Novum im Mittleren Osten: Treffen der Stammesfrauen

Ein absolutes Novum stellt das Treffen der Stammesfrauen aus Raqqa, Tabqa, Deir ez-Zor und Minbic dar. Sie versammelten sich unter der Parole „Wir wurden eins und waren erfolgreich, durch Widerstand werden wir uns schützen.“

ANF / TABQA, 2. Sept. 2019.

Die Konferenz der Stammesfrauen stellt eine Premiere im Mittleren Osten dar. Auf Einladung der Frauenselbstverwaltungen von Raqqa, Tabqa, Deir ez-Zor und Minbic kamen etwa eintausend Frauen auf der Jabbar-Burg in Tabqa zusammen.

Wir werden eine bunte, demokratische Gesellschaft schaffen“

Henaa Derde war als Vertreterin der turkmenischen Frauen angereist. „Wir stärken die Basis des Zusammenlebens. Wir haben der ganzen Welt gezeigt, dass wir eine freie, gerechte und demokratische Gesellschaft aufbauen wollen. Wir sind zum Widerstand gegen alle jene bereit, die unsere Errungenschaften vernichten wollen. Als turkmenische Stämme werden wir an der Seite unserer Genossinnen eine bunte, demokratische Gesellschaft schaffen“, erklärte sie.

Unser Zusammenkommen ist Ausdruck des Erfolgs der Revolution“

Zahida Ihaq sprach im Namen der tscherkessischen Frauen aus Minbic. Sie betonte: „Nach jahrelangem Leid unter der Besatzung des Islamischen Staats ist unsere Region jetzt sicher. Die Frauen haben am meisten gelitten und haben nun ihren freien Willen deutlich gemacht. Dass wir hier zusammenkommen, unsere Einheit und unsere Liebe, sind Ausdruck des Erfolgs der Revolution. Der Widerstand, den wir in diesem Prozess mit dem freien Willen der Frau an den Tag legen, ist sehr wichtig im Kampf gegen den Feind.“

Am Ende der Konferenz wurde die Abschlusserklärung von Leyla al-Hassan vom Zivilrat von Deir ez-Zor vorgetragen.

Die Erklärung lautet:

„Als Frauen aus den arabischen Stämmen von Raqqa, Tabqa, Deir ez-Zor und Minbic verkünden wir, dass wir weltweit zum ersten Mal eine Konferenz der arabischen Stammesfrauen durchgeführt haben. Auf der Konferenz wurde über die Rolle von Frauen in den Stämmen und die Invasionsdrohungen der Türkei diskutiert. An dem Kongress nahmen circa eintausend Frauen aus ganz Nord- und Ostsyrien teil. Die Frauen betonten die territoriale Einheit Syriens und kündigten Widerstand gegen die Invasion an. Außerdem wurde über die Rolle von Frauen für den gesellschaftlichen Frieden und im Kampf gegen den Terror gesprochen.

Auf dieser Grundlage fordern die Frauen:

* Die internationale Gemeinschaft muss ihr Schweigen gegenüber der Besatzung von Efrîn, Bab, Azaz und Dscharablus durch den türkischen Staat und die dortigen Menschenrechtsverletzungen brechen.

* Die militärischen Kräfte unter dem Dach der autonomen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien müssen offiziell anerkannt werden.

* Die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) müssen als offizielle Verteidigungskraft der Region anerkannt werden.

* Es muss ein internationaler Gerichtshof zur Aburteilung der in Nord- und Ostsyrien gefangenen IS-Mitglieder in der Region eingerichtet werden.

* Die Frauenorganisationen und -bewegungen der Welt sollen den Kampf der Frauen in Nord- und Ostsyrien unterstützen.

* Die demokratischen Kräfte weltweit sollten eine klare Haltung gegen die Invasionsversuche der Türkei gegenüber Nord- und Ostsyrien zeigen.

* In der Roadmap für eine dauerhafte Lösung der Syrienkrise sollte die Rolle der Frau im Vordergrund stehen.

* Die Frauen haben bei der Befreiung von Nord- und Ostsyrien die größte Rolle gespielt und werden ihren Kampf bis zur Befreiung von ganz Syrien fortsetzen.“