Rojava: Autonome Landwirtschaft senkt Lebensmittelpreise

In der Stadt Tirbespîyê im Kanton Qamişlo konnten durch die Produktion des eigenen Bedarfs vor Ort die Lebensmittelpreise deutlich gesenkt werden.

ANF / QAMIŞLO, 3. August 2018.

Die Bevölkerung von Tirbespîyê im Kanton Qamişlo hat erfolgreich damit begonnen, den eigenen Lebensmittelbedarf zu decken. Die Bevölkerung hat 828 Hektar landwirtschaftliche Fläche mit Gemüse bepflanzt, während gleichzeitig Granatapfel-, Aprikosen- und Olivenbäume sowie Weinreben gepflanzt wurden. Zuvor war in der Region auf Anweisung der syrischen Regierung ausschließlich Weizen angebaut worden. Fast alle Lebensmittel mussten in die Region importiert werden. „Rojava: Autonome Landwirtschaft senkt Lebensmittelpreise“ weiterlesen

Vier Jahre nach dem Massaker – Eziden nicht mehr wehrlos

Heute vor vier Jahren begann vor den Augen der Weltöffentlichkeit das Massaker von Şengal. Der IS ermordete Tausende Ezid*innen. Nach dem Angriff auf Şengal gründete die Bevölkerung die Verteidigungseinheiten YBŞ und YJŞ.

ROJDA DEMİRKIRAN / REDAKTION, 3. August 2018.

Vier Jahre sind seit dem Angriff des Islamischen Staat (IS) auf Şengal am 3. August 2014 vergangen. Die Ezid*innen bezeichnen diesen Angriff als 74. Ferman – Vernichtung. Sie waren den Mördern weitestgehend schutzlos ausgeliefert, da die Peschmerga der PDK bereits beim Anrücken des IS Şengal fluchtartig verließen. „Vier Jahre nach dem Massaker – Eziden nicht mehr wehrlos“ weiterlesen

Bevölkerung Efrîns hält an Kommunensystem fest

Die nach Şehba exilierte Bevölkerung von Efrîn baut ihr Kommunalsystem erneut auf und ergreift Maßnahmen zu Selbstverteidigung.

ANF / ŞEHBA, 1. Aug. 2018.

Mit dem Beginn der Revolution von Rojava hatten die Menschen in Efrîn die Selbstorganisierung als Kommunen zur Grundlage ihrer Organisierung gemacht. Diese Organisierungsform spielte eine tragende Rolle bei der Überwindung der mit der seit 2014 bestehenden Blockade verbunden Schwierigkeiten und dem Widerstand gegen die Invasion der türkischen Armee und ihrer Milizen. „Bevölkerung Efrîns hält an Kommunensystem fest“ weiterlesen

Nordsyrien: Keine russischen Ersatzteile, kein Euphrat-Wasser

Der Tişrîn-Staudamm am Euphrat ist reparaturbedürftig, es fehlen jedoch Ersatzteile. Die Türkei hält das Wasser zurück.

ANF / REDAKTION, 2. Aug. 2018.

Der Tişrîn-Staudamm am Euphrat, etwa 90 Kilometer östlich von Aleppo, wurde 1999 fertiggestellt. Der Damm ist 40 Meter hoch. Er wurde von russischen Firmen erbaut und verfügt über sechs Turbinen, die jährlich 1,6 Milliarden Kilowattstunden produzieren können.

2012 wurde der Tişrîn-Damm zunächst von den FSA und im Mai 2014 durch den sogenannten Islamischen Staat (IS) eingenommen. Ende Dezember 2015 konnten die neu gegründeten QSD (Demokratische Kräfte Syriens) den Tişrîn-Staudamm unter großen Opfern befreien. Unterstützt wurden die QSD durch Luftschläge der internationalen Koalition. Ein Rückeroberungsversuch durch den IS im Januar 2016 schlug fehl.

Die Befreiung des Damms ermöglichte auch die Offensive der QSD auf Minbic, das nicht weit vom westlichen Ufer des Euphrat entfernt liegt. Der Staudamm dient als Brücke über den Euphrat, im kleineren Maße zur landwirtschaftlichen Bewässerung und erzeugt den Strom für die Regionen Minbic und Kobanê.

Der IS hatte gezielt die Turbinen des Staudammes zerstört, heute sind zwei Turbinen reparaturbedürftig. Russland liefert Ersatzteile jedoch nur an das Regime, mit dem es Verträge hat.

Das weit größere Problem für Nordsyrien ist allerdings, dass der fast 70 Kilometer lange Stausee, der bis zur türkischen Grenze reicht, einen bedrohlich tiefen Wasserstand zeigt. Auf türkischer Seite gibt es mehrere Staustufen, die zum Beispiel am Atatürk-Staudamm das Wasser auf doppelter Größe des Bodensees aufstauen. Die Türkei hält das vertraglich mit Syrien vereinbarte Wasservolumen zurück, da die Verträge mit dem Regime und nicht mit der Selbstverwaltung Nordsyriens geschlossen worden sind, der Staudamm jedoch von der Selbstverwaltung betrieben wird. So kann tatsächlich momentan nur eine Turbine betrieben werden. Das reicht gerade einmal, um in Kobanê und Minbic jedes Stadtviertel täglich zwei Stunden mit Strom zu beliefern. Die nötigste Stromversorgung muss dann den Rest des Tages mit lauten und Abgas erzeugenden Generatoren erfolgen, die oft am Straßenrand zu sehen sind.

Zusätzlich zur Stromerzeugung betriebene Bewässerungsprojekte haben erst recht kaum die Möglichkeit, Wasser abzupumpen. Diese künstliche Knappheit kommt zu einer allgemeinen Trockenheit der südlich und östlich der Türkei gelegenen Regionen hinzu und verschärft die Lage. Durch das Embargo der Türkei und der Barzanî-Regierung in Südkurdistan gelangen auch kaum Dünger und Saatgut nach Nordsyrien, was der früheren Kornkammer des Mittleren Ostens stark zusetzt. Daher ist die Weizenproduktion von 1,2 Millionen Tonnen vor der Revolution auf jetzt 120.000 Tonnen.

Neue Methodik bei Lösegelderpressung in Efrîn

Die dschihadistischen Milizen in Efrîn greifen zu neuen Methoden, um Lösegeld für entführte Zivilisten zu erpressen.

ANF / EFRÎN, 30. Juli 2018.

Der türkischen Armee unterstellte Milizionäre in Efrîn haben im Bezirk Cindirês über dreißig Zivilisten verschleppt und ihr Eigentum geplündert. Für die Freilassung der Entführten wird Lösegeld gefordert.

„Neue Methodik bei Lösegelderpressung in Efrîn“ weiterlesen

Efrîn-Vertriebene: Statt Trauer wählten wir den Widerstand

Der „Volksgarten“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Kantone Şehba und Efrîn. Das geerntete Obst und Gemüse wird täglich an Tausende Hilfsbedürftige verteilt.

ANF / ŞEHBA, 31. Juli 2018.

Mit Beginn des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges des türkischen Staates gegen den nordsyrischen Kanton Efrîn am 20. Januar hat sich die Bevölkerung Efrîns zwei Monate lang entschlossen gegen die genozidalen Angriffe der Besatzungstruppen und ihren rekrutierten Dschihadistenmilizen widersetzt. Um weitere Massaker an der Zivilbevölkerung zu verhindern, entschieden die Kantonsverwaltung und die Volksverteidigungseinheiten am 18. März, die Bewohner*innen Efrîns zu evakuieren. Nach 58 Tagen des Widerstandes ließen Tausende Menschen ihre Häuser und Gärten hinter sich, um sich im Kanton Şehba niederzulassen. „Efrîn-Vertriebene: Statt Trauer wählten wir den Widerstand“ weiterlesen