Drusische Bevölkerung stellt sich gegen Zwangsdienst

Nach Angaben der im Libanon auf Französisch erscheinenden Zeitung L´Orient-Le Jour stellt sich die Mehrheit der Drusen in Suweida gegen den Militärdienst für das Assad-Regime.

ANF / BEIRUT, 23. Nov. 2018.

Die drusische Bevölkerung hat sich insbesondere in der Region Suweida im Südwesten von Syrien aus dem 2011 begonnenen syrischen Bürgerkrieg herausgehalten; Zehntausende Männer haben keinen Militärdienst geleistet. Stattdessen hatte sich Suweida selbst verwaltet und soweit möglich auch Verbindungen zur Demokratisch Autonomen Selbstverwaltung in Rojava aufgebaut. Statt Militärdienst zu machen, baute die drusische Bevölkerung eigene Selbstverteidigungsmilizen auf, welche die Region gegen die Angriffe der Dschihadisten schützen sollten.

Assad habe über die Kriegsdienstverweigerung der Drusen, die sich auch nicht gegen ihn stellten, hinweggesehen, heißt es in der libanesischen Zeitung. In diesem Monat aber sind alle jungen Männer aus der Region zum Militärdienst aufgerufen worden. Der Militärdienst in Syrien dauerte vor dem Krieg zwischen 18 Monaten und zwei Jahren, wurde aber während des Bürgerkriegs massiv verlängert. So berichtet L’Orient von einer Gruppe, die 2010 zum Dienst angetreten war und erst im Mai dieses Jahres entlassen wurde.

Sie haben ihre Region selbst verteidigt

In der Zeitung kamen etliche Drusen zu Wort, die erklärten, sie wollten im Krieg von Syrien, der einen „Ozean von Blut“ geschaffen habe, nicht Partei ergreifen. Als der IS im vergangenen Juli Suweida angriff und Hunderte Menschen getötet wurden, verteidigte insbesondere die drusische Jugend die Region selbst. Während des Bürgerkriegs hatten sich bereits drusische Selbstverteidigungsgruppen gebildet, in denen Zehntausende die Region gegen den IS, al-Qaida und die anderen Gruppen verteidigten haben.

Im Moment gibt es weltweit etwa eine Million Drusen, von denen über die Hälfte in Syrien lebt. Etwa 300–400.000 Drusen leben im Libanon, zwischen 120 und 150.000 in Israel, Jordanien und Palästina und eben so viele in der Diaspora.

Frauenorganisierung in Şehba

Leyla Ibişim von der Koordination der Frauenbewegung Kongreya Star erklärt, dass die Frauen, die aus Efrîn nach Şehba geflohen seien, sich in kürzester Zeit selbst reorganisiert haben und nicht bereit sind aufzugeben.

von HÎVDA HEBÛN aus ŞEHBA. ANF, 23. Nov. 2018.

Nachdem das türkische Militär und seine Milizen in Efrîn eingefallen waren, waren Zehntausende Frauen gezwungen, die Region zu verlassen. In den Camps im Kanton Şehba, in dem sie jetzt leben, setzen sie ihren Widerstand fort.

Leyla Ibişim von der Kongreya Star-Koordination im Berxwedan-Camp in Şehba berichtet vom Widerstand der Frauen in Şehba und der Frauen aus Efrîn im Camp. Sie erklärt, sie als Frauen verfügten über eine starke Organisierung und hätten sich daher nicht so wie viele Frauen in den anderen Teilen Syriens verstreut. Frauen, die in Lagern in anderen Teilen Syriens untergebracht seien, werden immer wieder Opfer von schweren Übergriffen, einschließlich ihres Verkaufs. Die Situation in Rojava sei jedoch ganz anders, vergleicht sie: „In Rojava waren die Frauen organisiert. Sie kannten ihre Realität und ihre Kraft. Sie hatten eine solche Position auf der Grundlage der Philosophie des Vorsitzenden Apo erreicht. Wir haben aus seiner Philosophie Kraft gezogen. Er hat uns Wege der Organisierung aufgezeigt. Er hat uns beigebracht, dass es keine Befreiung der Gesellschaft ohne die Befreiung der Frau geben kann. Die Frauen in Rojava sind unter dem Grundsatz des Vorsitzenden Apo ‚Die Freiheit der Frau ist die Freiheit der Gesellschaft‘ organisiert.“

 

Die Frauen aus Efrîn sind aufrecht

„Wir sind aus Efrîn geflohen und hierhergekommen“, erklärt Ibişim weiter, „Wenn wir als Frauen über keine starke Organisierung verfügt hätten, dann hätten wir uns wie die Tausenden anderen Frauen in Syrien zerstreut und wären verschwunden. Unsere organisierte Struktur und unsere Einheit hat es möglich gemacht, dass wir uns wieder sammeln. Wir als Frauen haben uns gegenseitig verteidigt. Dass die Frauen in Rojava nicht gebrochen wurden, liegt daran, dass sie mit der Philosophie des Vorsitzenden Apo aufgewachsen ist. Die Frauen von Efrîn stehen aufrecht. Es waren auch die Frauen im Efrîn-Widerstand, welche bis zum Ende Widerstand geleistet und keine Kapitulation akzeptiert haben, sie haben niemals aufgegeben.“

Efrîn zu verlassen, war nicht leicht

Sie berichtet, wie schwer es war, Efrîn zu verlassen: „Wenn du dich umdrehst und zurückblickst, dann siehst du wie dein Land und deine Stadt geplündert wird. Es war so, als hätte unser Land uns gerufen. Es zu verlassen, war sehr schwer.“

In Şehba angekommen haben die Frauen wieder ihr eigenes System aufgebaut und zuerst die Selbstverteidigung organisiert. Ibişim betont: „Natürlich haben wir sehr gelitten, wir waren an der Seite jeder Frau, die gelitten hat, und haben ihren Schmerz geteilt.“

Die Organisierung von Frauen

Eine besondere Bedeutung im Rahmen der Organisierung liegt auf der Bildung, sagt Ibişim und führt aus: „Wenn eine Frau sich bildet, wenn sie ihre eigene Realität kennenlernt, wenn sie an der Politik teilnimmt, kann sie sich auch selbst verteidigen. Wir haben in Şehba zunächst unsere eigenen Kommunen aufgebaut. In diesen Kommunen haben wir alle Komitees, vorrangig aber Gerechtigkeits-, Verteidigungs- und Bildungskomitees aufgebaut. Das, was der Feind im Moment am dringendsten möchte, ist, unsere Camps zerschlagen. Deswegen arbeiten wir als Frauen in unseren Camps am Aufbau unserer Organisierung und der Stärkung unserer Einheit. Je stärker unsere Organisierung ist, desto geringer sind die Möglichkeiten des Feindes.“

Darüber hinaus gibt es Projekte, welche die Frauen in den Camps in Arbeit bringen und für ihr ökonomisches Auskommen sorgen. Leyla Ibişim schließt mit den Worten: „Als Frauen werden wir unsere Organisierung niemals aufgeben. Unser Ziel ist es, dort wo Frauen sind, sie zu erreichen und in eine organisierte Lage zu versetzen. Wenn wir das tun, dann werden wir auch die Frauen unter der Besatzung in Efrîn befreien.“

Ayn Isa: Frauenhaus lindert Wunden der Männergewalt

Fast zehntausend Frauen, die in Syrien vom IS, vom türkischen Staat, seinen Milizen oder dem Regime Gewalt erfahren haben, werden vom Frauenhaus im Camp von Ayn Isa versorgt.

ANF / AYN ISA, 23. Nov. 2018.

Der 25. November, der Tag gegen Gewalt an Frauen, nähert sich. Eine der Regionen, in denen Frauen in den vergangenen sieben Jahren zum Ziel jeglicher Form von Gewalt geworden sind ist Syrien. Im Krieg erleben Frauen tagtäglich physische, sexualisierte und psychische Gewalt.

Die Frauenverteidigungseinheiten (YPJ) haben in Rojava begonnen und den Widerstand gegen jede Form von Gewalt angeführt. Unter ihrer Führung wurden große Teile Nord- und Ostsyriens befreit, und sie sind zu einer großen Frauenarmee geworden. Die Gewalt der Gruppen, die unter dem Namen des IS, der FSA agieren, sowie des Regimes und des türkischen Staates gegen Frauen kennt keine Grenze. Durch den von den YPJ angeführten Kampf wurde Rojava und Nordsyrien zum Fluchtpunkt für viele Frauen aus ganz Syrien.

Zehntausend Frauen sind ins Camp für Frauen und Kinder gekommen

Während sich Tausende Frauen dem Kampf in den Reihen der YPJ angeschlossen haben, leben ebenfalls viele tausend Frauen in den Camps in Nord- und Ostsyrien. Eines dieser Camps liegt in Ayn Isa. Dort leben mehr als 10.000 Frauen und Kinder aus verschiedenen Orten des Iraks und Syriens. Sie sind vor der Gewalt und dem Tod nach Ayn Isa geflohen.

Der Zivilrat von Raqqa hat im Ayn-Isa-Camp ein Frauenhaus eingerichtet und versucht dort, die Probleme der Frauen zu lösen. Bûşra Ayaş aus der Leitung des Frauenhauses des Camps berichtet, dass der größte Teil der Frauen zuvor zum Ziel von allen möglichen Formen von Gewalt geworden sind.

Es handelt sich dabei nicht nur um körperliche Gewalt …“

Ayaş erklärt, der größte Teil der Frauen im Camp habe traumatische Episoden erlebt und fährt fort: „Die Frauen haben im Krieg nicht nur körperliche, sondern auch psychische, sexualisierte und alle möglichen anderen Formen von Gewalt erfahren. Die schlimmste Gewalt gegen Frauen fand in dieser Region statt … Es war wie zu Zeiten der Barbarei. So begrub man damals auch Frauen lebendig oder steinigte sie zu Tode. Das ist die schlimmste Gewalt. Heute findet diese Gewalt in anderer Form statt, aber sie findet statt. Wie der türkische Staat die Körper von [gefallenen und gefangenen] Frauen ausstellt ist dafür ein Beispiel.“

Wir helfen ihnen für ihre Zukunft“

Ayaş berichtet, dass im Camp 3.115 Frauen aus Raqqa, 8.073 Frauen aus Deir ez-Zor, 1.056 aus Aleppo, 48 aus Idlib, 64 aus Hama, 162 aus Homs und 518 Frauen aus dem Irak im Camp psychologisch, rechtlich, materiell, moralisch und in Hinsicht auf Bildung unterstützt werden und fügt hinzu: „Während wir uns hier darum bemühen, die Wunden, die Männergewalt von allen Seiten den Frauen zugefügt hat zu lindern, versuchen wir andererseits auch die Frauen dabei zu unterstützen, sich eine Zukunft aufzubauen.“

Benedetta Argentieri: Rojava hat mich verändert

Die italienische Journalistin und Macherin des Films „I am the Revolution“ sprach im YÖP-Interview darüber, wie sich ihre Reise nach Rojava auf ihr Leben ausgewirkt hat. Von der Revolution habe sie viel gelernt, insbesondere menschliche Verbundenheit.

ANF / REDAKTION, 20. Nov. 2018.

Die von Frauen geführte Revolution in Rojava beeinflusst auch weiterhin das Leben von Menschen und Gesellschaften, die in weiter Ferne leben. Zu diesen Menschen zählt auch die italienische Journalistin und Filmemacherin Benedetta Argentieri. Ihre Suche nach dem, was Sinn und Bedeutung im Leben gibt, führte die in New York lebende Argentieri ab 2013 nach Rojava. Danach drehte sie die Filme „Çapulcu – Voices from Gezi“, „Our War“ und den Dokumentarfilm „I am the Revolution“. Im Gespräch mit Rewşan Deniz von der Zeitung Yeni Özgür Politika sprach Benedetta Argentieri darüber, wie sich ihre Reise in den Mittleren Osten auf ihr Leben ausgewirkt hat und über ihr Werk „I am the Revolution“, das letzte Woche in New York seine Premiere feierte.

Wer ist Benedetta und was brachte sie nach Kurdistan?

Seit fünf Jahren arbeite ich in Kriegsgebieten, insbesondere in Rojava, Syrien und im Irak. Ich war bereits mehrfach in diesen Ländern, um verschiedene Geschichten zu erfahren. Meine erste bedeutende Reise war im Jahr 2013. Zuerst ging ich in die Berge, und anschließend nach Rojava. Diese Reise hatte einen wichtigen Einfluss auf meine Persönlichkeit. Natürlich hat sich mich auch beruflich beeinflusst, da ich an diesen Orten einen neuen Sinn und neue Erlebnisse suchte.

Galten die Besuche deiner journalistischen Tätigkeit oder ging es um Filmprojekte?

Meine erste Reise hatte mit meiner Arbeit als Journalistin zu tun, ich schrieb mehrere Artikel. Bei einer anderen Reise ging es um den Film „Our War“, der von drei Freiwilligen handelt, die sich den YPG angeschlossen haben. Sie alle sind von Grund auf verschieden; einer ist Italiener, der andere Schwede und der dritte ein US-Amerikaner. Mit diesem Film wollte ich der Öffentlichkeit verständlich machen, warum diese Ausländer zu den YPG gingen und was sie tun wollten. Und welche Auswirkungen diese Erfahrung auf sie hatte.

Kommen wir zu dem neuen Dokumentarfilm „I am the Revolution“. Wie kam es zu dieser Idee?

Ich wollte mich mehr mit der Frauenfrage beschäftigen. Erst recht, nachdem ich Bemühungen der Mainstream-Medien wahrnahm, in der die Situation der Frauen und ihr Kampf verallgemeinert wurden. Die Mainstream-Medien priorisierten Bilder von Frauen mit Kindern an der hinteren Front, in einer Wolke aus Staub und Dreck. In Berichten zu Guerillakämpferinnen oder den YPJ-Kämpferinnen wurde immer festgehalten, wie sexy sie doch seien. Es hieß immer: ‚Schaut euch diese sexy Frauen an‘. Diese Art von Berichterstattung war darauf ausgerichtet, den Frauenbefreiungskampf zu simplifizieren. Deshalb habe ich mich entschlossen, mit meiner Arbeit die wahre Seite vom Kampf der Frauen zu zeigen. Außerdem wollte ich zeigen, dass sich die Revolution von Rojava auf den gesamten Mittleren Osten ausdehnt. Diese Revolution ist nicht nur nach innen gerichtet, sondern übergreifend auf Frauen in allen Ländern des Mittleren Ostens.  Aus diesem Grund wollte ich die Frauen im Irak und in Afghanistan gemeinsam mit den Frauen in Rojava zeigen, damit wir die Unterschiede erkennen können. So werden die Konflikte auch für uns deutlich. Kurzum ging es mir darum zu zeigen, dass es sich nicht lediglich um ein paar Frauen handelt, die mit dem Gewehr über der Schulter gegen den Islamischen Staat kämpfen. Der Kampf gegen den IS ist nur eine Seite. Das Wesentliche im Kampf dieser Frauen ist, dass es sich um eine vielseitige Frauenrevolution handelt.

Hattest du dich bis zu diesem Punkt mehr mit dem Irak und anderen Regionen beschäftigt oder wie kam das Interesse für Rojava?

Ja und nein. Genau genommen interessierte ich mich für Rojava und hatte bereits auch schon zu dem Thema recherchiert. In Italien hatte ich ein Studium in Journalismus abgeschlossen und interessierte mich für soziale Unruhen und Probleme. Dann machte ich im Jahr 2014 einen Film über die Gezi-Proteste („Çapulcu – Voices from Gezi“) und lernte viele Kurden kennen. Später ging ich in die USA und machte einen Master in Journalismus und Politikwissenschaften. Hier traf ich viele Eziden. Mein Interesse wuchs und ich wollte verstehen, was in Şengal vor sich ging, also reiste ich öfter dorthin. Meine Neugierde für den Mittleren Osten begann also mit den Kurden und breitete sich dann auf die anderen Regionen aus.

Was ist die Botschaft deines Films?

Ich habe verschiedene Ziele. Im Vordergrund steht aber, dass ich die Darstellung von Frauen im öffentlichen Diskurs verändern möchte. Alle drei Protagonistinnen – Rojda Felat, Yanar Mohammed und Selay Ghaffar – sind nicht lediglich individuelle Heldinnen, sondern Repräsentantinnen einer Bewegung. Sie können ihren Kampf nicht führen, ohne die weibliche Gesellschaft hinter sich zu haben. Eine andere Sache ist das Thema Empowerment von Frauen und die Frage, wie Frauen in politischer Hinsicht gestärkt werden können. Eine Antwort darauf ist der Weg zur Bildung. Bildung ist äußerst wichtig, da man mit anderen eine Verbindung aufbaut und dadurch stärker wird.

Alle drei Frauen wollen ein Ergebnis erzielen. Es geht nicht unbedingt um eine Lösung, aber sie wollen gemeinsam mit Männern kämpfen. Das ist ein äußerst wichtiger Punkt. Insbesondere in mittelöstlichen Gesellschaften wird Feminismus als diskriminierend angesehen. Beim Feminismus geht es jedoch darum, eine gemeinsame Lösung zu finden, die bei der Frau beginnt. Aber um eine neue Politik zu veranschaulichen,ist es schließlich doch nötig, mit Männern zu arbeiten, um bestimmten Dingen ein Ende setzen zu können.

Hältst du das für eine Revolution? Was ist deiner Meinung nach Revolution?

Ja, ich unterhalte mich manchmal auch mit den kurdischen Frauen darüber. Der Begriff Revolution wurde so dermaßen ausgenutzt, dass er jetzt quasi bedeutungslos ist. Mein Film trägt aus einem ganz einfachen Grund den Titel „I am the Revolution“. Auf der ersten Demonstration in Bagdad riefen die Frauen die Parole: „Ich bin eine Frau, ich bin die Revolution”. Sie wollten damit sagen, dass jede von ihnen eine Revolution sein kann. Revolution ist weder etwas, das in weiter Ferne liegt noch etwas, das unerreichbar ist. Also was ist die Botschaft? Wenn Sie eine Frau unterstützen, so tun Sie etwas revolutionäres. Sprechen Sie mit Frauen beispielsweise über Menschenrechte oder unterstützen Sie sie in einer Situation, in der sie Hilfe benötigen. Dies ist nämlich ein revolutionärer Akt. Auf diese Weise kämpfen wir auch dafür, dem Begriff Revolution einen neuen Sinn zu verleihen.

Für dieses Projekt bist du in drei verschiedene Länder gereist und wurdest Zeugin vom täglichen Leben und dem Kampf der Frauen. Was kannst du uns darüber erzählen, was hast du gesehen?

Das erste Mal war ich 2014 in Rojava. Zwei Jahre später reiste ich noch mal hin, zuletzt war ich 2017 dort. Ich habe den Wandel gesehen und was mich am meisten überzeugt und meine Ansicht geprägt hat, ist der Punkt, wie eine Gesellschaft zu ihrer politischen Theorie gelangt. Ich war wirklich schockiert über die Bedingungen, unter denen Frauen in Afghanistan leben. Im Vergleich zu den beiden anderen Ländern haben es die Frauen in Afghanistan am schwersten. Zum Beispiel sind 86 Prozent der Frauen Analphabetinnen, gleichzeitig habe ich aber eine großartige Gemeinschaft um Selay Ghaffar gesehen. Und diese Frauen wollen wirklich kämpfen. Warum wollen sie es? Weil sie die Frauen von Kobanê gesehen haben. Die Frauen Kobanês haben ihnen die Augen geöffnet. Sie wissen jetzt, dass sie Teil der Veränderung sein können.

Natürlich gibt es auch im Irak enorme Probleme, sogenannte Ehrenmorde und Gesetze, die lediglich der Unterdrückung von Frauen dienen. Aber mit dem neuen Bewusstsein werden sie die Situation verändern können, den Frauen helfen und sie politisch stärken. Dies erfordert einen langfristigen Prozess. In Rojava ist es natürlich anders, denn wenn du über die Kontrolle eines Ortes verfügst, ist es natürlich einfacher, Frauen zu unterstützen. Im Irak und in Afghanistan werden Frauen von der Staatsmentalität kontrolliert. Aber die Frauen in diesen drei Ländern können sich gegenseitig helfen und Ideen austauschen.

Hattest du Vorurteile, als du in den Mittleren Osten gereist bist?

Ich glaube nicht, dass ich Vorurteile hatte. So eine Person bin ich nicht. Ich informiere mich so gut es geht und hole mir immer mehr als eine Meinung ein.

Die Wahrheit ist variabel. Aber natürlich glaube ich, dass es in Bezug auf die Frauen im Mittleren Osten Vorurteile gibt. Zum Beispiel der Aberglaube, dass alle Frauen des Mittleren Ostens Opfer seien, die für die Verteidigung ihrer Rechte auf Männer angewiesen sind. Mein Standpunkt ist folgender; meinen Job habe ich nicht gewechselt, aber oft den Ort, an dem ich arbeite. Meine Arbeit spiegelt sich einfach in meiner Perspektive wider. Von der Frauenbewegung Rojavas habe ich sehr viel gelernt, insbesondere hinsichtlich der gemeinsamen Arbeit, der Verbundenheit zueinander und wie man Beziehungen knüpft. Und auch wie man Selbstkritik übt. Das, was mir an der kurdischen Freiheitsbewegung am meisten gefällt, fehlt den Frauen in der westlichen Gesellschaft. Was ist das? Menschen sollten gut zueinander sein, sie sollten sich gegenseitig schützen. Die kurdische Freiheitsbewegung betrachtet den Menschen nicht als Feind, es ist das System, das aus Menschen Feinde macht. Es gibt ein lateinisches Sprichwort, das lautet: „Mors tua, vita mia”. Es bedeutet „Dein Tod ist mein Leben”, was soviel bedeutet wie ‚Dein Verlust ist mein Gewinn’. Das System verlangt von uns, extrem individualistisch zu sein.

Eine andere Sache, die ich zum Thema Rojava sagen möchte ist, dass es mich wirklich verändert hat. Vor allem in meiner Beziehung zu Frauen und meiner Loyalität.

Nun möchte ich solche Beziehungen in meiner eigenen kleinen Gemeinschaft entwickeln. Sich gegenseitig zu kritisieren ist gut, Selbstkritik ist auch gut, aber die Menschen müssen gut im Umgang miteinander sein. Sie müssen wie Schwestern sein und sich stets gegenseitig schützen. In dieser Hinsicht war Rojava sehr bedeutend für mich.

Zurück zu deiner Dokumentation: Gab es Schwierigkeiten, mit denen du konfrontiert wurdest? Wie war deine Gefühlswelt während des Drehs?

Diesen Dokumentarfilm über Frauen haben Frauen für Frauen gemacht. Zum ersten Mal habe ich mit einem rein weiblichen Team zusammengearbeitet. Ich glaube, dass es an der Wirkung lag, die Rojava auf mich hatte. In vielerlei Hinsicht war es allerdings schwierig, insbesondere politisch ausreichend professionelle Frauen zu finden. Ein anderes Problem war, die Crew in ein Kriegsgebiet zu schicken damit sie tun, was wir wollten. ‚Geht nach Rojava und nehmt alle Risiken auf euch’ war das, was wir getan haben. Aber es war ein großartiges Projekt.

Wir haben direkt zwei verschiedene Versionen vorbereitet. Eine 72-minütige Version fürs Kino und eine weitere für das Fernsehen. Den Produzenten haben wir verdammt viel zu verdanken, deshalb haben wir auch die Variante für das TV gemacht. Wir hoffen, ihn verkaufen zu können. Für die Dokumentation werden noch die Untertitel in Kurdisch, Arabisch, Türkisch, Italienisch, Englisch, Französisch, Persisch, Paschtu und Dari vorbereitet. Es gab viele Schwierigkeiten, aber ich bin froh, dass der Film endlich gezeigt werden kann und Kritiken zu unserem Projekt zum Ausdruck gebracht werden, egal ob positiv oder negativ.

Film-Kommune von Rojava: Alternative zum elitären Kino

Alberto Garcia ist Mitglied der Film-Kommune von Rojava. García erklärt, Ziel sei es entgegen dem „elitären Kino ein populäres Kino, in dem sich die Menschen aus den verschiedenen Regionen ihre Geschichte einander erzählen“ zu schaffen.

ERSİN ÇAKSU / KOBANÊ, 21. Nov. 2018.

Zuletzt hatte die Film-Kommune von Rojava das siebentägige Filmfestival Kobanê veranstaltet. Wir sprachen mit Alberto García von der Filmkommune über das Filmfestival und den Aufbau einer alternativen Form von Film und Kino. Kino hat in der Familiengeschichte Garcías Tradition. Bereits sein Vater nahm während der kubanischen Revolution am Aufbau der Cineastischen Akademie von Kuba teil. García erklärt, Ziel sei es entgegen dem „elitären Kino ein populäres Kino, in dem sich die Menschen aus den verschiedenen Regionen ihre Geschichte einander erzählen“ zu schaffen.

Es war logisch, das Festival in einer Stadt mit solcher symbolischen Bedeutung zu veranstalten“

García sagt, es sei logisch gewesen das Festival in einer Stadt mit solcher symbolischen Bedeutung wie Kobanê zu veranstalten. Zum Festival erzählt er: „Wir sind über den insgesamt erfolgreichen Ablauf des Festivals glücklich. Es ist sehr schön gewesen ein Festival in einer Stadt, die zum Symbol des Widerstands gegen den IS geworden ist und jetzt im Moment gegen die Angriffe der Türkei Widerstand leistet, in Kobanê dieses Fest zu veranstalten. Wir haben an vielen Orten Vorführungen durchgeführt. Sie fanden in Ayn Isa, Şehba, Şengal, Mexmûr und vielen verschiedenen Flüchtlingslagern statt.“

Was für ein Kino?

García fährt fort: „An den Vorführungen nahmen Junge, Alte, Männer und Frauen teil. Sie waren gut besucht und es gab überall ein großes Interesse. Es war ja auch unser Ziel, dass Kino nicht elitär sein soll und die Teilnahme ist ein Ausdruck dessen. Kino ist etwas aus dem Leben. Es macht das Leben zum Thema. Es sollte darauf fokussiert sein, den Menschen die Gelegenheit zu geben, sich einander und ihre Geschichten kennenzulernen und eine gute Zeit zu verbringen. In diesem Sinne war es ein sehr buntes Festival. Es gab sehr viele Filme und Dokumentationen aus verschiedenen Ländern auf der Welt zu verschiedenen Themen. Werke aus Mexiko, Ecuador, Brasilien, den Philippinen, Südafrika, Spanien, Frankreich, Russland, Marokko, Palästina und vielen anderen Länder gaben dem Festival ihre Note. Ich denke, es handelte sich auch um einen großen Erfahrungsaustausch.“

 

Behinderungen gegenüber den Regisseur*innen und der Jury an der Grenze

García wies auch darauf hin, dass viele Regisseur*innen und Jury-Mitglieder aufgrund des Embargos über Rojava und Nordsyrien nicht einreisen konnten. So berichtet er: „Auf dem Festival gab es manche technischen Probleme. So konnten viele Mitglieder unserer Jury und Regisseur*innen aufgrund der Schwierigkeiten in Südkurdistan nicht am Festival teilnehmen. Wir haben dann mit der Jury über die Filme per Internet kommuniziert. Denn jedes unserer Jury-Mitglieder kam aus einem anderen Land. Aus Kuba, Spanien, Frankreich, Island und Palästina. Aber ich denke es war dennoch ein wertvoller Erfahrungsaustausch.“

In den Fußstapfen des Vaters

Alberto García beschreibt die persönliche Bedeutung des Festivals für ihn: „Dieses Festival hat für mich eine ganz besondere Bedeutung. Ich bis sehr zufrieden hier ein Teil der Arbeiten zu sein. Denn mein Vater war Teil der Cineastischen Akademie von Kuba und er engagierte sich stark für das revolutionäre Kino. Er hat besonders viel für den kulturellen Austausch zwischen Spanien und Kuba geleistet. Ich bin heute sehr glücklich, dass ich mich hier im Kulturaustausch von Rojava mit Spanien und den anderen Ländern engagieren kann. Ich bin davon überzeugt, dass das Festival in den kommenden Jahren ein noch größeres Echo finden wird.“

60 Prozent der Filme waren Frauenfilme“

Savinaz Evdiko, ebenfalls Mitglied des Vorbereitungskomitees des Festivals, wies auf die vielen Filme von Regisseurinnen aus Frauenperspektive hin und sagte: „Beim Internationalen Filmfestival Kobanê fielen insbesondere die Frauenfilme auf. Sechzig Prozent der Filme waren Frauenfilme von Regisseurinnen. Es gab viele Frauenfilme aus verschiedenen Ländern. Das war für uns auch eine Erfahrung in Bezug auf Filme mit Frauenperspektive. Es hat uns geholfen, Wissen über die Frauenperspektiven an verschiedenen Orten der Welt zu erfahren.“

Eine wichtige Erfahrung

Evdiko weiter: „Innerhalb eines Monats erreichten uns 600 Filme verschiedener Genres und unterschiedlicher Thematik. Wir haben einen Schwerpunkt auf die Filme mit Frauenperspektive gelegt. Die haben wir vorgezogen. Es gibt sehr viele Frauenfilme aus Lateinamerika, Spanien, dem Libanon, Rojava, Südkurdistan und dem Iran. Das war eine gute Erfahrung. Innerhalb von sieben Tagen zeigten wir die Filme an verschiedenen Orten. Die Teilnahme war gut. Ich kann sagen, dass sich das Interesse in den kommenden Jahren noch verstärken wird.“

Frauendorf JINWAR öffnet am 25. November

Das Frauendorf JINWAR in Nordsyrien wird nach zweijährigem Aufbau am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen offiziell eröffnet.

ANF / HESEKÊ, 22. Nov. 2018.

Seit zwei Jahren wird das Frauendorf JINWAR in Nordsyrien aufgebaut, am 25. November wird jetzt die Eröffnung gefeiert. In dem aus 30 Wohnhäusern bestehenden Dorf gibt es eine Grundschule, eine Akademie, ein Museum und eine Gesundheitsstation, in der natürliche Heilmethoden zur Anwendung kommen.

Alle Häuser im Dorf sind aus Lehmziegeln selbst erbaut. Das Leben im Dorf wird kollektiv organisiert. Bevorzugt aufgenommen werden Frauen, die ihre Angehörigen im Befreiungskampf verloren haben. Bewerbungen nimmt die Frauenbewegung Kongreya Star entgegen.

Für eine möglichst autarke Versorgung setzen die Dorfbewohnerinnen auf eigenen Gemüseanbau und Viehhaltung. Es gibt einen kleinen Laden und einen Lehmofen, in dem die Frauen ihr eigenes Brot backen. Mit der Zeit soll über die Selbstversorgung hinaus auch der Bedarf der umliegenden Dörfer gedeckt werden.

Bisher sind acht Frauen mit ihren Kindern ins Dorf gezogen. Gekocht und gegessen wird gemeinsam.

Eine der Frauen ist Fatma Derwiş. Sie ist 33 Jahre alt und hat sieben Kinder. Fatma stammt aus Şedadê im Kanton Hesekê. „Als mein Mann gefallen ist, konnte ich die Kinder nicht mehr versorgen“, erzählt sie, „Ich habe mich an das Frauenzentrum gewandt und dort wurde mir vorgeschlagen, nach JINWAR zu ziehen. So bin ich hier hergekommen. Ich bin sehr froh darüber. Das hier ist ein besonderer Ort. Im Dorf findet ein gemeinsames Leben statt. Die Frauen sind immer zusammen und ergänzen sich gegenseitig.“

Nujîn stammt aus Deutschland und ist bereits seit längerer Zeit in JINWAR. Sie ist Mitglied des Aufbaukomitees. „Unser Ziel war die Entstehung eines autonomen Frauendorfes, in dem kollektiv gelebt werden kann“, sagt sie.

Am 25. November, dem internationalen Kampftag gegen Gewalt an Frauen, wird das Frauendorf JINWAR offiziell eingeweiht.

Botschaft nach Kobanê von Ken Loach: Ihr seid inspirierend

In Kobanê hat am Dienstag das 1. Internationale Filmfestival begonnen. Auf der Eröffnung wurde eine Grußbotschaft des britischen Regisseurs und bekennenden Sozialisten Ken Loach verlesen.

ANF / KOBANÊ, 14. Nov. 2018.

In der nordsyrischen Stadt Kobanê hat am Dienstag das 1. Internationale Filmfestival Kobanê (KIFF) begonnen. An der Eröffnung im Kunst- und Kulturzentrum Baqî Xido nahmen zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der demokratisch-autonomen Selbstverwaltung, Regisseur*innen, Schauspieler*innen und Musikschaffende aus verschiedenen Ländern teil. Das von der Filmkommune Rojava (Komîna Fîlm a Rojava) ausgerichtete Festival wurde mit einer Grußbotschaft des linken britischen Regisseurs Ken Loach eröffnet.

In seiner Grußbotschaft erklärte der Macher von weltberühmten sozialkritischen und revolutionären Filmen wie „Land and Freedom“ über den spanischen Bürgerkrieg oder „The Wind That Shakes the Barley“ über den irischen Freiheitskampf: „Ich schicke Euch meine wärmsten Grüße und gratuliere Euch herzlich zu Eurem neuen Festival. Euer Werk, mit der Kraft des Kinos Menschen zusammenzubringen, im Angesicht der unaussprechlichen Grausamkeiten, die Ihr erlitten habt, ist wahrhaft inspirierend. Eure politischen Errungenschaften werden überall auf der Welt respektiert und es gibt viele, die Euch in ihren Herzen unterstützen, obwohl Ihr vielleicht niemals von ihnen erfahren werdet. Ich wünsche Euch viel Glück für das Festival dieses Jahr und ich bin sicher, dass es von Jahr zu Jahr stärker werden wird. In Freundschaft und Solidarität.“

80 Filme werden gezeigt

Mehr als 400 Einsendungen wurden für das 1. Internationale Filmfestival Kobanê eingereicht. Auf dem Festival in Gedenken an die Opfer des Kinobrandes von Amûdê werden 80 Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilme aus dem internationalen und kurdischen Kino gezeigt, die auch in Serêkaniyê, Amûdê, Qamişlo und Dêrik vorgeführt werden.

Frauenbildungsakademie in Aleppo eröffnet

Im Viertel Şêx Meqsûd in Aleppo wurde die Star-Akademie für Wissen und freies Denken eröffnet. Es handelt sich um die erste solche Akademie in Aleppo.

ANF / ALEPPO, 11. Nov. 2018.

Im Stadtviertel Şêx Meqsûd von Aleppo wurde vom Dachverband der Frauenorganisationen in Rojava, Kongreya Star, die erste Frauenbildungsakademie eröffnet. Zur Eröffnung der im Westen des Viertels gelegenen Akademie kamen Dutzende Frauen zusammen.

Nach einer Schweigeminute hielten zwei Aktivistinnen aus der Leitung von Kongreya Star, Heyfa Hesen und Delal Keno, Reden. Sie wiesen in ihren Ansprachen auf die Bedeutung der Frauenorganisierung und -bildung hin und riefen die Frauen auf, die Bildungsprogramme der Akademie zu nutzen.

Die Akademie wurde anschließen von Familien der Gefallenen eröffnet.

Aufbau der Frauenökonomie in Şêx Meqsûd

Der Dachverband der kurdischen Frauenbewegung Kongreya Star in Aleppo trägt mit der Entwicklung kleiner Frauenprojekte zum Aufbau einer autonomen Frauenökonomie bei. Im Moment bereitet die Bewegung eine Reihe neuer Projekte vor.

ANF / ALEPPO, 9. Nov. 2018.

Der Dachverband der kurdischen Frauenbewegung Kongreya Star in Aleppo hat bereits einige Projekte der im Rahmen der zweiten Gesamtkonferenz vom Juni getroffenen Entscheidungen zur Entwicklung der Frauenökonomie im Stadtviertel Şêx Meqsûd in Aleppo umgesetzt. Zunächst geht es um Grundfragen wie Rohmaterialien, Qualifikation der Arbeiterinnen und Handel.

In diesem Zusammenhang wurde eine Produktionsstätte für Reinigungsmittel mit dem Namen Kulîlka Çiya (Bergblume) gegründet, in der drei Frauen Reinigungsmittel produzieren und auf dem Markt des Viertels verkaufen.

Eine der Arbeiterinnen, Nêmîn Zênel, berichtet gegenüber der Nachrichtenagentur ANHA, wie sie vor wenigen Tagen den Laden eröffnet haben und für das Stadtviertel Reinigungsmittel produzieren. Außerdem verkaufen sie ihre Produkte an ein Depot für getrocknete Lebensmittel im Viertel und viele Lokale in der Stadt.

Ein weiteres Projekt ist eine Bäckerei, die von acht Frauen betrieben wird und in der die berühmten Süßigkeiten Syriens produziert werden. Die Mitarbeiterin Orîvan Mihemed sagt, dass sie aufgrund ihrer Tätigkeit nun zur Ökonomie zu Hause beitragen können und betont: „Wir wollen, dass sich solche Projekte entwickeln und verbreiten. Das wäre ein großer Gewinn für das gesamte Stadtviertel.“

Das Ökonomiekomitee von Kongreya Star arbeitet ebenfalls daran, diese kooperativen Projekte auszuweiten. ANHA sprach dazu mit Nehla Mistefa aus der Leitung von Kongreya Star. Sie wies darauf hin, dass auf der Konferenz insbesondere zur Frauenökonomie eine Serie von Entscheidungen getroffen worden ist.

„Die Frauen von Şêx Meqsûd haben aufgrund des Kriegs große Schwierigkeiten erlebt. Sie haben insbesondere im ökonomischen Bereich viele Probleme. Aber durch die heute entwickelten Projekte versuchen sie, ihre eigene Ökonomie zu entwickeln“, erklärt Nehla Mistefa. Sie kündigte die Eröffnung weiterer Projekte in den nächsten Tagen auch im Viertel Eşrefiyê an.

Şengal: „Wille der Eziden soll respektiert werden“

Organisationen in Şengal haben ein weiteres Mal gegen den früher von der PDK kontrollierten Şengal-Rat und den ehemaligen Landrat protestiert und Forderungen gegenüber dem Irak erhoben.

ANF / ŞENGAL, 9. Nov. 2018.

An der vom Demokratisch-Autonomen Rat von Şengal organisierten Demonstration gegen die Einsetzung der alten PDK-Verwaltung haben heute viele Mitglieder der ezidischen Organisationen in der Şengal-Region teilgenommen. Angeführt wurde die Demonstration von einer Delegation der Şengal-Allianz und begann vor dem Gebäude des Volksrats von Sinune. Die Teilnehmer*innen, viele von ihnen Überlebende des Genozids an der ezidischen Bevölkerung vor vier Jahren, der erst durch den fluchtartigen Rückzug der PDK-Peschmerga möglich geworden war, riefen: „Es lebe Êzîdxan, Tod dem Verrat.“ Die Demonstration zog durch die Hauptstraßen von Sinune, wo sie in einer Kundgebung endete.


Dort wurde auch eine Erklärung vorgetragen, in der es unter anderem hieß: „Alle wissen es; die Völker in Şengal haben weder administrative, noch politische Rechte bezüglich ihrer eigenen Versorgung. Und alle wissen ebenso, dass das ezidische Volk 73 Massenmorde überlebt hat. Wir schützen die Menschenrechte und kämpfen für eben diese. Wir kämpfen dafür, dass diejenigen, die für die Entführung und Ermordung von vielen Ezid*innen verantwortlich sind, vor Gericht gestellt werden.“

Forderungen

In der Erklärung wurden folgende Forderungen an die irakische Regierung und die verantwortlichen Personen gerichtet:

„Wir sagen nein zur Rückkehr der alten Şengal-Verwaltung, die durch Barzanîs Şengal-Politik den 73. Massenmord verursachte.

Als Menschen von Şengal wollen wir uns selbst verwalten. Wir akzeptieren nicht, dass andere unser Volk vertreten.

Wir richten uns an die föderale Regierung und an die Menschenrechtsinstitutionen: Die Menschen von Şengal sollen am Şengal-Rat teilnehmen können.

Wir appellieren an die Menschenrechtsorganisationen und die verantwortlichen Stellen. Die politischen Pläne für Şengal müssen sofort fallengelassen und dem Willen der ezidischen Bevölkerung Respekt gezollt werden.“