US – Anarchisten an der Rakka – Front

 Von Seth Harp /Nordsyrien. Aus: rollingstone.com vom 14.2.2017
Internationale Brigade in Rojava
75 Freiwillige – Ultralinke, Anarchisten und Kommunisten aus der ganzen Welt kämpfen mit der YPG in der Internationalen Brigade in Nordsyrien um die Befreiung Rakkas. Die Internet-Zeitung rollingstones.com schickte Seth Harp als Berichterstatter dorthin. Aus seinem langen Artikel haben wir zwei Passagen ausgesucht. Der vollständige Text ist auf Englisch in dieser Internet-Zeitung oder auf Türkisch in YÖP (Yeni Özgür Politika) vom 17. und 18. Februar 2017 zu lesen. dÜ.

 (…) (Von Şengal/Nordirak kommend) erreichten wir ein YPG-Militärlager in Syrien gleich hinter der Grenze. Die Milizionäre saßen um Lagerfeuer, und niemand schien das Kommando zu führen. Die YPG ist locker organisiert, getreu ihrer anarchistischen Ideologie, ohne Rangabzeichen. Alle sprechen sich mit “hevalê” an, das ist geschlechtsneutral und heißt FreundIn, GenossIn. Die KommandantInnen werden direkt gewählt. Auch Oberkommandierende müssen ihre Kleidung selbst waschen, und sie müssen auch kochen, wenn sie an der Reihe sind.

Es gibt auch Einheiten nur aus Frauen, die YPJ. Die Kommando-Posten werden von jeweils einem Kommandanten der YPG und einer Kommandantin der YPJ besetzt. Die Truppen sind nur leicht bewaffnet, mit Kalaschnikows,  und ziehen in die Schlacht ohne schußsichere Kleidung oder Schutzhelme; sie haben nicht einmal Stiefel an, nur Turnschuhe. Sie tragen alle die für Rojava typischen gelben, schwarzumrandeten Abzeichen, welche auch die Männer in Solidarität mit den Frauen übernommen haben.

(…) Man kann nicht sagen, dass die Revolution von Rojava sich als Vorbild für eine zivile Gesellschaft erwiesen hat, da das Land völlig auf den Krieg ausgerichtet und mobilisiert ist. Überall trifft man auf Soldaten und Polizisten; auf der Straße brennen Feuer. Die Gebäude, von Einschußlöchern gezeichnet, sind zugig und kalt; Strom gibt es nur gelegentlich. Was die Kurden wohl am meisten schätzen, neben Tee und Tabak, das ist, in Gesellschaft beisammen zu sein. Ihre Nahrung ist eintönig: Brot, Tomaten, Bohnen, manchmal etwas Schaffleisch – aber jedes Mahl wird gemeinsm eingenommen, mit Nachschlag, und einen obligaten Ehrenplatz für jeden Gast.

Ich war zwei Wochen dort und habe praktisch keinen Cent ausgegeben. Ich habe gegessen, was die Leute auch gegessen haben, und habe geschlafen, wo sie auch geschlafen haben. Die importierten Güter sind für sie von höchstem Wert; aber wenn ich einen Dollarschein aus meiner Brieftasche zog, wehrten die Kurden entsetzt ab, als wäre mein Geld des Teufels. Ich sah keine reichen Leute, keine Firmen, keine Banken, keine Villen, keine dicken Autos – und niemanden, der ohne Obdach war, der bettelte oder hungerte. Die Leute gehören alle einer Klasse an und sind unglaublich froh und zuversichtlich. Sie unterstützen alle die YPG und scheinen Öcalan anzubeten; sein Portrait hängt in jedem Gebäude. (…)

 

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