsziel. Die Rolle des Frauenkampfes innerhalb der Befreiungsbewegung in allen vier Teilen Kurdistans zog weltweit Aufmerksamkeit auf sich. In der Zeit des ‚3. Weltkriegs‘ wurde für die ganze Welt offensichtlich, welche Mission die Frauenbewegung beim Aufbau einer demokratischen Gesellschaft und im Kampf für die Frauenbefreiung hat. Die YPJ-Fahne und die Aufnahmen der Kämpferinnen gingen um die Welt, sogar ihre Kleidung wurde als Modell genutzt. Frauen, die für ihre Freiheit kämpfen, sind für den Kapitalismus ein Grund zur Panik. Wenn Frauen auf diese Weise eine Rolle innerhalb der Gesellschaft spielen, finden zwangsläufig große Veränderungen statt. Die Gesellschaft demokratisiert sich und zeigt, was sie will. Aus diesem Grund wurden Frauen zum vorrangigen Angriffsziel in diesem terroristischen Krieg.

Rache an der Frauenbefreiungsbewegung

Mit den Angriffen auf Frauen sollte Rache an der Frauenbewegung genommen werden. Die Frauenbewegung hat für die Entwicklung einer Philosophie der freien Frau gesorgt. Sie hat Frauen eine Rolle und eine Mission gegeben. Zuerst wurden die ezidischen Frauen in Şengal angegriffen. Heute finden weltweit viele Veränderungen statt. Frauenbewegungen treten in den Vordergrund und zeigen ihren Willen. Um diese Entwicklung aufzuhalten, haben barbarische Angriffe stattgefunden. In Şengal sind 4000 Frauen verschleppt und auf Märkten verkauft worden. Es werden immer noch Tausende Frauen vermisst, sie werden weiterhin verkauft. Das ganze findet im 21. Jahrhundert statt. Frauen werden an Dutzende Männer weiterverkauft, mit den Körpern von Frauen herrscht ein sehr schmutziger Umgang. Die Gesellschaft und der Willen der Menschen wurden mit einem schwarzen Vorhang verhüllt. Nicht nur kurdische Frauen, auch arabische, armenische und andere Frauen mussten sich in diesem terroristischen Krieg unter schwarzen Umhängen verbergen. Ich bewerte das als Symbol für eine Zeit der Dunkelheit. Frauen, die für Freiheit kämpfen und eine Vorreitermission übernehmen, sollten verborgen werden, indem sie vergewaltigt, verkauft und ermordet wurden.

Heute findet das gleiche Vorgehen in Efrîn statt. Der IS in Şengal, der türkische Staat in Efrîn?

Der türkische Staat hat dieses Vorgehen unterstützt und dazu angestachelt. Es war die AKP. Tagtäglich ist vor den Augen der Weltöffentlichkeit in Moscheen und Schulen dafür Propaganda gemacht worden. Damit ist die Grundlage gelegt worden. Der größte Beweis dafür ist Efrîn. Der Leichnam der YPJ-Kämpferin Barin ist geschändet worden, die Aufnahmen wurden frei zugänglich veröffentlicht. Allein diese Szene beweist, wie der türkische Staat seinen Rückschlag gegen Frauen entwickelt und organisiert hat.

Bei der Invasion in Efrîn sind die Besatzer sofort auf sehr schmutzige Weise gegen Frauen vorgegangen. Frauen sind ganz offen vergewaltigt, ermordet und verkauft worden. Mit der sexuellen Besatzung von Frauen wollte der türkische Staat Frauen für seine eigene schmutzige Politik benutzen. Er richtet sich nicht nur gegen kurdische Frauen, sondern gegen alle Frauen in Efrîn. Auf diese Weise sind viele Frauen im heutigen Efrîn zu Agentinnen gemacht worden. Was Frauen in Şengal und an anderen Orten angetan worden ist, findet auch in Efrîn statt. Die Frauen in Efrîn waren weit entwickelt und offen. Sie sind von einer Philosophie der Freiheit geprägt worden. Als der türkische Staat Efrîn besetzt hat, sind auch die Frauen besetzt worden. Das Vorgehen der türkisch-dschihadistischen Besatzungstruppen gegen Frauen geht so weit, dass es sich nicht mehr verheimlichen lässt. Der türkische Staat fördert die Prostitution in Efrîn. Damit will er vor allem Frauen gefügig machen. Frauen werden zu Agentinnen und Selbstmordattentäterinnen ausgebildet. Die so ausgebildeten Frauen werden nach Minbic (Manbidsch), Cizîrê, Şehba und Aleppo geschickt.

Mit Arin Mirkan in Kobanê und Avesta in Efrîn sind die Frauen von Efrîn zum Symbol des Befreiungskampfes in Rojava geworden. Und heute werden die Frauen von Efrîn auf schmutzigste Weise für die eigene Politik benutzt. Für das Vorgehen des türkischen Staates liegen viele Beweise vor. Es gibt Erklärungen von Menschen, die Efrîn verlassen haben. Es gibt Menschen, die dieser Politik zum Opfer gefallen sind. Es gibt einen großen Angriff auf das, was die Existenz der Frau ausmacht. Die Werte der Frauenbefreiungsbewegung sollen ausgelöscht werden.

Aufstand gegen den türkischen Staat

Gegen diese Politik müssen die Frauen von Efrîn aufbegehren. Frauen in allen vier Teilen Kurdistans, in Europa und überall müssen sich dagegen wehren. Die Politik des türkischen Staates muss durch den gemeinsamen Kampf von Frauen unterlaufen werden. Dieser Kampf muss militärisch, politisch, kulturell und gesellschaftlich geführt werden. Der Angriff auf die erschaffenen Werte muss abgewehrt werden. Ich glaube daran, dass der Faschismus des 21. Jahrhunderts zerschlagen werden kann, wenn Frauen ihre Kräfte vereinen.