Start zum Grossangriff

ANF 13.3.2016 Start zum Grossangriff auf Nusaybin, Sirnak und Yüksekova
Für Yüksekova gilt heute ab 22 Uhr, für Nusaybin ab 24 Uhr das Ausgehverbot. Seit Wochen gehen die türkischen Streitkräfte in Stellung und beschiessen punktuell die selbstverwalteten und selbstverteidigten Stadtviertel. Vor zwei Tagen hat der türkische Innenminister eine entsprechende Ankündigung gemacht, und jetzt wird mit der Ausrufung des Ausgehverbots der Generalangriff erwartet.

ÜBER DIE TÜRKEIPOLITIK DER EU – DIE ROLLE DER BRD

Murat Çakır

Just in den Tagen, in denen vor den Augen der Weltöffentlichkeit kurdische Ortschaften von türkischem Militär und Spezialeinheiten der Polizei umlagert, dem Erdboden gleichgemacht, Zivilist*innen – vor allem Kinder und Frauen – auf offener Straße hingerichtet wurden und der schmutzige Krieg der Herrschenden in der Türkei eine neue Eskalationsstufe erreichte, fanden in Berlin und Brüssel zwei wichtige Ereignisse statt.

In Berlin war es eine Premiere: Erstmals fanden deutsch-türkische Regierungskonsultationen statt. Bundeskanzlerin Merkel empfing ihren türkischen Kollegen Davutoğlu mit allen militärischen Ehren und sie ließen ihre Minister*innen zusammenkommen. Offensichtlich war es der Bundesregierung, die derzeit in der Flüchtlingsfrage unter Druck steht, wichtig, die besondere »Wertschätzung« gegenüber der Türkei öffentlichkeitswirksam hervorzuheben. Zwar warfen gehässige Mäuler der Bundeskanzlerin vor, sie würde »einen schmutzigen Deal« eingehen, der einem »Kniefall vor dem Despoten Erdoğan« gleiche, aber in den bürgerlichen Medien fanden die »Konsultationen« weitgehend ein positives Echo. Immerhin wird von der Türkei erwartet, dass sie zukünftigen Flüchtlingsströmen einen Riegel vorschiebt und somit Europa von dem Druck der »Verdammten dieser Erde« befreit. Das ist der EU mindestens 3,5 Mrd. Euro sowie wohlwollende politische Unterstützung wert. „ÜBER DIE TÜRKEIPOLITIK DER EU – DIE ROLLE DER BRD“ weiterlesen

Serkeftin! War Cizre wie Rojava?

Published by ISKU on 1. März 2016

von ARZU DEMİR

Als ich Mehmet Tunç und Asya Yüksel, die beiden Co-Vorsitzenden des Volksrates von Cizîr (Cizre), zum ersten Mal begegnete, war Cizîr noch nicht so zerstört, die Menschlichkeit noch nicht so mit Füßen getreten worden. Es war noch nicht so mit Blut getränkt, die Schande noch nicht so unermesslich.

Es gab schon Schutzwälle in Stadtteilen von Cizîr. Aber auf ihnen lag kein Blut, Sie waren da, aber um sie rum war auch das Leben, der Alltag  von Cizîr.

Die Wintersonne schien auf die Straßen, die Läden waren geöffnet, Frauen saßen vor den Häusern ins Gespräch vertieft, Kinder spielten bei den Schutzwällen Fußball. Wenn man an den Häusern vorbei ging, konnte man den Duft von frisch gebackenem Brot vernehmen.

Während die Schäden der vorherigen Blockade (des türkischen Militärs) repariert wurden, standen die Jugendlichen bereit zur Verteidigung. Damals schrieb ich: „In Cizîr ist Leben“. „Serkeftin! War Cizre wie Rojava?“ weiterlesen

Augenzeugin berichtet, was mit den Menschen in den Kellern von Cizîr geschah

Angriffe auf Girê Spî und die Verstrickung der Türkei mit dem IS

In der Nacht von Freitag, dem 26. auf Samstag, den 27. Februar kam es zu mehreren großen Angriffen des IS auf die von der YPG und YPJ verteidigten Stadt Girê Spî (Tal Abyad). Die Stadt liegt nördlich von der Hauptstadt des IS, Rakka. Laut Augenzeugenberichten fanden die IS-Angreifer Zugang zu Girê Spî über Wege, die ihnen das türkische Militär öffnete. Türkische Soldaten unterstützten den Angriff des IS, indem sie Stellungen der YPG und SDF sowie Dörfer südlich von Girê Spî mit schwerer Artillerie beschossen. Weiteren Berichten zu folge, stationierten die Türkei Panzer in der Grenzregion. Der IS greift die Stadt aus zwei Richtungen an: So kamen mehrere Angriffswellen aus Richtung Süden, auch aus der Türkei kam es zu Angriffen des IS. Ein Hauptziel war das Krankenhaus in der Stadt. „Angriffe auf Girê Spî und die Verstrickung der Türkei mit dem IS“ weiterlesen

“Ergebt Euch!” – ANF 22.2.16

Kommentar von Selahattin Erdem, zusammengefasst von IS.

Man stelle sich vor: In Cizre hatten und in Sur haben sich Dutzende von Menschen in verschiedene Keller geflüchtet vor den Dauer-Bombardements der türkischen Streitkräfte. Die meisten Versteckten sind verwundet; manche sind schon gestorben. Es gibt kein Wasser. Über den Notruf werden Krankenwagen angefordert. Stattdessen nähern sich schwerbewaffnete Elite-Soldaten und rufen: “Ergebt Euch!”

Welchen Sinn soll das haben? „“Ergebt Euch!” – ANF 22.2.16“ weiterlesen

Nachrichten von der kurdischen Revolution, 13.-19.02.2016

ANF, bis 17.2.16

Am 10.2.16 bombardierte das Assad-Regime das Dorf Baschmera in Afrin.

Seit dem 12. beschießt (u.a. mit Streumunition) die türkische Armee vom türkischen Territorium aus die Orte Tell Rifat und Minaq. Diese waren zuvor unter Kontrolle der islamistischen Al Nusra und Ahrar Al Sham und sind zum Entsetzen der Türkei von den kurdischen YPG und der arabischen Dscheysch Al Suwar) befrerit worden.

Die beiden Dörfer Tschetel Sarete und Khirebike sind am 4. Februar von den QSD-Kämpfern aus der Hand der Islamistene befreit worden. Am 16. Februar wurde in einer Zeremonie das Bataillon ‘Schehit Berxwedan’ aus ortsansässigen arabischen und kurdischen Jugendlichen aufgestellt. An den Feierlichkeiten, die mit einem Halay-Tanz endeten, nahmen alle Dorfbewohner teil. „Nachrichten von der kurdischen Revolution, 13.-19.02.2016“ weiterlesen

ANF 19.2.16 Rojava: revolutionäres Erziehungswesen

Politik und Krieg im Nahen Osten spielen sich entlang von sprachlichen und konfessionellen Grenzen und Fronten ab.

Nicht so in Rojava: Hier wird die “Demokratische Nation” aufgebaut. Zum Beispiel durch ein muttersprachliches und zugleich multi-sprachliches und multi-kulturelles Schulsystem.

Morgen ist der “Internationale Tag der Mutterspracheder UNESCO. Aus diesem Anlass gab Zozan Cizire, Mitglied des “Komitees Erziehungswesen für eine demokratische Gesellschaft” von Rojava, ein Interview, aus dem wir interessante Auszüge wiedergeben: „ANF 19.2.16 Rojava: revolutionäres Erziehungswesen“ weiterlesen

ANF 18.2.16 Zum Attentat von Ankara

(Kommentar von Cahit Mervan, zusammengefasst von Ingo Speidel)

Wer steckt dahinter? Blitzschnell, die Toten lagen noch auf der Strasse, hatte man schon den Täter identifiziert: Salih Neccer, ein syrischer Kurde. Und auch wer dahinter steckt: Die PKK natürlich. Und PYD /YPG, die Partei und die Streitkräfte von Rojava. Keinerlei Beweise wurden vorgelegt, und die beschuldigten Organisationen dementierten sofort.

Erinnern wir uns: Einen Monat zuvor das Attentat von Istanbul, bei dem 10 Deutsche starben. Am selben Tag noch hatte Erdogan die Identität des Täters benannt: Nabril Fadli, 28-jähriger Syrer. Bis dessen Familie protestierte: Ihr Sohn war zuvor im Kampf gegen die YPG gefallen! De Maiziere vorsichtig: Beim Täter ist ein Personalausweis gefunden worden. Aber man weiss nicht, ob das sein eigener war.” „ANF 18.2.16 Zum Attentat von Ankara“ weiterlesen

ANF 7/9.2.16 Afrin: Revolutionäre Flüchtlingspolitik

Die Gegend von Afrin (mit dem gleichnamigen Hauptort) bildet mit 800.000 Einwohnern (davon die Hälfte im Krieg Zugewanderte) den kleinsten der drei autonomen Kantone von Rojava, dem nördlichen, hauptsächlich von Kurden bewohnten Streifen Syriens. Seit Anfang Februar bombardieren die Russen für Assad die Umgebung von Aleppo. Zehntausende sind auf der Flucht. Wohin? Die türkische Grenze ist 60 km entfernt – aber geschlossen. Also fliehen viele nach Afrin: 30.000 zählte man in den letzten beiden Wochen. Dabei steht dieser Kanton unter dem Embargo der Türkei und der islamistischen Al Nusra und Ahar-El-Sham.

Die “Regierung” des Kantons befasste sich auf ihrer wöchentlichen Sitzung am 6. Februar als Erstes mit dem Flüchtlingsproblem. Die “Minister” waren sich einig, dass für die Bedürfnisse der aus dem Norden Geflohenen alle Kräfte gebündelt werden müssen. “Die Zehntausende werden bestens empfangen; wir teilen unser Brot mit ihnen!” Die Ministerin für Gemeinschaftsaufgaben, Erifa Bekir: “Wir setzen alles dran, unsere geflohenen Landsleute in absoluter Selbstlosigkeit zu unterstützen.” „ANF 7/9.2.16 Afrin: Revolutionäre Flüchtlingspolitik“ weiterlesen