Ida-Berge: Umweltwiderstand von Kurdistan bis an die Ägäis

Im westtürkischen Ida-Gebirge schürft ein Bergbau-Konzern nach Gold. Anwohner*innen leisten gemeinsam mit Aktivist*innen aus der ganzen Türkei und Kurdistan Widerstand gegen die Umweltzerstörung.

ANF / ÇANAKKALE, 13. Aug. 2019.

Im westtürkischen Ida-Gebirge schürft ein kanadischer Bergbau-Konzern nach Gold. Anwohner*innen leisten gemeinsam mit Aktivist*innen aus der ganzen Türkei und Kurdistan Widerstand gegen die Umweltzerstörung.

Der türkische Staat hat der kanadischen Firma Alamo Gold Inc. das Gelände und die Schürfrechte für 90 Millionen Dollar zur Verfügung gestellt, heißt es. Mit 4,5 Prozent sei die Türkei zudem an dem Goldertrag beteiligt. Die Dimension der 2017 begonnenen Rodung der Region wurde mit einem vor Kurzem veröffentlichtem Drohnen-Video deutlich. Das Video war in den letzten vierzehn Tagen millionenfach in den sozialen Medien geteilt worden. Es zeigt verwüstete Berghänge, umgewühlte Täler, nachhaltig zerstörte Umwelt. In den vergangenen zwei Jahren wurden Hundertausende Bäume vernichtet.

Seit 19 Tagen strömen Protestierende in die Berge

Seit 19 Tagen protestieren die Aktivist*innen. An der Mahnwache in der Provinz Çanakkale nehmen auch Vertreter*innen der Demokratischen Partei der Völker (HDP) und der Arbeiterpartei der Türkei (TİP) teil. Die Aktivist*innen sind entschlossen, den Widerstand fortzusetzen, bis der kanadische Goldkonzern aufgibt.

Bülent Yoldaş vom Demokratierat von Kadıköy erklärte auf der Mahnwache: „Es ist noch nicht zu spät für die Ida-Berge, Hasankeyf, den Munzur, Fatsa und Eskişehir, wir werden uns vereinen und gemeinsam Widerstand leisten. Zusammen werden wir gewinnen.“ Ekrem Akgül vom Solidaritätsverein IDA sagte, dass der Konzern 2017 mit dem Fällen der Bäume begonnen habe: „Wir haben den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit gesehen. Daher haben wir einen anderen Weg eingeschlagen und ein Camp errichtet. Der eigentliche Grund für das Camp ist es, einen Treffpunkt einzurichten. Soviel auch in den sozialen Medien geteilt wird, die Reaktion der Menschen ist allenfalls ein trauriger Emoji. Das hier in der Realität zu sehen, hinterlässt einen viel massiveren Eindruck. Das gerodete Gebiet war ein Wald, der zwei Hänge verband. Vor kurzem stand der Wald noch. Dort flogen die letzten Vögel. Hier wurde der Dolch ins Herz der Ida-Berge gerammt.“

Acht neue Protestdörfer errichtet

An den Protesten nehmen auch Abordnungen aus Heskîf (Hasankeyf) und vielen anderen Orten der Türkei und Kurdistans teil. Seit Tagen werden acht Protestdörfer errichtet, in denen Hunderte Menschen leben. Die Protestierenden nennen diese Dörfer Hasankeyf, Munzur, ODTÜ, Fatsa, Alakır, Salda, Cerattepe und Nordwald. Immer neue Aktivist*innen kommen an und werden in den Zelten untergebracht.

Jeden Tag mehrere Demonstrationen – Gestern über 10.000 Teilnehmer*innen

Zwischen Diskussionsveranstaltungen über die Organisierung des Widerstands finden immer wieder Demonstrationen unter Parolen wie „Die Ida-Berge sind unser“ statt. Gestern lag die Zahl der Demonstrant*innen weit über 10.000.

Wenn es solche Proteste wegen Heskîf gegeben hätte …

Doğan Yıldırım aus dem fast 3.000 Kilometer östlich gelegenen Wan nimmt seit vier Tagen an der Mahnwache teil. Er sei aufgebrochen, als er von der Zerstörung der Ida-Berge erfuhr und habe hier sein Zelt aufgeschlagen, erklärt er. Der Widerstand hier könne auch einen Einfluss auf das Schicksal des Munzur und von Heskîf haben. „Wenn es zur richtigen Zeit am richtigen Ort ernsthafte Proteste gegeben hätte, dann hätte die Verwüstung, die wir heute erleben, nicht stattfinden können“, erklärt Yıldırım.

Geschichte soll vernichtet werden

Die HDP-Abgeordnete Züleyha Gülüm erklärt: „Die einzige Sorge der Regierung ist es, Geld für ihre Anhänger heranzuschaffen. So wird im ganzen Land vorgegangen. Hasankeyf ist ein Beispiel, die Schwarzmeerregion ist ein weiteres Beispiel. Auch die Geschichte des kurdischen Volkes soll vernichtet werden.

Wir müssen zusammen kämpfen

Unsere Aufgabe ist es nicht Teilbereichskämpfe zu führen, sondern alles zusammenzubringen. Es wird versucht, uns einzeln ins Visier zu nehmen und einzuschüchtern. Demgegenüber müssen wir alle gemeinsam aufschreien. Wo auch immer müssen wir den gemeinsamen Kampf organisieren. Wir haben in Gezi gesehen, wie stark wir zusammen sind.“