Tausende protestieren in Rojava gegen Einschränkung des Kurdischen
In Kobanê, Qamişlo und Girkê Legê gehen Tausende gegen die Einschränkung des kurdischsprachigen Unterrichts auf die Straße. Lehrkräfte, Schüler:innen und Eltern fordern Kurdisch als reguläre Unterrichtssprache.
In mehreren Städten von Rojava haben Tausende Menschen am Mittwochnachmittag gegen die geplante Einschränkung des kurdischsprachigen Unterrichts protestiert. In Kobanê, Qamişlo und Girkê Legê gingen Schüler:innen, Lehrkräfte und Eltern auf die Straße und forderten die Rücknahme der Entscheidung des Bildungsministeriums der syrischen Übergangsregierung. Besonders groß war die Mobilisierung in Kobanê. Tausende Menschen zogen vom Platz der Freien Frau zum Friedensplatz. Auf Transparenten standen Losungen wie „Şêrîn û xweş e zimanê Kurdî“ (Die kurdische Sprache ist schön und süß) und „Bê ziman jiyan nabe“ (Ohne Sprache kein Leben).
Das Bildungsministerium in Damaskus will den kurdischsprachigen Unterricht auf drei Wochenstunden beschränken. Damit würde ein Bildungssystem zurückgedrängt, in dem seit mehr als einem Jahrzehnt zahlreiche Fächer auf Kurdisch unterrichtet werden.
„Unsere Sprache ist unsere Existenz“
Die Kurdischlehrerin Meryem Abid erinnerte daran, dass die Möglichkeit, in der eigenen Sprache zu lernen, eine der zentralen Errungenschaften der Revolution in Rojava sei. „Seit 14 Jahren lernen wir in unserer eigenen Sprache, auf Kurdisch. Jetzt wollen sie mit dieser Entscheidung nur noch drei Stunden zulassen und das Kurdische durch Arabisch ersetzen.“ Gegen das Erlernen des Arabischen richte sich der Protest nicht. „Früher haben wir auf Arabisch gelernt und wir werden es auch weiterhin lernen, aber der Schwerpunkt wird auf Kurdisch liegen“, sagte Abid. Die eigene Sprache sei für die kurdische Gesellschaft eine rote Linie: „Sie ist unsere Existenz. Ohne Sprache können wir nicht leben.“
Auch Schüler:innen beteiligten sich an der Demonstration. Der Sechstklässler Dilovan Elo erklärte: „Ich bin Kurde und gehe zur Schule. Wir haben unsere Sprache, und das ist Kurdisch. Wir akzeptieren nicht, dass wir statt auf Kurdisch in einer anderen Sprache lernen sollen.“
Lehrerin kündigt Schulboykott an
Die Kurdischlehrerin Caklîn Şêx Xidor warf Damaskus vor, den Kindern erneut eine fremde Unterrichtssprache aufzuzwingen. Die Entwicklung des Kurdischen als Bildungs- und Unterrichtssprache sei das Ergebnis jahrelanger gesellschaftlicher Arbeit. „Nach diesem Erlass wird erneut versucht, einen sprachlichen Genozid durchzusetzen. Das ist nicht hinnehmbar“, sagte Şêx Xidor. Voraussetzung jeder Integration sei die verfassungsrechtliche Anerkennung der kurdischen Sprache in Syrien. Sollte die Entscheidung nicht zurückgenommen werden, kündigte sie Widerstand an: „Wenn dieser Beschluss nicht geändert wird, werden wir unsere Schulen nicht öffnen.“
Şêx Yihya Goraxlî erklärte ebenfalls, drei Kurdischstunden pro Woche seien nicht akzeptabel. Die kurdische Gesellschaft habe ihre Sprache über Generationen bewahrt und werde dies weiterhin tun.
Qamişlo
Protest auch in Qamişlo und Girkê Legê
In Qamişlo beteiligten sich Hunderte Schüler:innen, Eltern und Lehrkräfte an einer Demonstration der Volksinitiative. Der Protestzug führte vom Platz der Gefallenen zum Gebäude der Bildungsdirektion. In einer dort verlesenen Erklärung wurde auf das Integrationsabkommen vom 29. Januar verwiesen und betont, dass die Kurd:innen ein grundlegender Bestandteil Syriens seien. Die Demonstrierenden wandten sich zugleich gegen Versuche, kurdische Ortsnamen – darunter den Namen Kobanê – zu verändern, und erklärten Einschränkungen der kurdischen Sprache für nicht hinnehmbar.
Auch in Mustafaviye bei Girkê Legê versammelten sich Einwohner:innen und Schüler:innen vor einer Schule. In einer von Yasmin Ali verlesenen Erklärung wurde das syrische Bildungsministerium aufgefordert, seine Entscheidung zurückzunehmen. Die Demonstrierenden fordern, Kurdisch in den mehrheitlich kurdischen Gebieten nicht auf wenige Wochenstunden zu reduzieren, sondern als offizielle Unterrichtssprache für sämtliche Fächer anzuerkennen.
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