Drusische Bevölkerung stellt sich gegen Zwangsdienst

Nach Angaben der im Libanon auf Französisch erscheinenden Zeitung L´Orient-Le Jour stellt sich die Mehrheit der Drusen in Suweida gegen den Militärdienst für das Assad-Regime.

ANF / BEIRUT, 23. Nov. 2018.

Die drusische Bevölkerung hat sich insbesondere in der Region Suweida im Südwesten von Syrien aus dem 2011 begonnenen syrischen Bürgerkrieg herausgehalten; Zehntausende Männer haben keinen Militärdienst geleistet. Stattdessen hatte sich Suweida selbst verwaltet und soweit möglich auch Verbindungen zur Demokratisch Autonomen Selbstverwaltung in Rojava aufgebaut. Statt Militärdienst zu machen, baute die drusische Bevölkerung eigene Selbstverteidigungsmilizen auf, welche die Region gegen die Angriffe der Dschihadisten schützen sollten.

Assad habe über die Kriegsdienstverweigerung der Drusen, die sich auch nicht gegen ihn stellten, hinweggesehen, heißt es in der libanesischen Zeitung. In diesem Monat aber sind alle jungen Männer aus der Region zum Militärdienst aufgerufen worden. Der Militärdienst in Syrien dauerte vor dem Krieg zwischen 18 Monaten und zwei Jahren, wurde aber während des Bürgerkriegs massiv verlängert. So berichtet L’Orient von einer Gruppe, die 2010 zum Dienst angetreten war und erst im Mai dieses Jahres entlassen wurde.

Sie haben ihre Region selbst verteidigt

In der Zeitung kamen etliche Drusen zu Wort, die erklärten, sie wollten im Krieg von Syrien, der einen „Ozean von Blut“ geschaffen habe, nicht Partei ergreifen. Als der IS im vergangenen Juli Suweida angriff und Hunderte Menschen getötet wurden, verteidigte insbesondere die drusische Jugend die Region selbst. Während des Bürgerkriegs hatten sich bereits drusische Selbstverteidigungsgruppen gebildet, in denen Zehntausende die Region gegen den IS, al-Qaida und die anderen Gruppen verteidigten haben.

Im Moment gibt es weltweit etwa eine Million Drusen, von denen über die Hälfte in Syrien lebt. Etwa 300–400.000 Drusen leben im Libanon, zwischen 120 und 150.000 in Israel, Jordanien und Palästina und eben so viele in der Diaspora.