Die Eroberung von Cerablus wurde von der Türkei inszeniert

ANF 25.8.2016. Sedat Sur lässt Augenzeugen berichten:

Die türkischen Truppen sind in die leere Stadt Cerablus einmarschiert und haben sie den IS-Banden übergeben, welche in den letzten Tagen ins türkischen Karkamış ausgereist waren, wo ihre Bärte abrasiert und sie neu eingekleidet wurden, und von wo sie nun als Soldaten der FSA (Freien Syrischen Armee) zurückgeschickt worden sind.

Gestern am frühen Morgen hat die türkische Armee angefangen, ein Theaterstück aufzuführen: den vollbärtigen und schwarzgekleideten IS-Kämpfern der Stadt Cerablus wurde der Bart abrasiert, sie bekamen neue Überkleider und Stiefel, und diesen umgedrehten IS-Kämpfern wurde die Stadt übergeben. Nichts anderes war diese Übergabe als die Aufführung einer militärischen Operation gemäß einer Vereinbarung mit dem IS und anderen islamistischen Banden, um die Errungenschaften des kurdischen Volkes zu liquidieren.

Die Inszenierung begann am frühen Morgen

Zur Inszenierung der militärischen Operation wurden eigentlich schon Tage zuvor Vorbereitungen getroffen. Während die IS-Kämpfer sich aus Cerablus zurückzogen, wurden auf der türkischen Seite in Karkamış die Wohnhäuser evakuiert und der ganze Bezirk zu etwa 80 Prozent geleert. In Erwartung einer großen Militäroperation und eines heisser Gefechte entstand eine grosse Spannung, und genau das war beabsichtigt.

Die Inszenierung einer Militäroperation begann gegen 4 Uhr morgens: Bomben und Panzergranaten wurden abgeschossen, mit Baumaschinen wurden Grenzdurchbrüche geöffnet, und die ersten islamistischen Gruppen zusammen mit türkischen Panzern drangen in die Dörfer Keklice, Kıvırcık und Karakuyu ein, die 4 bzw. 12 bis 13 km von Cerablus entfernt sind.

Was die Medien von Karkamış sahen, das haben die Leute, obwohl sie mittendrin waren, nicht mitgekriegt

Die herrschenden Medien begannen zu berichten, wie “heldenmütig” das türkische Heer und die untertützenden Banden kämpfend mitten im Bombenhagel vorrückten. Wir unterhielten uns mit Derviş, einem syrischen Bauern des Dorfes Karakuyu: “Zu dieser Zeit hielt ich mich in meinem Hausgarten auf. In derr Umgebung gab es keine Kämpfe. Mit Baumaschinen wurde den Panzern und anderen Wagen der Truppenverschiebung der Weg geöffnet; die Panzer waren an den Eisenbahngleisen aufgestellt; von Kämpfen konnte ich nichts mitkriegen.” Derviş bezeugt, dass auch im Stadtzentrum keinerlei Kämpfe zu erleben waren; da gab es nur IS-Kämpfer, die warteten auf anderen Gruppen, die sich zu ihnen gesellten.

“63 Ziele 224 mal bombardiert”? Nur Strohfeuer auf abgeernteten Feldern!

Nach dem Gespräch mit Derviş nahmen wir den Weg längs der Grenze, um zu sehen, was dort abgelaufen war. Entlang der Grenze hat es überhaupt kein Gefecht gegeben. Nur Rauchwolken abgebrannter Stoppelfelder. Wir reden mit den Bauern der Dörfer im Bezirk Karkamış. Die Bauern wollen ihre Namen nicht nennen. Auch sie haben gemerkt, dass es sich um eine Inszenierung handelt. Sie berichten, dass in den Tagen zuvor Karkamış evakuiert worden ist, und dass auf die freien Felder hinter Cerablus Bomben und Panzergranaten niedergingen, ohne dass aus Cerablus und den Dörfern auch nur ein einziges Mal geantwortet worden wäre. Alle Bauern auf dem Weg bestätigen dies.

Normales Leben in Karkamış

Wir nähern uns dem Grenzort Karkamış, der in den letzten Tagen ervakuiert worden und in dem Ausgehverbot verhängt worden war, um ein Klima von nahenden Kämpfen und militärischen Auseinandersetzungen zu erzeugen. Ob wir uns überhaupt angesichts des Ausgehverbots in dem Ort frei bewegen dürfen? Aber ja doch. Das Leben geht seinen normalen Gang. Die Läden sind geöffnet, die Leute auf der Strasse. Unnd obwohl der Ort Cerablus genau gegenüberliegt, ist von dort keinerlei Gefechtslärm zu hören.

Die Rauchwolken auf den brennenden Stoppelfeldern werden in den Medien zu heißen Gefechten

Genau gegenüber von Cerablus ist ein Hügel, auf dem sich die Vertreter der tonangebenden Medien versammelt hatten. Irgendwo anders waren sie nicht. Und während die Leute von Karkamış auf ihren Flachdächern Tee tranken, hatten die Medienvertreter, um die Inszenierung abzurunden, kugerlsichere Westen an, Helme auf dem Kopf und bedienten das Volk mit ihren Lügen: “Auf dem Terrain direkt hinter uns finden scharfe Gefechte statt…” Im Zentrum der Stadt Cerablus ist kein einziger Schuss zu hören, aber es ist von 224 Schüssen auf 62 Ziele die Rede – dabei liegt der Himmel über Cerablus in strahlendem Blau, und keine einzige Wolke ist zu sehen.

Die Stoppelfelder glimmen weiter, und wir sind selbst Zeugen, was daraus gemacht wird in den Medien: dass auf unbedeutenden Feldern hinter Cerablus die Bomben einschlagen. Erinnert diese Inszenierung nicht an die Militär- Inszenierung der Osmanen im Mercidabik-Krieg 1516 ? Damals nahm man den Brand der Stoppelfelder zum Zeichen für erbitterte Gefechte, während in Wirklichkeit man sich schon einige Tage zuvor zwischen dem osmanischen Heer und die Mamelucken auf die Übergabe geeinigt hatte.

Keine Operation, sondern eine Truppenverlegung

Entgegen der Propaanda über Militär-Operationen und Gefechte gab es in der Gegend nirgends entsprechende Vorsichtsmassnahmen. Die Baumaschinen des türkischen Heeres und die Lastwagen bewegten sich ohne jegliche Sorge in Richtung “Frontlinie” von Cerablus. Dazu die örtlichen Gewährsleute: “Das war keine militärische Operation, sondern Waffen, Ausrüstung und islamistische Kämpfer wurden nach Cerablus verlegt.” Die Dorfbewohner erzählen, dass in den letzten Wochen täglich 10 bis 15 Leute von Cerablus über die Grenze in die Türkei gelangten. Dass es sich dabei um Islamistischer Banden handelte, und dass was die türkische Regierung jetzt als Elemente der FSA (Freie Syrische Armee) zurückschickt, im wesentlichen die vorher übergesetzten IS-Banden sind.

Übergabe der Stadt schon am Nachmittag

Cerablus ist eigentlich eine armenische Stadt, die im Verlauf der Arabisierungs-Politik des Baas-Regimes von Armeniern gesäubert worden ist. Jetzt übergibt der IS die Stadt schon am Nachmittag der türkischen Armee und ihren befreundeten Gruppen. Andere Orte in Hand des IS wurden dem Baas-Regime und den Bombern der Koalition nicht gleich ausgeliefert – hier reichten ein paar Stunden aus, ohne dass Widerstand geleistet wurde.

Gestern waren wir selbst Zeugen, und die Bewohner der Gegend haben uns bestätigt, dass eine Übereinkunft, die schon vorher mit dem IS abgeschlossen worden war, ausgeführt worden ist. Und als zeremonielle Zugabe hat man eben Bomben und Panzergranaten abgefeuert, um mit diesem Lärm die Übergabe zu übertönen.

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