Was ist los in Şex Meqsûd (Kurdisch-Aleppo)?

 Von Abderrahman Gök / Dihaber aus Aleppo, YÖP 19. und 20.12.2016.

 (Şex Meqsûd ist ein nördliches Stadtviertel von Aleppo, das überwiegend von Kurden bewohnt wird. Wie Rojava wird es seit 5 Jahren selbstverwaltet, liegt nicht weit vom Kanton Afrin (ca. 40 km SO von Afrin), ist aber wie eine Insel eingeklemmt zwischen vom Assad-Regime beherrschten Stadtvierteln im N und W und (bis vor kurzem) von Islamisten beherrschten Stadtvierteln im O. Vor allem von Letzteren wurde es immer wieder beschossen, mit Dutzenden von Toten in der Zivilbevölkerung von Şex Meqsûd.

 Vor ein paar Tagen hatte der ‘Dihaber’-Korrespondent Abdurrahman Gök Gelegenheit, mit Şiyar Ali und Bêrîvan Abdo von den ‘Asayiş’ (Sicherheits-Einheiten) von Şex Meqsûd zu sprechen. Beide gehen ausführlich auf die Lage dieser Kurden-Enklave gerade während der “Eroberung” von Ost-Aleppo durch das Assad-Regime ein. dÜ.)

 Von Anfang an, seit März 2011 befindet sich das Volk von Şex Meqsûd im Widerstand. Von allen Seiten umzingelt, widerstand es den Angriffen sowohl des Regimes wie auch der verschiedenen “Banden” (islamistischen Gruppen). Und was die Ereignisse der letzten Wochen angeht, so versichert der Asayiş-Verantwortliche Şiyar Ali: “Mit reinem Gesicht geht das Volk in die Geschichte ein” – es hat sich nichts vorzuwerfen.

Infolge des Übereinkommens zwischen Rußland und der Türkei wurde am 13. Dezember die Stadt Aleppo den von der Türkei und Saudi-Arabien unterstützten Gruppen der FSA (Freien Syrischen Armee) weggenommen. Auf der einen Seite findet aus den vom Regime in Besitz genommenen Gebieten die Umsiedlung statt, auf der anderen Seite wird versucht, in den 6 von den kurdischen Kräften befreiten Stadtteilen das Leben wieder neu zu stabilisieren. Şiyar Ali, Verantwortlicher der ‘Afrin-Asayiş’, nimmt an diesen Bemühungen aktiv teil; er berichtet vom Widerstand über die Jahre hinweg wie auch von den jüngsten Ereignissen. Seine Antworten auf meine Fragen unterstreicht er mit zahllosen lebendigen Beweisen. (…)

 Eine ausradierte Stadt

Da auf der direkten Strecke vom Stützpunkt in der Muşettir-Schule von Afrin bis nach Şex Meqsûd in Aleppo drei Kontrollpunkte des Regimes zu passieren wären, müssen wir, so erklärt er, einen Umweg nehmen. Als wir noch 5,5 km vom Zentrum entfernt sind, zeigt er um uns: “Aleppo ist ausradiert. Das ganze Stadtzentrum unter der Kontrolle der Regierung ist in Ruinen, mit Ausnahme eines kleinen Gebietes unter Kontnrolle der kurdischen YPG/YPJ und der Asayiş. Die Flugzeuge haben die hohen Gebäude aufs Korn genommen sowie die Schulen und Krankenhäuser, von den Banden als Quartiere benutzt, und durch die zerstörten Läden der Märkte pfeift jetzt der Wind.. Die Stadt ist zu 80 bis 85 % geleert.”

Türkische Überbleibsel im Stadtviertel Heyderi

 “Als wir das Stadtviertel Heyderi betraten, fanden wir an jedem Ort, den die Banden als Stützpunkt benutzt hatten, türkische Fahnen und Wahrzeichen der ‘Turkmenen-Front’ und der türkischen Faschisten. Dass die Banden aus der Türkei hierher gekommen waren, dafür gibt es überall Beweise.

Die türkische Regierung hat vor allem in Heyderi und Umgebung, wo eine dichte turkmenische Bevölkerung lebte, vermittels der Banden fast alles übernommen. Sie zahlte den Leuten Sold, um sie an sich zu binden. Die Regierung hatte allen, die hierher kamen, die Einreise und Ausreise verboten. Deshalb waren die Bewohner, obwohl sie von den Türken Sold bekamen, in gespannter Beziehung zu den Aktivitäten der Banden. Zum Beispiel verteilten die Banden dem Volk nur alle 2 Tage 6 Stück Brot. Die Leute nannten es Pappe, nicht Brot, so schlecht war es. Die Gruppen, die hier das Zepter führten, waren sehr unterschiedlich. Einige klauten, verhafteten willkürlich, benahmen sich unmoralisch. Viele Wohnungen wurden ausgeraubt. Die Leute hatten wirklich die Nase voll und hassten die Banden.

Daraus entstand dann ein großer Vorteil für die YPG und die Asayiş. Bevor wir das Gebiet betraten, hatten wir große Sorge, ob sie uns auch akzeptieren würden. Bei den ersten Annäherungen war das Volk auch sehr ängstlich. ‘Die Kurden sind gekommen, die werden uns vertreiben, schlagen, verjagen, niedermachen’, so war die Stimmung. Aber was sie dann erlebten, war genau das Gegenteil. Wir bemühten uns, mit ihnen in Kontakt zu kommen, sie zu unterstützen, und das hatte grosse Wirkung auf die Leute.

Das Geraubte wurde dem Volk wieder ausgehändigt

 Was unsere GenossInnen als Erstes taten, als sie die Gebiete von den Banden übernahmen, war, die Lager der Banden zu leeren und dem Volk zu verteilen. Sie hatten alles von den Leuten geklaut.

+ In einer ersten Etappe händigten wir dem Volk alles, was ihm geraubt worden war, wieder aus. Das machte es sehr zufrieden.

+ Die Gesundheitszentren wurden sofort wieder in Betrieb genommen.

+ An vier Punkten wurden Asayiş-Dienststellen eröffnet.

+ Wegen dem Müll wurden Traktoren organisiert, und man begann, den Unrat wegzuräumen.

+ TEV-DEM hat mit der (Selbst-)Organisierung der Leute begonnen, nämlich Räte und Kommunen aufzustellen.

Das war sehr positiv. Die Leute sagten uns: ‘Bei den Räten machen wir mit, aber unter einer Bedingung: dass es keine Räte wie bei den Banden sind. Die alten Räte waren nur für Kollaborateure, nur für den persönlichen Gewinn, alles lief über Schmiergeld, die Räte waren nur Mittel zum Zweck. Wir wollen nicht, dass die Mitglieder dieser alten Räte jetzt auch in den neuen Räten sitzen.’ Unsere GenossInnen achteteten sowieso sehr darauf, und das wirkte sich sehr positiv aus.

‘Liefert uns bloß nicht aus!’

 Nachdem sie uns ein bißchen kennen gelernt hatten, begannen sie: ‘Bitte, liefert uns bloß nicht der Ordnung, dem Regime aus, und schickt uns auch nicht zu den alten Banden zurück! Und überfällt und durchsucht nicht unsere Wohnungen, fordert kein Schmiergeld ein wie früher die bewaffneten Gruppen, tut uns nicht bestehlen, klaut nicht unser Brot – sonst wollen wir nichts von Euch.’ Diese Forderungen machen deutlich, was sie unter den Banden alles hatten erleiden müssen!

Unser Verhalten wurde mit Wohlwollen aufgenommen

 Früher, unter den Banden, wurde in den Stadtvierteln, die jetzt befreit sind, alle 2 Tage 6 Brote an die Leute verteilt. Wir begannen, täglich 15 bis 20 Brote zu verteilen. Am ersten Tag der Verteilung gab es ein wenig Durcheinander; aber das hat sich dann geregelt. Beim Verteilen von Brot und Lebensmittel achten wir besonders auf die älteren Leute und auf die Frauen. Das wurde positiv aufgenommen.

Der Heizöl-Mangel wurde behoben

 TEV-DEM konnte auf einem anderen Gebiet Abhilfe schaffen. Jetzt im Winter macht sich der Mangel an Heizöl sehr bemerkbar. Ein Fass Heizöl wird für 70 bis 80 Tausend Lira verkauft. Wir organisierten das Fass zu 20 Tausend Lira. Und das Geld gab unsere eigene Organisation. Als Notmassnahme besorgten wir 3 Tausend Fass Heizöl für die Gegend.

 Stell dir vor, wie ich das Problem erlebt habe: Es war ganz am Anfang. Wir sassen an einem Punkt. Die Genossen hatten ein bißchen Brennholz aufgetrieben und wärmten sich an einem Feuer. Ein Mann stand wartend in der Nähe. ‘Komm’ her, wärme dich auch!’ riefen wir ihm zu. ‘Ich soll mich wärmen’, fragte er, ‘und zuhause, was ist mit den Kindern? Meine Hände werden warm, aber mein Herz friert. In Gedanken bin ich bei ihnen.’ Wir diskutierten, da muss etwas geschehen, beschlossen, den Heizölmangel anzupacken, und verteilten Heizöl an alle.

Die Sicherheit

Mit den Bewohnern wurden Versammlungen abgehalten. ‘Kommt zusammen, schützt euch selbst in euren Vierteln, bildet selber Ausschüsse und sorgt dafür, dass nicht die alten Verhaltensweisen der Banden wieder einreissen!’ Dieser Aufruf bildete die Grundlage dafür, dass sich jetzt viele den Asayiş anschliessen.

Nachdem in den befreiten Stadtvierteln viele Leute festgenommen und verhört worden waren, hat man sie danach wieder freigelassen. Viele sagten uns: ‘Doch, ich haben mit diesen Leuten zusammengearbeitet. Das war notwendig, ich hatte Hunger. Aufgrund des Embargos war das ja die einzige Möglichkeit. Es gab nur eine Einkommensmöglichkeit, nämlich das Geld aus der Türkei zu kriegen, und das ging nur über die Banden. Deshalb, wenn wir mit ihnen nicht kollaboriert hätten, wären unsere Kinder an Hunger gestorben. Wir waren gezwungen’, verteidigten sie sich uns gegenüber. Wenn das Verhör zu Ende war, haben wir sie wieder freigelassen.

Mit dem Regime gab es keine Vereinbarung

Es heißt, es gäbe mit dem Regime eine Vereinbarung, dass wir diese 6 Stadtviertel übernehmen. Dergleichen Vereinbarung gibt es nicht. Wir hatten 6 Gefallene in den 6 Stadtvierteln. Die Uneinigkeit unter den Banden konnten wir für uns ausnützen.

In der Stadt existieren jetzt zwei unterschiedfliche Kräfte. Und keinerlei Zusammenarbeit zwischen diesen. Geographisch sind wir gezwungenermassen mit dem Regime in nächster Nähe. Die Regierung dringt nicht in das Gebiet ein, das unter unserer Kontrolle steht. Das Regime wollte in den uns neu in die Hände gefallenen Vierteln manche Leute verhaften; aber das haben wir nicht zugelassen. ‘Hier sind schon die Asayiş und die YPG’, sagten wir ihnen und schickten sie zurück. Es war nicht ganz leicht, aber schließlich sind sie wieder abgezogen. Das Regime kam auch mit schweren Geräten, um Maschinen aus Fabriken in unseren Gebieten abzutransportieren. Auch das haben wir nicht zugelassen. Wir erlauben es nicht, dass das Regime in unseren Gebieten Massnahmen ergreift.

Handel – warum nicht?

 Gibt es Übergänge, gibt es Handel zwischen den Vierteln in der Hand der Kurden und den Vierteln in der Hand des Regimes? Zwischen Şex Meqsûd sowie den Vierteln, die vorher in der Hand der Banden waren und jetzt unter unserer Kontrolle sind, einerseits und der Seite des Regimes andererseits haben wir zwei Grenzübergänge, wenn man so sagen darf, eingerichtet. So können die Leute in aller Ruhe ins Stadtzentrum und zurück gelangen. Das hat den Leuten das Leben erleichtert. Früher gab es keine Möglichkeit des Handels. Mit diesem Schritt begannen die Leute zu handeln. Wir schufen die Grundlagen dafür, das man jetzt beginnt, Läden zu eröffnen.

Die Banden-Mitglieder wurden festgenommen

In der Stadt fielen uns große Mengen an Munition in die Hände, unter anderem eine Mörserfabrik mit großen Mengen an Geschossen. Bei der Besetzung dieser 6 Stadtviertel wurden von YPG und Asayiş mindestens 200 Banden-Mitglieder festgenommen und verhört. Ein großer Teil von ihnen ist noch in Haft. Das sind offizielle und offensichtliche Banden-Mitglieder.

Die Industriestätten wurden geplündert

 Die ganze Industrie des Landes wurde sozusagen geklaut. Fabriken im Wert von Millionen Dollar und Werkzeugmaschinen wurden ganz einfach abmontiert und mitgenommen, und wo das nicht möglich war, zerstört. Der einzige Ort von Aleppo, wo das nicht passierte, ist Şex Meqsûd. Der obere Teil des Viertels war immer unter unserer Kontrolle. Der Teil unmittelbar darunter war zwar in der Hand der Banditen. Aber wir konnten das ganze Gebiet einsehen; so hatten sie keine Möglichkeit, die Maschinen aus den Fabriken zu stehlen. Deshalb sind die Fabriken auch hier noch vollständig. (…)

Auch die Kinder benehmen sich wie Militärs

 Auf allen Gebäuden wehen die Fahnen von YPG und YPJ.Man sieht fast keine Zivilisten auf den Strassen. Nur Soldaten bewegen sich hier. Das ist sehr deprimierend. Die Menschen bewegen, ja fühlen sich alle wie Soldaten. Aleppo ist militarisiert. Auch die Kinder von Şex Meqsûd bewegen und fühlen sich nach allem, was sie erlebt haben, wie Soldaten. Wenn in der Stadt die Fassbomben fallen und explodieren, wenn die Geschosse der Banden (Bomben aus Gasflaschen) platzen, bleibt in Şex Meqsûd alles ruhig. Die Leute hier haben sich daran gewöhnt, der Lärm der Explosionen kommt ihnen ganz natürlich vor. Die Kinder von Şex Meqsûd spielen unbekümmert weiter, wenn Geschosse explodieren, wenn Bomben aus Flugzeugen mit ohrenbetäubendem Lärm explodieren, wenn riesige Staubwolken nach dem Fall von Fassbomben aufsteigen.

Wenn ich die Kinder fragte: ‘Da kommen Flugzeuge, warum flüchtet ihr nicht?’, dann antworteten sie unbekümmert: ‘Die bombardieren nur die weiter entfernt liegenden Stützpunkte der Banden. Wernn sie auf uns zielen, dann macht es tschiww.Wenn wir das hören, flüchten wir alle in die Keller.’ Während wir miteinander sprachen, hörte man das Pfeifen von Mörsern. ‘Warum haut ihr jetzt nicht ab?’ fragte ich sie. – ‘Die kommen nicht zu uns. Wenn sie auf uns zielen, dann macht es so einen Propellerlärm, wie firfirfir, dann hauen wir ab.’ Die Kinder wissen schon je nachdem, in welcher Entfernung die Flugzeuge fliegen, ob die Geschosse einen Propeller-Lärm machen, wie die Fassbomben die Luft durchschneiden und tschiwwww pfeifen, ob ihr Gebiet gefährdet ist oder Gebiete weiter weg. So weit sind die Kinder schon Herr der Lage. Das ist wirklich sehr schmerzhaft eigentlich. Die Kinder sind derart mit dem Krieg verwoben, dass man sich für die Menschlichkeit nur schämen kann; aber leider sieht so die Wirklichkeit aus.”

Die Frucht organisierten Widerstands

 In einem so engen Gebiet wie Şex Meqsûd eingeschlossen widersteht ein Volk seit Jahren allen Angriffen. Die ganze Welt wurde zum Zeugen dafür, wie ein Volk es fertigbringt, aufrecht allen intensiven Offensiven, Angriffen und Umzingelungen standzuhalten, weil es sich organisiert. Auch in den kritischsten Momenten haben die PYD, die Friedenskomitees, der Gerichtsrat, TEV-DEM, das Mala Gel (Volkshaus), das Mala Jinê (Frauenhaus), das Mala Ciwanên Şoreşger (Haus der Revolutionären Jugend), die Gesundheitsposten und die Krankenhäuser nie ihre Aktivitäten ausgesetzt. 18 Institutionen der Zivilgesellschaft haben es wie in Rojava fertiggebracht, weiter zu arbeiten und sich weiter zu organisieren.

Wie hat es das Volk vom Şex Meqsud – Viertel von Aleppo seit März 2011 unter der Umzingelung ausgehalten, wie konnten die kurdischen Kräfte trotz aller Angriff sowohl seitens des Regimes als auch seitens der zahlreichen islamistischen Banden das Viertel schützen? Das frage ich Şiyar Ali, und er antwortet aufgrund eigener Anschauung und aufgrund der Aussagen der Leute: “Die Lebensbedingungen unter dem Embargo haben bei unserem Volk ganz bestimmte psychologische Auswirkungen gehabt. Embargo seitens des Regimes wie auch seitens der Banden. Aber ich muss schon sagen, dass dieser mächtige Zusammenhalt, dieser mächtige Widerstandswillen in höchstem Maße erstaunlich und beispellos ist.”

Früher war das Gebiet nur auf das Viertel Şex Meqsûd beschränkt, aber jetzt sind noch 6 Stadtviertel hinzugekommen. Şiyar Ali sieht das nicht ohne Sorge: “Das gibt den Leuten etwas mehr Luft zum Atmen. Andererseits entstanden auch neue Unsicherheiten. Sie fragen sich voller Sorge: ‘Bisher haben wir hauptsächlich gegen die Banden gekämpft. Wird jetzt der Krieg gegen die Regierung losgehen?’

Das ganze Stadtviertel ist zum Widerstand bereit

 Das ganze Vok liebt seine Heimat und ist zum Widerstand bereit. Schau, nicht alle Einwohner von Şex Meqsûd haben sich der YPG oder den Asayiş angeschlossen; aber alle sind widerständig. Fangen Kämpfe an, packt jede(r) seine/ihre Waffe und eilt zur Kampffront. Ist der Krieg zu Ende, gehen alle wieder nach Hause. Wenn der Krieg an Intensität zunimmt, dann bleibt niemand zuhause, sondern jedes Individuum läßt sein Geschäft liegen und eilt zur Front. Dutzende sind in diesem Kampf schon gefallen. Niemand hat das Volk verraten und hat sich, ohne einen Schuss abzufeuern, aus dem Staube gemacht. Auch wenn Şex Meqsûd nur einen kleinen Fleck mitten in der Stadt Aleppo ausmacht, so wird sein Volk doch im Widerstand gegen die Banden und gegen die Spiele des Regimes vor aller Welt Geschichte schreiben.”

 

 

Aus dem Interview mit Bêrîvan Abdo, Asayiş-Verantwortliche von Aleppo:

Nicht Abwanderung, sondern Zuwanderung!

Aus 6 neuen Stadtviertel unter Kontrolle der Kurden wurden keine Zivilisten  ausgesiedelt, sondern im Gegenteil Tausende neue sind hinzugewandert. Die Bewohner der 6 neuen Viertel (Hukok, Heyderiye, Şex Xidir, Şex Faris, Bustunbaşa und Saxur) zusammen mit den nach Şex Meqsûd Geflüchteten zählen jetzt 70 bis 75 Tausend, die es zu versorgen gilt. Das Regime verbietet, dass Hilfe nach Ost-Aleppo gelangt. “Deshalb muss unsere Bewegung für alles Notwendige in den 6 Vierteln sorgen.”

Şiyar Ali
Bêrîvan Abdo, Verantwortliche der Asaisch in Aleppo

Die Industrieproduktion wieder in Gang setzen

Bêrîvan Abdo schätzt, dasss es in diesen Vierteln 400 bis 450 Fabriken und Werkstätten gibt. “Diese Gegend zählte 25 bis 30 % der syrischen industriellen Produktion: Baumwollstoffe, Spinnereien, Schafwollstoffe, Textilfärbereien, Druckereien und Farbfabriken. Es waren sämtliche Industriezweige vorhanden. Vor dem Krieg war diese Gegend vor allem als das Herz der syrischen Textil-Industrie bekannt.”

Jetzt macht man sich dran, die Fabriken, die durch die Luftangriffe des Regimes und die Angriffe der Banden Schäden erlitten haben, wieder in Gang zu setzen. “Wir haben mit dem Industrie-Komitee eine Sitzung gemacht und beschlossen, bis zum Newroz (21. März) einen Teil der Fabriken wieder zu aktivieren. In einer ersten Etappe sollen etwa 190 Produktionsstätten wieder arbeiten. Das ist die Zahl der offiziell beantragten Wiedereröffnungen. Manche Eigentümer sind im Verlauf des Krieges aus Syrien oder in andere Städte wie Damaskus geflohen. In dem Maße, wie sie zurückkehren, werden auch ihre Fabriken wieder eröffnet.”

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