Mersin: Schuhputzerkollektiv gegründet

Published by ISKU Informationsstelle Kurdistan e.V. on 28. März 2016

5 Schuhputzer haben sich in Mersin zusammen getan und arbeiten jetzt – wie sie es nennen – als Kommune, d. h. kollektiv. „Wir arbeiten nicht mehr vereinzelt, sondern zusammen. Wir sind solidarisch mit dem Widerstand der Selbstverwaltungen und geben täglich einen Teil von dem, was wir erwirtschaftet haben, an sie ab“, so die Fünf.

Vor ungefähr 7 Monaten haben die 5 Freunde sich an das Bürgermeisteramt von Akdeniz gewandt. Sie forderten, dass man ihnen einen Platz gegenüber des Rathauses zubilligen möge. Nachdem sie dem Bürgermeisteramt erklärten, wie ihr System der Kommune funktionieren solle, wurde ihnen die Erlaubnis erteilt. Seitdem arbeiten die Fünf als Kollektiv auf dem ihnen zugestandenen Platz. Die Einkünfte teilen sie zu gleichen Teilen unter sich; einen Teil legen sie auch täglich für jene zur Seite, die sich im Widerstand der Selbstverwaltungen befinden. Ahmet Şeremet, einer der Schuhputzer in Mersin, kam die Idee dazu, als er die 4-5 Meter großen Plätze der Schuhputzer in Istanbul sah. Diese Plätze wurden vom Rathaus vermittelt, gegen einen Mitgliedsbeitrag und Standmiete. „Da dachte ich mir, es wäre doch besser, sich dort nicht individuell zu plagen, sondern kollektiv zu wirtschaften. Der Gewinn ist immer unterschiedlich, manche bekomme 20 TL, manche 50 TL, andere 100 TL. Das fand ich nicht in Ordnung. Da führten wir den Pool ein und teilen zu gleichen Teilen. Wir stellten dem Rathaus unsere Idee vor. Sie unterstützen uns und verzichten sogar auf die Miete“, so Şeremet.

„Mit dem neuen System gelingt es uns nun, Geld mit nach Hause zu bringen. Die Freunde, mit denen ich das zusammen mache, kommen aus Mersin, Trabzon und Urfa. Wir und unsere Familien sind uns durch die Arbeit so nah gekommen wie sonst nie“, so Ahmet Şeremet, „In der Fabrik geht der Mehrwert an den Fabrikbesitzer, hier arbeiten wir zu Fünft auf 2 Metern. Wir reparieren Schuhe, verkaufen Schuhcreme, tätigen den Verkauf von Secondhand-Schuhen. Die Einnahmen wandern in einen Topf. Danach errechnen wir die Einnahmen und Ausgaben. Den Rest teilen wir unter uns. Alle erhalten den gleichen Teil, denn es gibt keinen Chef unter uns. Mit dem System der Kommune, wenn es auch nur eine sehr kleine ist, gelingt es uns doch, unter den schweren Bedingungen zurecht zu kommen. Es sollten alle so arbeiten“, meint Ahmet Şeremet.

Und sie helfen auch noch anderen. Täglich wird von dem Erwirtschafteten auch ein Teil zur Seite gelegt, um anderen, die im Widerstand der Selbstverwaltungen beteiligt sind, zu helfen. Momentan sammeln sie vor allem auch für Cizîr. Mustafa Unutulur, ebenfalls Schuhputzer aus der Gruppe, sagt: „Seitdem wir kollektiv arbeiten, komme ich nicht mehr mit leeren Händen nach Hause.“ Er rät allen Gewerbetreibenden, so zu arbeiten.“

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