Zurück zu Bruder Erdoğan

Viele der IS-Dschihadisten, die sich in Deir ez-Zor den QSD ergeben haben, kommen aus Turk-Republiken. Sie sind über die Türkei nach Syrien eingereist und wollen in die Türkei zurück. Nach dem Grund gefragt, antworten sie: „Das sind unsere Brüder.“

ERSİN ÇAKSU / DEIR EZ-ZOR, 9. März 2019.

Ein großer Teil der Dschihadisten des sogenannten Islamischen Staat (IS), die sich Anfang der Woche in al-Bagouz den Demokratischen Kräften Syriens (QSD) ergeben haben, stammen aus Turk-Republiken. Alle sind über die Türkei nach Syrien eingereist und dorthin wollen sie auch zurück. Ebenfalls gemeinsam ist ihnen, dass sie sehr schlichte Gründe für ihren Beitritt zu einer islamistischen Terrororganisation nennen. Einer spricht von Geld, für einen anderen reicht es als Grund aus, dass er den Koran gelesen hat. Zwischen den genannten Gründen und den furchtbaren Verbrechen, die der IS begangen hat, ist ein schrecklicher Zynismus spürbar.

Alle gehen fest davon aus, dass sie in der Türkei künftig ein ganz normales Leben führen können. Einer von ihnen sagt, er will nach der Rückkehr in die Türkei ins Telefongeschäft einsteigen. Auf die Frage, warum sie in die Türkei wollen, antworten die IS-Männer: „Das sind unsere Brüder.“

Murat Nuhoğlu hat sich mit seiner Frau und seinen drei Kindern aus Çankırı in der Türkei dem IS angeschlossen. Genaue Details zu der Fahrt nach Syrien will er nicht nennen. „Nachdem ich mich dazu entschlossen hatte, gab es einen Vermittler. Wir haben telefoniert und ich bin auf illegalem Weg über Antep [Dîlok] nach al-Rai gefahren. Dann war ich in al-Bab, dort habe ich mich in einem Dorf niedergelassen. Weil ich vorher operiert worden bin, konnte ich überhaupt keine Arbeit machen“, sagt er. Ob es zwischen der Türkei und dem IS eine Verbindung gibt, wisse er nicht, und auf die Frage, ob er Reue verspürt, sagt er: „Insgesamt nein, aber es gibt Dinge, die ich bereue.“

Nuhoğlu behauptet, nie bewaffnet gekämpft zu haben. Als wir ihn fragen, ob es ihn überhaupt nicht gestört hat, was der IS den Kurden und den anderen Völkern der Region angetan hat, windet er sich: „Soweit ich weiß, geht es dem Islamischen Staat nicht um Rassen, er kämpft gegen alle, nicht nur gegen die Kurden.“

Das sind unsere Brüder

Das IS-Mitglied Abdurrahman ist aus Turkestan in die Türkei gereist und von dort aus weiter nach Idlib. Auf die Frage nach dem Grund antwortet er: „Es hieß, dass es hier viel Geld gibt, deshalb bin ich gekommen.“ Auch er will niemals gekämpft haben. Motorräder habe er repariert, sagt er. Nach seinen Zukunftsplänen gefragt, sagt er, dass er zurück in die Türkei will. Warum? – „Das sind unsere Brüder.“

Yusuf Türkmen gibt an, dass er aus Turkmenistan stammt und sieben Jahre lang im Istanbuler Stadtteil Avcilar als Autowäscher gearbeitet hat. Seit vier Jahren ist er beim IS. „Warum?“, fragen wir. „Ich habe das Buch gelesen, dass Allah uns gegeben hat, so habe ich mich angeschlossen. Wir wollten nach dem Koran und nach der Scharia leben, aber es war anders, als wir es uns erhofft hatten. Es ist vieles falsch gemacht worden. Wir sind sehr belogen worden.“

Yusuf Türkmen war nach eigenen Angaben die meiste Zeit in Raqqa und eine kurze Weile auch im Irak. „Was hast du innerhalb des IS gemacht, hast du gekämpft?“, wollen wir wissen. Und er antwortet: „Ich bin Dschihadist.“

Jetzt will Yusuf zurück in die Türkei. „Ich wünschte, ich wäre nie gekommen“, sagt er. Glaubt er, dass er in die Türkei gehen kann? – „Ich habe ja nicht in Kobanê gekämpft“, antwortet er und denkt tatsächlich, dass das ein ausreichender Grund ist.