„Gebildete Frauen wurden hingerichtet“

Gazete Şûjin aus Rakka, 22.06.2017

(…) Die 22-jährige Düaa ist eine von Tausenden Bewohnern Rakkas,die aus dem vom IS noch besetzten Stadtviertel Idixar flüchteten in das bereits von den DKS (Demokratischen Kräften Syriens) befreite El Cezra. Uns fiel sie auf, weil sie beim Anblick der ersten YPJ-Kämpferin in Tränen ausbrach. Warum sie weinte, fragten wir sie. Und sie begann zu erzählen.

Sie war Jura-Studentin und kurz vor dem Staatsexamen, als der IS die Stadt besetzte und ihr Studium und Beruf abschnitt: “In dem Jahr, wo ich nach dem Examen in meinem Beruf zu arbeiten beginnen wollte, hat der IS unsere Stadt besetzt. Damit fingen für uns die dunklen Tage an. Mein Leben wurde zur Hölle. Denn Bildung bekämpfen sie bis aufs Blut.”

Düaa führte aus, was es für die Frauen bedeutete, nicht studieren, nicht arbeiten, ja nicht einmal allein aus dem Hause gehen zu dürfen. “Zehn Jahre lange habe ich gelernt, aber ich durfte wegen dem IS keinen Abschluss machen. Ich sagte nicht einmal, dass ich Jura-Studentin gewesen war. Denn studierte Frauen wurden unter verschiedenen Vorwänden einfach hingerichtet. Aus Angst, dieses Schicksal zu erleiden, sagte ich es niemandem.”

Düaa stritt vehement ab, dass der IS etwas mit dem Islam zu tun habe. Sie erzählte, dass ihr Bruder, weil er nicht gebetet hat, oft von den IS-Banditen bestraft worden ist. Technologisch anspruchsvollere Geräte waren verboten: “Fernsehen und Telefon sind des Teufels. Deshalb erfuhren wir auch nicht, was vorging in der Welt. Jetzt sind diese Tage vorbei. Dass die DKS gekommen sind, hat uns sehr glücklich gemacht. Der IS hatte uns derart  Angst und Schrecken eingeimpft, dass wir fast nicht glauben wollten, dass die DKS uns jemals retten würden. Als ich die erste YPJ-Frau leibhaftig vor mir sah, sind mir die Tränen gekommen. Ich bin so froh, dass ihr gekommen seid.”

Und Düaa sagt uns noch, dass sie nach der Befreiung von Rakka als Rechtsanwältin arbeiten will, um sich für die Rechte der Frauen einzusetzen.

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