Unterricht in 4 Sprachen im Flüchtlingslager Berxwedan

JINNEWS / Tolin Muhemed aus Şehba.

Für die Kinder aus Afrin in Şehba hat das neue Schuljahr begonnen. Zwar wegen der schwierigen Umstände erst verspätet – aber die 450 SchülerInnen in 11 Klassen bekommen jetzt Unterricht in Kurdisch, Engliisch, Französisch und Arabisch.

DIe Familien dieser Kinder mussten aufgrund der türkischen Überfälle aus Afrin in die Region Şehba übersiedeln. Der Verband „KPC“ (Für ein Demokratisches Erziehungswesen) hat die Vorbereitungen dafür getroffen, dass für diese Kinder jetzt das neue Schuljahr beginnen kann, was die Kinder aus Afrin begeistert. Für die Kinder im Berxwedan-Lager gibt es jetzt 11 Klassen von der Grundschule über die Mittelschule bis zum Gymnasium.

Şerivan Osu, Erzieherin und Mitglied des Verbandes KPC, berichtet von einer regelrechten Mobilisierung: „Als Erziehungskomitee sahen wir es als unsere dringlichste Aufgabe, trotz der schwierigen Umstände für unsere Kinder das neue Schuljahr zu eröffnen. In der Schule gibt es Klassen von der ersten Klasse bis zum Gymnasium. Von der 4. und 5. Klasse an wird neben der Muttersprache Kurdisch auch Englisch, Französisch und Arabisch unterrichtet, vormittags und nachmittags. Ab der 7. Klasse kommen gemäß dem Lehrplan Biologie, Soziologie, Jineologie, Kultur und Gebräuche, Gesellschaftskunde und Mathematik hinzu. Jeden Tag kommen mehr Kinder, die auch in den Unterricht wollen.

Auch die Lehrerin Meryem Hebip bestätigt, dass die Eröffnung des neuen Schuljahrs die Kinder glücklich macht. Als Erziehungskomitee hatten sie sich mit vielen außerordentlichen Problemen sich herumzuschlagen. „Das ist der Grund, warum das Schuljahr verspätet anfing – wir waren einfach mit den Vorbereitungen noch nicht fertig. Auch jetzt sind noch viele Schwierigkeiten nicht gelöst, aber wir haben trotzdem mit dem Unterricht begonnen. Wir sehen das als Beitrag zu unserem Widerstand. Unser Volk ist im Widerstand, und die Schwierigkeiten können uns nicht von unseren Zielen abbringen.“

In Afrin haben sie erlebt, wie vor ihren Augen ihre SchulkameradInnen Fatma Muhemed und Hemid getötet wurden. Umso glücklicher sind die Kinder, dass sie jetzt wieder in ihrer Muttersprache unterrichtet werden.

(Was ist an dieser Information so bemerkenswert? Eigentlich nichts – für Rojava. Mir will die Erinnerung an eine Zehnjährige nicht aus dem Sinn, die, als wir eine Flüchtlingsunterkunft am Neckarpark besuchten, nicht von unserer Seite wich – stumm, mit einer AOK-Broschüre in der Hand. Schule? Nach vielen Monaten endlich eine Vorbereitungsklasse, wo ihr ihre Defizitevorgehalten werden. Muttersprachlicher Unterricht? Aber ihre Muttersprache ist doch ihr größtes Defizit bei uns.) – (Ingo von der Redaktion)

!!!Diesen letzten Abschnitt kursiv!!!