Was geschieht in Şêx Meqsûd, Şehba, Efrîn und Azaz?

Bewertung von Seyit Evran, Firatnews, 08.04.2016

Seit zwei Tagen haben sich die Angriffe auf das Viertel Şêx Meqsûd in Aleppo verstärkt. 25 ZivilistInnen haben dabei ihr Leben verloren, über hundert wurden verletzt.

Seit dem 27. Februar, dem Tag, an dem nach der Einigung zwischen Russland und den USA ein Waffenstillstand in Syrien ausgerufen wurde, finden ständig Angriffe auf Şêx Meqsûd und Efrîn statt. In den letzten beiden Tagen haben die Angriffe jedoch eine neue Dimension angenommen.

Einige Tage nach Beginn der Angriffe wurde die seit ungefähr drei Monaten stockende Genfer Syrien-Konferenz erneut gestartet. Staffan de Mistura, der angeblich für eine Lösung eintritt, veröffentlichte ein aus elf Artikeln bestehendes Dokument, mit „Was geschieht in Şêx Meqsûd, Şehba, Efrîn und Azaz?“ weiterlesen

Gire Spi (Rojava): Demokratische Autonomie

YÖP 22/23/24. März 2016 Dengir Güneş

Die Stadt Gire Spi (Tell Abyad auf arabisch: weißer Hügel) liegt wie Kobane direkt an der türkischen Grenze, im Schnittpunkt zwischen Rakka – Urfa und Kobane – Serekaniye. Die Stadt zählt ca. 50 000 Einwohner, überwiegend Araber und Kurden, aber auch Turkmenen, Assyrer und Armenier. Sie ist erst am 15. Juni 2015 vom IS (Islamischen Staat) befreit worden. Seither wird sie in demokratischer Autonomie selbstverwaltet.

Für die Bewohner ist das eine Revolution, wie sie die Journalistin Dengir Güneş in einem aufschlussreichen Bericht wiedergibt.

„Gire Spi (Rojava): Demokratische Autonomie“ weiterlesen

Mersin: Schuhputzerkollektiv gegründet

Published by ISKU Informationsstelle Kurdistan e.V. on 28. März 2016

5 Schuhputzer haben sich in Mersin zusammen getan und arbeiten jetzt – wie sie es nennen – als Kommune, d. h. kollektiv. „Wir arbeiten nicht mehr vereinzelt, sondern zusammen. Wir sind solidarisch mit dem Widerstand der Selbstverwaltungen und geben täglich einen Teil von dem, was wir erwirtschaftet haben, an sie ab“, so die Fünf. „Mersin: Schuhputzerkollektiv gegründet“ weiterlesen

Gewalt in der Kurdischen Revolution

Ingo 22.3.16 Diskussionsbeitrag

Die Aktualität drängt uns das Thema auf. Zwei Pole:
– Einerseits das Ziel, die “kurdische Frage” durch Demokratisierung der Türkei zu lösen. Materialisiert im Projekt HDP: Einer Partei, die den Anspruch trägt, für die ganze Türkei durch Selbstverwaltung und Basis-Demokratie alle Minderheitenfragen zu lösen. Die Wahlen Juni 2015 zeigten, dass dieses Projekt über die kurdischen “Stammwähler” hinaus Glaubwürdigkeit in anderen Schichten gewann: Alewiten, Intellektuelle, Feministen, Schwule, …
– Andrerseits „Gewalt in der Kurdischen Revolution“ weiterlesen

310 Zivilisten getötet

YÖP 23.3.16:
Die türkische Menschenrechts-Stiftung TIHV veröffentlichte gestern vorläufige Zahlen.
Demnach sind in der Zeit der “Ausgehverbote” in kurdischen Städten vom 16. August 2015 bis zum 18. März 2016 mindestens 310 Zivilisten getötet worden. Unter den Getöteten sind 72 Kinder (unter 18), 62 Frauen und 29 über-60-Jährige. Die Orte:
Cizre 183, Silopi 29, Diyarbakır-Sur 24, Nusaybin 20, Silvan 15, Idil 15, Bismil 8, Dargeçit 5, Yüksekova 5, Varto 4, Diyarbakır-Bağlar 2.

Start zum Grossangriff

ANF 13.3.2016 Start zum Grossangriff auf Nusaybin, Sirnak und Yüksekova
Für Yüksekova gilt heute ab 22 Uhr, für Nusaybin ab 24 Uhr das Ausgehverbot. Seit Wochen gehen die türkischen Streitkräfte in Stellung und beschiessen punktuell die selbstverwalteten und selbstverteidigten Stadtviertel. Vor zwei Tagen hat der türkische Innenminister eine entsprechende Ankündigung gemacht, und jetzt wird mit der Ausrufung des Ausgehverbots der Generalangriff erwartet.

ÜBER DIE TÜRKEIPOLITIK DER EU – DIE ROLLE DER BRD

Murat Çakır

Just in den Tagen, in denen vor den Augen der Weltöffentlichkeit kurdische Ortschaften von türkischem Militär und Spezialeinheiten der Polizei umlagert, dem Erdboden gleichgemacht, Zivilist*innen – vor allem Kinder und Frauen – auf offener Straße hingerichtet wurden und der schmutzige Krieg der Herrschenden in der Türkei eine neue Eskalationsstufe erreichte, fanden in Berlin und Brüssel zwei wichtige Ereignisse statt.

In Berlin war es eine Premiere: Erstmals fanden deutsch-türkische Regierungskonsultationen statt. Bundeskanzlerin Merkel empfing ihren türkischen Kollegen Davutoğlu mit allen militärischen Ehren und sie ließen ihre Minister*innen zusammenkommen. Offensichtlich war es der Bundesregierung, die derzeit in der Flüchtlingsfrage unter Druck steht, wichtig, die besondere »Wertschätzung« gegenüber der Türkei öffentlichkeitswirksam hervorzuheben. Zwar warfen gehässige Mäuler der Bundeskanzlerin vor, sie würde »einen schmutzigen Deal« eingehen, der einem »Kniefall vor dem Despoten Erdoğan« gleiche, aber in den bürgerlichen Medien fanden die »Konsultationen« weitgehend ein positives Echo. Immerhin wird von der Türkei erwartet, dass sie zukünftigen Flüchtlingsströmen einen Riegel vorschiebt und somit Europa von dem Druck der »Verdammten dieser Erde« befreit. Das ist der EU mindestens 3,5 Mrd. Euro sowie wohlwollende politische Unterstützung wert. „ÜBER DIE TÜRKEIPOLITIK DER EU – DIE ROLLE DER BRD“ weiterlesen

Serkeftin! War Cizre wie Rojava?

Published by ISKU on 1. März 2016

von ARZU DEMİR

Als ich Mehmet Tunç und Asya Yüksel, die beiden Co-Vorsitzenden des Volksrates von Cizîr (Cizre), zum ersten Mal begegnete, war Cizîr noch nicht so zerstört, die Menschlichkeit noch nicht so mit Füßen getreten worden. Es war noch nicht so mit Blut getränkt, die Schande noch nicht so unermesslich.

Es gab schon Schutzwälle in Stadtteilen von Cizîr. Aber auf ihnen lag kein Blut, Sie waren da, aber um sie rum war auch das Leben, der Alltag  von Cizîr.

Die Wintersonne schien auf die Straßen, die Läden waren geöffnet, Frauen saßen vor den Häusern ins Gespräch vertieft, Kinder spielten bei den Schutzwällen Fußball. Wenn man an den Häusern vorbei ging, konnte man den Duft von frisch gebackenem Brot vernehmen.

Während die Schäden der vorherigen Blockade (des türkischen Militärs) repariert wurden, standen die Jugendlichen bereit zur Verteidigung. Damals schrieb ich: „In Cizîr ist Leben“. „Serkeftin! War Cizre wie Rojava?“ weiterlesen