ANF 19.2.16 Rojava: revolutionäres Erziehungswesen

Politik und Krieg im Nahen Osten spielen sich entlang von sprachlichen und konfessionellen Grenzen und Fronten ab.

Nicht so in Rojava: Hier wird die “Demokratische Nation” aufgebaut. Zum Beispiel durch ein muttersprachliches und zugleich multi-sprachliches und multi-kulturelles Schulsystem.

Morgen ist der “Internationale Tag der Mutterspracheder UNESCO. Aus diesem Anlass gab Zozan Cizire, Mitglied des “Komitees Erziehungswesen für eine demokratische Gesellschaft” von Rojava, ein Interview, aus dem wir interessante Auszüge wiedergeben:

– “Frage: Welche praktischen Schritte unternehmt ihr im Aufbau eines multi-sprachlichen und multi-kulturellen Erziehungswesens?

– Antwort: Wir haben ein Buch-Komitee gebildet, um den Lehrplan erfüllen zu können. In diesem Komitee arbeiten Gruppen für kurdisch-, arabisch- und aramäisch – sprachige Bücher. Sie sind dabei, Schulbücher für für das kommende Schuljahr auszuarbeiten. Wir haben die Voraussetzungen mit der Rojava-Revolution, ein vielsprachiges und und multikulturelles Erziehungssystem zu entwickeln und zu festigen. Das heisst, wir haben die Phase, wo nur die Muttersprache unterrichtet wird, schon längst überwunden. Wir wollen das vielsprachige und multikulturelle Leben ind Rojava entwickeln und stabilisieren. In unserem Buch-Komitee sind Arabisch-Lehrer für arabische, Aramäisch-Lehrer für aramäische und Kurdisch-Lehrer für kurdische Schulbücher.

In diesem System lernen die kurdischen Kinder am Anfang in der kurdischen Sprache. Und die arabische und aramäischen Kinder entsprechend in ihrer Muttersprache. Auf einer zweiten Stufe lernen sie die Sprache der anderen Völker, mit denen sie zusammenleben. Und auf einer dritten Stufe eine Fremdsprache, die auf internationler Ebene in Gebrauch ist.

In diesem System lernen alle Kinder erst ihhre eigene Identität und Sprache kennen. Und ohne dass sie sich dessen schämen, lernen sie die anderen Völker, mit denen sie zusammenleben, kennen. DFamiit tragen wir zum freien, demokratischen und solidarischenZusammenleben der Völker bei. In diesem Schuljahr haben wir im Kanton Cezire damit begonnen. Die Schüler kriegen in den ersten drei Jahren Unterricht in der Muttersprache. Und von der 4. Bi zur 6. Klasse lernen sie die Sprachen der Völker, mit denen sie zusammenleben.

– Wie kommt das Muttersprachen-System in der Gesellschaft an?

– Antwort: Nun, seit waren die Rojava-Kurden ja der arabischen Assimilations-Politik unterworfen. Deshalb reagierten viele negativ auf unser Muttersprachen-System. Das Regime hatte die Mentalität, dass diese minderwertig seien, verbreitet. Unsere Leute haben alles auf Arabisch gemacht; die Behörden funktionierten auf Arabisch, und in dieser Sprache spielte sich alles in Regierung und Politik ab…

Natürlich sind wir nicht gegen das Arabische. Wir sind gegen keine Sprachen. Aber wir sind dagegen, dass eine Sprache als offizielle Sprache herrscht und die anderen Sprachen unterdrückt werden. Wie viele unserer Leute haben sich wegen dieser Politik assimiliert!

Und als wiir mit unserem Muttersprachen-System ankamen, waren sie dagegen. Aber mit solchen Reaktionen haben wir gerechnet. Wiri hatten ja analysiert, wie das System des Regimes sich auf unsere Leute auswirkte, wie es sie veränderte. Aber als wir unser System in der Praxis entwickelten, begannen die Leute, grosses Interesse dafür zu zeigen. Von Tag zu Tag wird unser System besser verstanden, vergrößert sich die Zahl unserer Lehrer. Und unser Volk entdeckt eine regelrechte Lust an der eigenen Sprache. Sogar Leute, die anfänglich strikt dagegen waren, fangen nun an, unser System zu unterstützen.”

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.