PKK-Kommandant: Unsere Aufgabe in Şengal

ANF – Rojwar Karakoçan aus Şengal

Interview mit Civyan, dem HPG(PKK)-Kommandanten von Şengal, zum 2. Jahrestag des IS-Völkermord an den Êzidi

Unsere Aufgabe in Şengal ist noch nicht erledigt

Civyan, der Gebiets-Kommandant der HPG (PKK) – Truppen von Şengal: „Das System, in dem unser Êzidi-Volk mit Vertrauen in die Zukunft leben kann, in dem es mit freiem Willen sich selbst verwaltet und sich selbst verteidigt, muss endlich anerkannt und respektiert werden: Şengal braucht ein autonomes und demokratisches System.“

Am 3. August 2014 verübten die IS-Banden in Şengal ein Massaker vom Ausmaß eines Völkermords. Tausende Menschen wurden getötet, Tausende Menschen wurden gefangen und Hunderttausende wurden vertrieben. Sehr viele Frauen wurden auf Märkten verkauft und die Gefangenen als Sklaven verteilt.

‘Gefährlicher als die früheren Massaker’

Anläßlich des zweiten Jahrestages des Völkermords beantwortete Agit Civyan, der für das Gebiet von Şengal verantwortliche Kommandant der HPG-Truppen, unsere Fragen. Er betonte, daß Abdullah Öcalan, der Führer des kurdischen Volkes, schon vorher vor einem Massaker hinsichtlich Şengals gewarnt hatte, und setzte den Völkermord in Bezug zu den letzten hundert Jahren:

Wie wir wissen, ist es nicht in sehr zurückliegender Zeit, dass unser Volk der Êziden Massakern ausgesetzt war. Solche Erfahrungen sind uns in lebendiger Erinnerung. Damit sich solche Massaker nicht wiederholen, muss auf die Ursachen dieses „Ferman“ (Vernichtungs-Bechlusses) eingegangen werden. Wieso wurden angesichts des unmittelbaren Massakers keine Maßnahmen getroffen? Das muss man wissen, unser Volk muss da durchblicken. Es ist bekannt, dass im Juni 2014, als Mossul besetzt oder vielmehr dem IS übergeben wurde, dass danach unsere Führung bei einem Treffen mit ihren Rechtsanwälten ausdrücklich erwähnte, dass Şengal als nächstes dran ist, besetzt zu werden. Die Führung hatte gewarnt, hatte die Aufmerksamkeit auf Şengal gerichtet. Unsere Führung wußte genau, wie es in dieser Gegend aussah, und sie analysierte ganz richtig die Gefahr, dass in der Gegend ein Konfessionskrieg, ein Krieg zwischen den Völkern drohe, und dass Vorsichtsmaßnahmen nötig seien. Vor allem hinsichtlich Şengals und zu unserem Êzidi-Volk haben sich diese Vorhersagen nach dem ‘Ferman’ als richtig erwiesen. Es sollte sich herausstellen, dass Öcalan richtig lag mit dem, was er gesagt, was er vorausgesehen hatte. Aber warum keine Vorsichtsmaßnahmen ergriffen wurden, warum man das Massaker nicht verhindert hat, das ist noch nicht bekannt…

Obwohl unsere Organisation sofort die Vorkommnisse analysierte und die Gründe für das Geschehen offenlegte, weiß unser Êzidi-Volk nichts Genaueres. Die in den ersten Tagen des ‘Ferman’ vorherrschenden Reaktionen, der Zorn nach Rache und serartige Gedanken haben sich heute etwas abgeklärt. Aber statt dass über die Ursachen nachgedacht wird, begnügt man sich mit Meinungen, die gerade auf die Tagesordnung kommen. Das ist der Hauptgrund dafür, dass unser Êzidi-Volk immer wieder in seiner Geschichte mit einem ‘Ferman’ konfrontiert wird. Es fragt sich nicht weiter nach den Gründen und Ursachen dafür. Das Volk der Êzidi ist der Überzeugung, dass dieser Ferman der umfassendste und gefährlichste gewesen sei, gefährlicher und umfassender als die bisherigen 72 Fermane – und trotzdem versucht man in den verflossenen zwei Jahren, diesen genauso wie die 72 vorhergehenden Fermane irgendwie zu vergessen.

Dabei ist die politische Haltung, den Ferman dem Vergessen anheimzugeben, genau die, welche Fermane eben möglich macht. Man will vergessen machen, wie der IS Mossul, wie er Falludscha besetzt hat, die Städte in Syrien, wie dann Şengal drankam und wie der Völkermord gegen unser Êzidi-Volk vom Zaume gebrochen wurde. Leider findet diese Politik der Verdrängung auch Anklang. Tatsächlich ist dies eine der Grundfragen, mit der sich unser Ezidi-Volk auseinander zu setzen hat. Es will sich mit der Geschichte nicht konfrontieren, es will diese Erfahrungen vergessen. Das entspricht einer grundlegenden Taktik der in dieser Gegend herrschenden Kräfte: sich nicht mit den geschichtlichen Erfahrungen zu konfrontieren. Man begnügt sich mit den täglichen Ereignissen, mit dem Leben von Tag zu Tag. Die vergangenen Fermane sollen vergessen werden mit einer Politik, in der die geschichtlichen Erfahrungen nur in einem ganz engen Rahmen gesehen werden.

Der Völkermord muss auf internationaler Ebene anerkannt werden

Bekanntlich hat die ganze Welt in den letzten hundert Jahren zwei große Völkermorde anerkannt: den an den Armeniern und den anderen an den Juden. Diesen Völkermorden ebenbürtig in unserem Jahrhundert ist aber die Völkermord-Initiative vom 3. August an den Êzidi in Şengal. Letztes Jahr wurde auf internationaler Ebene das Massaker von Şengal als Genozid definiert. Aber es reicht nicht, den richtigen Ausdruck zu verwenden. Was war die Ursache für dieses Massaker, welche Kräfte öffneten ihm den Weg? Das muss auch benannt werden. Es wird der Tag kommen, wo für diese Massaker abgerechnet wird, gegenüber der Justiz, dem menschlichen Gewissen, der demokratischen Öffentlichkeit, selbst vor Kriegsgerichten. Aber schon jetzt muss die internationale öffentliche Meinung genauer, schärfer, mutiger den Völkermord benennen und Vergeltung fordern. In letzter Zeit hat die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen einen Bericht veröffentlicht, der in dieser Hinsicht etwas Hoffnung gibt. Aber das muss auch auf internationalen Konferenzen akzeptiert und vertreten werden.

Wovor die ganze Welt die Augen verschliesst:
Es war die Gerilla, die nach Şengal kam und die Êzidi rettete

Die kurdische Freiheitsbewegung hat den historischen Beschluss gefasst, den Völkermord zu verhindern. Als erstes darf das êzidische Volk diese Tatsache nicht vergessen. Die mit den Herschenden kollaborierenden Kräfte, die sich als dessen Vertreter und Beschützer ansahen, die können, wenn es ihr eigener Vorteil verlangt, die Êzidi verkaufen, ihnen den Rücken kehren, sie dem Tod, dem Massaker aussetzen, solange sie sich nicht auf eine ideologische, auf eine nationale Grundlage stützen, solange sie nicht das Wohl des ganzen Volkes im Auge haben. In dieser Hinsicht war die Massaker-Intitiative des 3. August wie ein Spiegel und zeigte die Wirklichkeit sonnenklar. Es ist ja bekannt, dass unsere Führung nach der Besetzung vom Mossul deutlich gesagt hat, dass Şengal als nächstes dran ist. Aber Maßnahmen wurden nicht getroffen. Das Volk hier war informiert. Nur die Kräfte, die es schützen sollten, nicht. Aber das Volk wusste, dass versucht werde, Şengal zu besetzen. An den Tagen vor dem 3. August hatten sich die IS-Banden in den besetzten arabischen Dörfern neben den Êzidi-Dörfern eingenistet. Man wußte, sie werden angreifen, aber man vertraute den Kräften, die zur Verteidigung präsent waren, man traf keine Vorbereitungsmaßnahmen selber. Und genau an dem Tag, an dem die Besetzung begann, am 3. August abends, schützten die zur Verteidigung anwesenden Kräfte das Volk nicht, ja verteidigten sich nicht einmal selber. Und sie schossen sogar auf das Volk, als sich dieses verteidigen wollte: In der Gegend von Hardan wollten einige Leute die sich zurückziehenden Peschmerga aufhalten. Zwei wurden von den Peschmerga erschossen. Warum zogen sie sich zurück – hatten sie wirklich Angst, hatten sie zu wenig Kräfte und ließen deshalb das Volk schutzlos zurück, oder steckt da etwas anderes dahinter?

Mossul zum Beispiel ist einfach übergeben worden. Die bewaffneten Kräfte in Mossul, Armee und Polizei, hätten, wenn sie gewollt hätten, Mossul verteidigen und nicht dem IS ausliefern können. Auch die in Şengal stationierten Streitkräfte hätten Şengal veteidigen können. Die in Şengal einfallenden Banden zählten nicht mehr als einige Hundert; Tausend erreichten sie nicht. Während die dort stationierten Kräfte an die Zehntausend zählten, die mit ihrer ganzen Ausrüstung fünf oder sechs Şengal hätten verteidigen können. Die Verteidigungskräfte hätten die Vorhut für das Volk machen können, das Volk hätte in Stellung gehen können und die Verteidigung, den Krieg aufnehmen. Stattdessen wurde eine Stimmung des Sich-Zurückziehens verbreitet, eine Stimmung der Angst, des Todes, des Rette-sich-wer-kann aus dem eigenen Land, der eigenen Heimat, dem eigenen Grund-und-Boden. Das ist der Hauptgrund. Dennoch muss genauer untersucht werden: war es ein bewußter, an zentraler Stelle gefaßter Beschluß, oder ging es auf die Intitiatiive der örtlichen Kräfte, des örtlichen Kommandanten zurück?

Die Geschichte vergißt nichts, die Geschichte wird Rechenschaft verlangen, ganz sicher. Denn es war der Auftakt zu einem Massaker, zu einem Völkermord. Und zwar gezielt zu einem Massaker, zu einem Angriff auf das êzidische Volk, einem Teil der Kurden. Also nicht nur wie irgendwelche Massaker in Kurdistan. Denn der êzidische Glauben ist auf die Êzidi beschränkt. Jeder Versuch, Êzidi zu massakrieren, zielt darauf ab, das Êzidentum zu tilgen, jeder Ferman (Vernichtungsbeschluss) will genau das. Genau an diesem Tag, an dem sich niemand mehr selbst verteidigen konnte, an dem die Angst vor dem Tod und die Vernichtung die Oberhand gewonnen hatte und ganz Şengal von einem Ring aus Feuer umzingelt war, musste unbedingt eingegriffen werden. Vor den Augen der ganzen Welt erfolgte die Initiative zum Massaker – aber die ganze Welt war blind, war taub, war stumm, wollte nicht sehen, wollte nicht hören, wollte nicht helfen. In einem derartigen Moment musste ein mutiger Schritt unternommen werden. Ein Schritt, in dem sich die ganze Menschheit wiederfinden kann. In diesem Sinne ist der Beschluss unserer Organisation, zu intervenieren, ein Beschluss im Namen der ganzen Menschheit. Diese Intervention hat ganz Sengal, hat einer halben Million unserer Êzidi wieder Atemluft verschafft, als sie bereits im Todeskampf lagen, hat Sterbenden wieder Leben eingehaucht und den berühmten ‘Korridor’ freigemacht, durch den sie sicher Rojava und Süd-Kurdistan erreichen konnten.

Die Gerilla hat in den letzten zwei Jahren in Şengal ein Epos geschrieben

Aber man muss sich vor Augen halten, dass das, was in Şengal vom 2. Tag der Besetzung durch den IS an geschehen ist, also vom 5. August bis heute zwei Jahre lang jeder Tag ein Epos von Widerstand und Heldentaten ist. In der Geschichte der Êziden kommen immer wieder junge Recken, Helden vor wie Derweş und Edule. Im Verlauf dieser zwei Jahre zeigen sich moderne Derweş und Edule, junge Kämpfer, die als Helden fallen. Nachdem die Leitung der Organisation beschlossen hatte einzugreifen, begann die YPG (die Verteidigungskräfte von Rojava) von Rabia aus, von der Linie Rabia – Tel Koçer – Ceza aus, den Korridor zu öffnen, und erreichte die Şengal-Berge. Am ersten Tag legte man die halbe Wegstrecke zurück. Am zweiten Tag, den 5. August, erreichte man Geliye Kerse. An dem Tag, wo die YPG den Korridor öffnete, erreichte ein HPG-Regiment Şengal. An diesem Tag machte die HPG auch öffentlich bekannt, dass sie mit einem Regiment in Şengal intervenierte. Was in Şengal zu tun war, darüber hatte die Organisation genaue Vorstellungen. Es ging nicht darum, Şengal völlig zu räumen, zu leeren, sondern die vom IS nicht eroberten Gegenden zu schützen, im Grunde das ganze Gebirge zu verteidigen und für die Zukunft eine genaue Perspektive zu eröffnen.

Aber für uns Gerilla-Kräfte war Şengal ein neuer Terrain. Trotz grosser Widerwärtigkeiten musste man in Null-Komma-Nix vor Ort präsent sein und alles auf Initiative der Gerilla organisieren. Die nachgeordneten Vorstellungen über die Organisierung der Bevölkerung mussten behutsam in die Praxis umgesetzt werden. Als erste Aufgabe galt es, eine halbe Million Menschen gesund in Sicherheit zu bringen. Einerseits wurde das wie geplant bewältigt, andererseits brachten wir einen Teil unserer Kräfte in den Bergen in Stellung. Dies umfasste ein zu sicherndes Gebiet von 72 km Länge und 15 bis 20 km Breite. Vor allem sorgten wir dafür, dass der IS nicht die Örtlichkeiten, in die sich die Leute geflüchtet hatten, angreifen konnte. Das heißt, wir etablierten eine Verteidigungslinie von den höchsten Gipfeln aus über Geliye und Bare bis Şerfedin und Pir Ewra, dann von Digure aus bis Solak und Kızıl Kent und weiter über das Stadtzentrum von Şengal. Ein Anzahl von Menschen hatte es nicht geschafft, die Berge zu erreichen, vor allem Ältere, Kranke, Gehbehinderte. Unsere Kräfte erreichten sie. Das Volk wurde also geräumt. Die Ernährung war ein großes Problem, die Versorgung mit Wasser, die Hitze, die Kranken. Der Schutz vor den Angriffen des IS war also nicht das einzige Problem. Viele Probleme wurden durch Organisierung gelöst. Es ging darum, die Leute in sichere Gebiete zu bringen. Aber nicht alle sollten umgesiedelt werden.

Denn eines ist Tatsache, die Angriffe sollten Şengal menschenleer machen. Şengal sollte von Êzidi freigemacht werden. Dann wäre es nicht mehr nötig und sinnvoll gewesen, einen Verteidigungskrieg zu führen, den Widerstand zu organisieren. Du entwickelst den Widerstand für dieses Volk und zusammen mit diesem Volk. Aber wenn das Volk nicht mehr hier bleibt, hast du ein ernstes Problem. Aus der Vergangenheit, aus der Geschichte des Êzidentums sind klare Schlußfolgerungen zu ziehen. Wenn unsere Leute einmal von ihren Ländereien, von ihrer Heimat und von den Orten, die Symbole des Êzidentums sind, weggezogen sind, dann wollen sie nicht mehr zurückkehren. In diesen zwei Jahren sind von denen, die weggegangen sind, bis jetzt nicht einmal zehn Prozent zurückgekehrt. Das ist ein schwerwiegendes Problem. Obwohl Şengal zu zwei Dritteln befreit ist, sind bis jetzt nicht einmal zehn Prozent zurückgekehrt. Diese Gefahr hat unsere Organisation von Anfang an vorausgesehen, dass man einen guten Teil des Volkes hier lassen muss. Aber sie haben solche Gräueltaten erlebt und derart Angst bekommen, dass niemand bleiben möchte. Deshalb muss man ein gehörige Maß an Vertrauen und Sicherheit schaffen. Jetzt haben die Kräfte, die dieses Vertrauen sichern sollten, es völlig verspielt. Wir als Guerillas waren hier bisher nicht bekannt. Dieser Umstand ist unser Nachteil. Aber womit konnten wir dem Volk wieder Vertrauen geben? In einer Zeit, wo ganz Şengal und das êzidische Volk völlig eingekreist waren, wo die Mutter nicht ihr Kind und der Vater seine Familie nicht mehr schützen konnten, wo immer wieder Leute getötet wurden, in dieser Zeit sind Leute gekommen, sie sich PKK-Gerillas nannten, und sind eingeschritten. Bis dahin kannte man nicht einmal den Namen ‘PKK’; sie sagten ‘PPK’ zu uns oder andere Namen. Aber allen hat sich ein Begriff eingeprägt: ‘heval’, das heißt ‘GenossIn’. Dieses Wort hat sich schnell verbreitet. ‘Heval’ wurde mit ‘mutig’ identifiziert und mit ‘Rettung’. Und nach der Mythologie der Êzidi kommt eines Tages das Heer des Engels Tavuk (Pfau), um die Êzidi zu befreien. So ist das Wort ‘heval’ gleichbedeutend geworden mit diesem rettenden Heer. In ‘heval’ ist die Hoffnung ausgedrückt, dass wir wieder befreit werden. Kurz: das Wort ‘heval’ gibt dem Volk wieder die notwendige Sicherheit, das Vertrauen, den Mut und die Zuversicht, hier zu bleiben. Und 15 Tausend von unseren Leuten blieben hier.

Wenn man vom Widerstand Şengals spricht, dann muss man zweifelsohne an die 15 Tausend Leute erinnern, die seit zwei Jahren den Winter, die Kälte, den Regen, den Hunger und den Mangel aushalten und hier bleiben. Und dann die Zeit des Widerstands, die man in Phasen unterteilen kann. Zum Beispiel die Phase, als der Korridor geschlossen war, als er wieder geöffnet wurde, als nach der Öffnung der Norden befreit wurde, als dann das Stadtzentrum von Şengal angegriffen wurde und als nach elfmonatigem heldenhaften Kampf die ganze Stadt schließlich eingenommen wurde. Oder als von Bare ausgehend der Kolik-Berg und die westliichen Dörfer, die Weiler von Mediban befreit wurden. Im März sind dann die Weiler an der Grenze zwischen Şengal und Rojava befreit worden. All diese Offensiven haben ihre eigenen Geschichten. Aber eines muss man sich vor Augen halten: Zwei Tage, nachdem der IS mit der Besetzung Şengals begonnen hatte, also vom 5. August bis heute bedeutet jeder Tag ein Heldenepos. In der Geschichte des Êzidi-Volkes gab es immer, so wird erzählt, junge Recken, Helden wie Derweş und Edule. Und diese zwei Jahre beweisen, dass es auch moderne Derweş und Edule gibt, moderne Helden, unsere gefallenen Genossinnen und Genossen.

Über alle Probleme Kurdistans sind wir bereit zu diskutieren

Der Widerstand bewies große Opferbereitschaft und großen Heldenmut, aber auf uns warten noch wichtige Aufgaben. Die haben wir noch nicht erfüllt. Darüber wird viel spekuliert, vom ersten Tag an bis heute: wieso haben wir als Gerilla-Kräfte vom ersten Tag an bis heute interveniert? Und man wird nicht müde, unsere Opfer herabzusetzen, unsere Herangehensweisen zu negieren und die Tatsachen auf den Kopf zu stellen. Doch, wir haben viele Ziele. Aber als erstes möchte ich klarstellen: Mit politischer Absicht sind wir nicht gekommen, wir wollen Süd-Kurdistan nicht aufspalten, wir sind nicht gekommen, um Şengal von Süd-Kurdistan abzutrennen. Wir sind gekommen mit humanitären Absichten, um unsere Pflichten der Moral und des Gewissens zu erfüllen, unsere Pflichten als Patrioten. Und diese Pflichten sind noch nicht erfüllt, an ihnen gilt es noch zu arbeiten. Bis wir unser Versprechen an die Gefallen, an unser Volk erfüllt haben, arbeiten wir weiter an diesen Aufgaben. Wer uns andere Absichten unterschiebt, den können wir nicht Ernst nehmen.

Und wer von den politischen Käften in Süd-Kurdistan wirklich wissen will, was die PKK machen vorhat, der braucht nicht das, was verleumderische Fernsehprogramme (von Erbil) behaupten, verfolgen. Unsere Organisation hat eine Führung, die Regierrung von Süd-Kurdistan hat ihre Leitung, genauso die politischen Parteien, wir haben das immer offen gesagt. Wir sind bereit, alle Fragen Kurdistans, nicht nur die des Südens, zu diskutieren. Wir sagen offen, dass wir bereit sind, uns für alle Teile Kurdistans einzusetzen. Wer also wirklich unsere Absichten erfahren will, der muss mit unserer Organisations-Leitung sprechen.

Şengal muss aufgebaut werden

Es bleiben noch einige Aufgaben zu erfüllen. Als erste sind da die Dörfer, die noch in der Hand des IS sind. Unsere Leute, die der IS gefangen hält. Die müssen gerettet werden. Dann hat Şengal einen großen Krieg durchgemacht, ist verbrannt und zerstört. Şengal muss wieder aufgebaut werden. Dann reicht es nicht, die Massaker als Völkermord zu bezeichnen; die Verantwortlichen müssen auch vor Gericht. WikiLeaks hat Dokumente veröffentlicht; wir wissen nicht, was davon stimmt. Aber sie schreiben, dass Mossul und Şengal aufgrund eines Kuhhandels verkauft worden seien. Nachdem diese Dokumente veröffentlicht worden sind, sind in zwei Ländern die Staatspräsidenten zurückgetreten und Regierungen gefallen. Nach ernst zu nehmenden Aussagen und nach Dokumenten bezüglich der Türkei ist bekannt geworden, dass Mossul und Şengal aufgrund eines Kuhhandels verkauft worden sind. Darüber muss Rechenschaft abgelegt werden.

Şengal muss autonom und demokrtisch sein

Es ist notwendig, dass Şengal ein autonomes und demokratisches System aufbaut. Vor allem muss der Glauben des Êzidentums garantiert werden, unser Êzidi-Volk muss in die Zukunft vertrauen können, es muss nach eigenem Willen sich selbst verwalten können, und ein System der Selbstverteidigung muss ihm zugestanden werden. Als erster Schritt muss die Föderale Regierung (Süd-Kurdistans) dies anerkennen, aber auch die irakische Regierung und das internationale System.

Jetzt erleben wir den zweiten Jahrestag des Fermans, und wir gedenken aller GenossInnen, die in diesen zwei Jahren gefallen sind. Die Erinnerung an sie ist bei uns lebendig, ihre Waffen und Fahnen werden wir weiter hochhalten, und wir versprechen, das Wort zu erfüllen, das wir unserer Führung, unseren Gefallenen und unserem Volk gegeben haben.

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