Bewegungen gegen Invasion in Erîma

Nach den türkischen Invasionsdrohungen laufen diplomatische Gespräche zwischen Moskau und Damaskus auf Hochtouren. Nun wurden syrische und russische Truppen nach Erîma bei al-Bab geschickt und agieren dort gemeinsam mit den Selbstverteidigungskräften.

ERSİN ÇAKSU aus BAB, 29. Dez. 2018.

Nach den Angriffsdrohungen der Türkei auf Nord- und Ostsyrien und der gleichzeitigen Rückzugsentscheidung der USA kommt es zu intensiven politischen, militärischen und diplomatischen Bewegungen in der Region. Tayyip Erdoğan hatte die USA in den vergangenen drei Jahren immer wieder aufgefordert, Syrien zu verlassen. Nach der Rückzugsentscheidung erklärte Erdoğan an die USA gerichtet: „Zieht euch nicht zurück, lasst uns zusammenarbeiten.“ Gleichzeitig steigert er die Drohungen gegen Nord- und Ostsyrien Tag für Tag.

Verhandlungen über Invasion heute in Moskau

Eine der Regionen, die besonders von Besetzung bedroht sind, sind die Gemeinden Erîma im Kreis von al-Bab und Minbic. Der türkische Staat hat eine große Anzahl seiner Milizen an die Grenze beider Regionen verlegt und wird heute mit Russland über die Besetzung der Region verhandeln.

Intensiver diplomatischer Verkehr

Aber auch die Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien befindet seit langem in intensiven diplomatischen Gesprächen mit dem syrischen Regime, Russland, den Staaten der Region und den europäischen Staaten.

Russland und Regime entsenden in Absprache mit Militärrat Truppen nach Erîma

Nachdem der türkische Staat große Truppenkontingente an die Grenze von Erîma bei al-Bab verlegt hat, hat das syrische Regime und Russland ebenfalls Truppen in die Dörfer bei Erîma entsandt. Nach Gesprächen zwischen der Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens, dem Regime und Russland hat das syrische Regime gestern seine Truppen in Koordination mit dem Militärrat von Minbic nach Erîma entsandt.

Über Erîma weht die russische, die syrische und die Fahne von Jabhat al-Akrad

In Erîma sind der Militärrat von Bab, der Militärrat von Minbic und Jabhat al-Akrad zur Verteidigung stationiert. Sie sichern nun gemeinsam mit dem Regime und den Selbstverteidigungseinheiten die Grenze. Nach den türkischen Drohungen wehen über der Region die Fahnen der Selbstverteidigungskräfte, des Regimes und Russlands. Es finden intensive diplomatische Verhandlungen zwischen der Selbstverwaltung, Russland und Syrien statt, ob und inwiefern die Allianz gegen die türkische Invasion ausgeweitet wird.

Die Völker stärken ihren Organisierungsgrad

Währenddessen bauen die kurdischen, arabischen, turkmenischen und anderen ethnischen und religiösen Identitäten der Region ihre Organisierung zu Selbstverteidigung weiter aus, während sie trotz allem ihr alltägliches Leben fortsetzen.

USA auf gemeinsamer Patrouille

Die USA und Koalitionskräfte patrouillieren immer noch in Minbic. Die Panzerfahrzeuge der USA fuhren im Zentrum von Minbic Patrouille.

Die Türkei versucht eigene Position zu finden

Tayyip Erdoğan hatte die USA in den vergangenen drei Jahren immer wieder aufgefordert, Syrien zu verlassen. Nach der Rückzugsentscheidung erklärte Erdoğan: „Zieht euch nicht zurück, lasst uns zusammenarbeiten.“ So scheint die Türkei im Moment auf der Suche nach ihrer eigenen Position zu sein. Für eine Öffnung des Luftraums durch Russland für einen möglichen Luftangriff wird eine türkische Delegation nach Moskau reisen und in Verhandlungen eintreten.

Liegt Idlib auf dem Verhandlungstisch?

Die Delegation besteht aus dem türkischen Außenminister Mevlüt Çavuşoğlu, dem türkischen Verteidigungsminister Hulusi Akar, dem MIT-Chef Hakan Fidan und dem Sprecher Erdoğans Ibrahim Kalın. Es stellt sich die Frage, was die Türkei Russland anbieten möchte. Zuvor hatte die Türkei ihre Besetzungen durch den Tausch „Aleppo gegen al-Bab“ und „Ost-Ghouta gegen Efrîn“ ausgehandelt. Diesmal könnte insofern Idlib auf dem Verhandlungstisch liegen.

Einerseits Moskau, andererseits Washington

Andererseits finden am 8. Januar Treffen in den USA statt, bei denen es um die Rückzugsentscheidung und die damit zusammenhängende Erklärung der Türkei, anstelle der russischen S-400 Raketen amerikanische Patriot-Systeme einzukaufen, gehen wird.