Rojava: Kostenlose Gesundheitsversorgung in Hesekê

Ein Gesundheitszentrum in Hesekê bietet kostenlose medizinische Versorgung an.

ANF / HESEKÊ, 30. Sept. 2018.

Die Selbstverwaltungen in Rojava arbeiten daran, eine ständige Gesundheitsversorgung für alle Menschen in der Region zu gewährleisten. Die autonome Selbstverwaltung von Cizîrê hat im Juli 2016 ein Gesundheitszentrum im Viertel al-Kelasê in Hesekê eingerichtet, um auch materiell schlecht gestellten Menschen eine nahtlose Versorgung anbieten zu können. Es handelt sich um das erste Gesundheitszentrum in der Region. Zahllose Kranke sind dort bereits kostenlos behandelt worden.

Im Gesundheitszentrum werden zwischen 8.00 und 11.00 Uhr Herzerkrankungen und andere internistische Krankheiten behandelt. Zwischen 11.00 und 14.00 Uhr werden Kinderkrankheiten behandelt. Zwei Ärzte, zwei Hebammen, zwei Krankenschwestern und ein Notarzt stehen bis nachts um 2.00 Uhr zur Verfügung.

Wie Mihemed al-Abdullah von der Zentrumsleitung erklärt, hat sich die Anzahl der Fälle mit Hautkrankheiten in letzter Zeit erhöht.

 

Syrien: Schattenreich der Angst

von Katja Maurer / medico international, 25. Sept. 2018.

Gibt es in diesen Trümmern eine Zukunft für die palästinensische Gemeinde in Syrien? Der Damaszener Stadtteil Jarmuk. (Foto: Jafra)

Assads Macht scheint gesichert, aber der Konflikt ist nicht zu Ende. Ein Überblick aus Sicht der medico-Partner.

Von Katja Maurer

Junge Frauen werden über Nacht alt, sechsjährigen Jungen sprießt plötzlich ein Bart. Das ist keine Variante des magischen Realismus auf Arabisch. In ihrem kürzlich auf Deutsch erschienenen Roman „Die Verängstigten“ beschreibt die syrische Schriftstellerin Dima Wannous, was mit Menschen geschieht, die Angst als Grundvoraussetzung ihrer Existenz erfahren. Ein ganzes Land mit seiner multireligiösen Bevölkerung lebt seit Jahrzehnten im Schatten dieser Angst. Dieser Schatten tut so weh, wie die Angst selbst, sagt die Mittdreißigerin. Ihre Beschreibung verletzter Seelen spielt deshalb immer wieder beim Psychiater in Damaskus. Nur wer kann Wunden heilen, die vielen schon in den 1980er Jahren zugefügt wurden, als das Assad-Regime den Aufstand der Muslimbrüder mit einem Massaker in der Stadt Hama beendete, bei dem bis zu 30.000 Menschen ums Leben kamen? Für die syrische Schriftstellerin ist das einer der Ausgangspunkte der Zerstörung, die nun das ganze Land erfasst hat. Man könnte auch die Niederschlagung der kurdischen Demonstrationen 2004 nennen. In allen kurdischen Gemeinden und Stadtvierteln Syriens kam es zu Massenverhaftungen insbesondere von Jugendlichen, viele erlebten Folter.

Diese Angsterfahrung ist mit der Niederschlagung der „Revolution“, wie die syrischen Aktiven den demokratischen Aufstand von 2011 nennen, weil er alle eingeübten Mentalitäten mit einem Schlag verändert hatte, allgemein geworden. Der syrische Menschenrechtsanwalt Anwar Al-Bouni, der selbst jahrelang im Gefängnis saß und jetzt in Europa im Exil lebt, wirft am Telefon einige Schlaglichter: Seiner Schätzung nach sitzen 150.000 Menschen in Syrien im Gefängnis, zumeist aus politischen Gründen. 80.000 davon seien namentlich bekannt. Aber es gäbe viele Tausend Verschwundene. Manches Schicksal hat sich mit der bitteren Euphorie des vorläufigen Sieges von Assad geklärt: Das Regime gab den Tod von mindestens 5.000 Gefangenen bekannt. Offenbar in der Annahme, dass keiner sich mehr traut, den Skandal syrischer Gefängnisse beim Namen zu nennen: ein Staatsverbrechen.

Die aktuellen Zahlen zur syrischen Katastrophe lassen sich nicht in eine Sprache fassen, die die Anonymität der Ziffern aufheben kann. Die Todesopfer des sieben Jahre anhaltenden Konflikts liegen zwischen 300.000 und 500.000. Es gibt laut der UNO sechs Millionen Binnenvertriebene. 5,6 Millionen sind in die Nachbarländer geflohen. Zwei Drittel des Landes haben die Regierungstruppen mit Hilfe der russischen Armee und einer militärischen Strategie, die keine Rücksicht auf Zivilisten und Völkerrecht nimmt, zurückerobert. Es verbleiben die kurdischen Gebiete im Norden, die unter der Kontrolle der PYD (mit Unterstützung der US-Armee) stehen und die Region Idlib, wohin alle verbracht wurden, die nicht in den eroberten Gebieten bleiben konnten oder wollten.

Niemandsland Idlib

Nach Idlib sind auch Kolleginnen und Kollegen aus der medico-Projektregion Ost-Ghouta geflohen, die im lokalen Komitee von Erbin u.a. die freien und demokratischen Schulen in Kellergeschossen betrieben hatten, sowie Frauen aus dem Frauenhaus in Douma. Der in Deutschland lebende syrische Sozialwissenschaftler Omar Sharaf, mit dem medico immer wieder zusammenarbeitet, kommt aus der Region Ost-Ghouta und steht im Kontakt mit den Kollegen vor Ort. Idlib, so Sharaf, sei ein Niemandsland ohne staatliche oder lokal legitimierte Institutionen. Jederzeit könne man Opfer eines Übergriffes irgendeiner Gruppierung werden. In der Grenzregion zur Türkei leben drei Millionen Menschen, zwei von drei sind intern Vertriebene. Viele hofften, das Land Richtung Türkei verlassen zu können. Manche Familien hätten es mehr als zehnmal erfolglos versucht, seien dabei ausgeraubt und von Schleppern zusammengeschlagen worden.

Während Mitglieder der demokratischen Opposition aus Erbin versuchen, sich ins Ausland durchzuschlagen, regiert in Erbin das syrische Militär und die Baath-Partei. In Erbin, so Sharaf, sei das allerdings eine Truppe aus wenigen syrischen und russischen Soldaten, nicht mehr als 30 Mann, die sich als Machtdemonstration rund um das Rathaus aufhielten. Sharaf glaubt, dass Flüchtlinge aus den Nachbarländern zurückkehren würden, sobald die Kriegshandlungen zu Ende gingen und sie nicht persönlich von Verfolgung bedroht seien. Zu prekär sei etwa ihre Situation im Libanon und in Jordanien.

Jarmuk in Trümmern

Auch die palästinensisch-syrische Partnerorganisation Jafra ist mit der neuen Situation befasst. Erste Familien versuchen in das einstige Palästinenserlager in den Damaszener Stadtteil Jarmuk zurückzukehren. Der Stadtteil ist zu 80 Prozent zerstört. Es gab die Ankündigung, dass Häuser enteignet würden, wenn sich ihre Besitzer nicht binnen wenigen Wochen zurückmelden würden. Wesam Sabaneh, Gründungsdirektor von Jafra, berichtet, dass sich erste Familien zurückgemeldet hätten, aber die Klärung des Eigentums nicht gelungen sei. Es gab große Befürchtungen, dass die syrischen Autoritäten eine Wiederbesiedlung von Jarmuk durch Palästinenserinnen und Palästinenser verhindern würden. Immerhin fand hier 2011 eine der größten Demonstrationen zur Demokratisierung von Syrien statt. Syrisches Militär hatte den Stadtteil, in dem islamistische Milizen diverser Coleur die Kontrolle ausübten, jahrelang eingekesselt und ausgehungert. Mit dem fast vollständigen Exodus der ursprünglichen Bewohnerschaft schien die Hoffnung dahin, hier könne irgendwann ein Wiederaufbau unter palästinensischer Ägide stattfinden. Nun gibt es Versuche, alle palästinensischen Fraktionen, die sich in Gegner und Befürworter Assads zum Teil auch militärisch gespalten hatten, in dem Ziel zu einigen, Jarmuk wieder palästinensisch zu machen. Ausgang ungewiss.

Offen ist auch die Situation in den kurdisch dominierten Gebieten im Norden, die mehr als 25 Prozent des syrischen Territoriums ausmachen. Ein Repräsentant des Demokratischen Rats, der beansprucht, alle Bewohnerinnen und Bewohner gleich welcher religiösen oder ethnischen Zugehörigkeit institutionell zu vertreten, erklärte auf Anfrage von medico, dass der Konflikt zwar noch nicht zu Ende sei, aber Assad vorerst bleibe. Damit begründet der Rat die Gespräche, die seit Juli 2018 mit Vertretern aus Damaskus geführt werden. Es sei dabei vor allen Dingen um Absprachen im Dienstleistungssektor und auf Verwaltungsebene gegangen. Ziel des Rates ist die politische Autonomie der nordsyrischen Föderation, eine nur kulturelle Autonomie sei nicht akzeptabel. Eine politische Autonomie beinhaltet auch die Praxis, die schon jetzt in den nordsyrischen Gebieten stattfindet: Mehrsprachigkeit in Bildung und Ämtern, demokratische Wahl der Räte auf allen Ebenen, der Aufbau einer sozialen Infrastruktur, die allen gleichermaßen zugänglich ist. Die Hoffnung ist, dass die Schaffung neuer Institutionen entlang dieser Prinzipien auf lokaler Ebene langfristig die Autonomie sichern kann.

Leise Hoffnung

Das aktuelle syrische Szenario aus Angst, Flucht, Vertreibung, aber auch Rückkehr und leiser Hoffnung, je nach Region, könnte allerdings schon im nächsten drohenden militärischen Angriff untergehen. Die Koalition um Assad will nun auch Idlib unter ihre Kontrolle bringen. Schon jetzt gibt es einen Propagandakrieg. Im August veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium eine Erklärung, in der die Weißhelme bezichtigt werden, Verteidigungsstrategien gegen Giftgasangriffe mit der Bevölkerung zu üben, obwohl doch klar sei, dass die Rebellen/Terroristen in Idlib das Giftgas einsetzten. Trump seinerseits droht schon mit Angriffen, falls es zu Bombardierungen in Idlib kommt. Und die russische Flotte weist große Truppenbewegungen im Mittelmeer auf. So viel Getöse schon vor der Schlacht. Mittendrin die Weißhelme, die ohnehin der Russen liebster Feind sind. Gegen die gut finanzierten und organisierten Zivilschutzmänner hat Russland über das Internet eine solche Schlammschlacht gestartet, dass man sich erst mal ein paar Seiten durchklicken muss, um auf Informationen zu stoßen, die nicht aus russischer Quelle stammen. Es ist eben auch ein Krieg um die Wahrnehmung, in dem die Wahrheit von der Haltung abhängt.

Für die vielfältigen Arbeiten in Syrien und mit syrischen Flüchtlingen im Libanon ist medico auf Ihre Unterstützung angewiesen, gerade dann, wenn es um Befreiungsbemühungen geht, die den Horizont eines demokratisch verfassten Syriens nicht aufgeben.

Spendenstichwort: Syrien


Dieser Beitrag erschien zuerst im medico-Rundschreiben 3/2018.

Offensive gegen Kinderehen in Nordsyrien

In Nordsyrien ist eine Kampagne gegen Kinderehen gestartet worden. Bei Aktivitäten in Hesekê und Tabqa wurde die Verheiratung im Kindesalter als großes gesellschaftliches Problem bezeichnet.

ANF, HESEKÊ / TABQA, 23. Sept. 2018.

Frauen haben in Nordsyrien den Kampf gegen Kinderehen aufgenommen. Als erste Schritte der Kampagne gegen die Verheiratung Minderjähriger wurde in Hesekê von der Einheit junger Frauen (Yekîtiya Jinên Ciwan, YJC) eine Presseerklärung abgegeben. In Tabqa wurden Flugblätter verteilt.

Unter der Terrorherrschaft des sogenannten Islamischen Staates (IS) in Städten wie Raqqa, Tabqa und Minbic wurden Kinderehen befürwortet. Auch nach der Befreiung durch die Demokratischen Kräfte Syriens (QSD) setzten viele Familien diese reaktionäre Maßnahme weiter fort. Vor dem Zentrum der YJC in Hesekê versammelten sich aus diesem Grund junge Frauen und verlasen eine Presseerklärung, in der sie auf die verhängnisvollen Gefahren von Kinderehen hinwiesen und der Verheiratung im Kindesalter den Kampf erklärten. „Als junge Frauen lehnen wir Kinderehen ab“, sagte Dîlber Ahmed im Namen der YJC, „Wenn der Willen von Frauen nicht anerkannt wird, stirbt die Ehe sowieso. Wir verurteilen die Verheiratung im Kindesalter und erklären, dass wir strikt dagegen sind.“

In Tabqa verteilten Mitglieder des Frauenbüros der vor wenigen Monaten gegründeten Zukunftspartei Syriens Flugblätter gegen Kinderehen. Dabei handelte es sich um die allererste Aktivität des neu gegründeten Frauenbüros. Mit der Verteilung von Flugblättern wird bezweckt, ein Bewusstsein für die Problematik in der Bevölkerung zu schaffen.

Şehba: Bildung als erster Schritt zur Veränderung

An der Şehîd-Aziz-Ereb-Akademie im nordsyrischen Kanton Şehba werden Bildungsprogramme rund um das Thema „Aufbau einer demokratischen Gesellschaft“ angeboten. Für die Teilnehmenden öffnen sich dadurch neue Horizonte.

ANF / ŞEHBA, 21. Aug. 2018.

Ende 2016 wurde der nordsyrische Kanton Şehba von der Terrorherrschaft des Islamischen Staat (IS) und anderer vom türkischen Staat gesteuerter Milizen befreit. Als wieder Ruhe und Sicherheit in der Region einkehrten, kamen seit Anfang 2017 viele Anwohner wieder zurück. Um ihr Leben von Neuem zu organisieren und sich gegen mögliche künftige Angriffe zu wappnen, wurden lokale Räte und Kommunen gegründet.

Eines der wichtigsten Elemente des Wiederaufbaus ist die Bildungsarbeit. Neben der Organisierung ziviler Einrichtungen und Kommunen eröffnete der Kantonsrat von Şehba am 8. August 2016 in Til Rifat die Şehîd-Aziz-Ereb-Akademie.

Als die Angriffe türkeitreuer Milizen auf Til Rifat zunahmen, musste die Akademie nach Kefernaya umziehen. Dann begann jedoch die türkisch-dschihadistische Militärinvasion in Efrîn und das Gebäude wurde zum Zufluchtsort für Schutzsuchende aus dem benachbarten Kanton. Die Akademie musste ein weiteres Mal umziehen, diesmal ins Dorf Um al-Hosh. Aufgrund der neuen Situation begann die Akademieleitung, offene Bildungsprogramme anzubieten.

Bisher haben 126 Frauen und Männer an sieben geschlossenen Bildungsprogrammen teilgenommen. Die Teilnehmer*innen kamen nicht nur aus Şehba, sondern auch aus den Regionen Bab und Azaz, die weiterhin von Türkei-gestützten Milizen besetzt sind.

Nach den geschlossenen Bildungsprogrammen wurden offene Fortbildungen für jeweils 17 Tage eingerichtet. Unterrichtsthemen sind unter anderem der Aufbau einer demokratischen Gesellschaft, die Bedeutung von Bildung, Föderalismus, Kommunen und Räte, Frauengeschichte, Selbstorganisierung, Kritik und Selbstkritik sowie Selbstverteidigung.

Neben den kontinuierlichen Fortbildungen finden in der Akademie verschiedene Veranstaltungen und Seminare statt. Die Unterrichtsthemen werden ständig neu diskutiert und weiterentwickelt. Während der mehrwöchigen Bildungsprogramme organisieren die Teilnehmenden ihr Alltagsleben kollektiv.

Mehr Frauen als Männer

An den ersten Bildungsangeboten nahmen nur sehr wenige Frauen teil. Beim ersten Programm waren drei Frauen dabei, beim zweiten bereits sechs. Die Anzahl der Teilnehmerinnen nahm immer mehr zu und inzwischen sind die Frauen in der Mehrzahl.

Die Akademieleitung sieht diese Entwicklung als Hinweis auf den zunehmenden Wunsch von Frauen, an allen Bereichen des Lebens teilhaben zu können und in gesellschaftlichen Institutionen eine Rolle zu übernehmen.

Die Bildungsprogramme werden nach Gefallenen benannt. Das Programm „Barin Kobanê“ endete am 8. Juli, an dem Lehrgang nahmen 30 Personen teil. Direkt im Anschluss begann wiederum mit 30 Teilnehmer*innen das Bildungsprogramm „Avesta Xabur“.

Suheyla al-Abus ist eine von ihnen. Gegenüber der Nachrichtenagentur ANHA erklärte sie, die Fortbildung habe ihr sehr genützt: „Wir haben viel Interessantes über den seit Jahrhunderten währenden Kampf von Frauen gelernt. Mein Leben hat sich dadurch verändert. Die erste positive Entwicklung, die sich durch den Unterricht ergab, war der Sieg über die Angst und die Scham, die uns eingetrichtert werden. Hier können wir als Frauen unsere Gedanken frei äußern.“

Das Gelernte im Alltagsleben umsetzen

Für Welîd Elo ist die Bildungsarbeit hinsichtlich der gedanklichen Entwicklung wichtig: „Wir haben hier das erste Mal die Gelegenheit gefunden, kollektiv zu leben. Wir bereiten das Essen gemeinsam zu und allein das befreit einen von Einflüssen der patriarchalen Mentalität. Es ist eine wichtige Entwicklung in der Veränderung. Im Unterricht haben wir die Prinzipien Gleichheit und Demokratie behandelt. Jetzt geht es darum, sie im Alltagsleben umzusetzen.“

Fatma Oso hat eine dreijährige Tochter namens Barin. An dem Bildungsprogramm konnte Fatma trotzdem teilnehmen.

Hesen Hiso kann nicht lesen und schreiben. Mit dem Bildungsprogramm habe er einen großen Schritt gemacht, um diesen Mangel zu beheben, sagt er. Die Fortbildung hat großen Eindruck bei ihm hinterlassen: „Mich hat besonders der Unterricht über Frauengeschichte stark beeinflusst. Meine Sichtweise auf Frauen und ihre Stärke hat sich geändert. In mir ist dadurch der Gedanke entstanden, dass ich auch etwas an meiner Persönlichkeit ändern sollte.“

Jedes Bildungsprogramm endet mit einer Auswertung der Teilnehmer*innen. Die dabei geäußerte Kritik bietet der Akademieleitung die Möglichkeit, bestehende Mängel im nächsten Programm zu verbessern.

Bücherei in Efrîn-Camp in Şehba eröffnet

Im selbstverwalteten Serdem-Camp im nordsyrischen Kanton Şehba, in dem von den türkischen-dschihadistischen Besatzungstruppen vertriebene Menschen aus Efrîn leben, ist eine Bücherei eingerichtet worden.

ANF / ŞEHBA, 23. Sept. 2018.

Nach der türkischen Militärinvasion in Efrîn mussten Hunderttausende Menschen aus der Region fliehen. Ein Großteil ging in den benachbarten Kanton Şehba, wo in Eigenregie und ohne Unterstützung internationaler Hilfsorganisationen mehrere Camps errichtet wurden.

Im Camp Serdem ist vom Verband der Intellektuellen aus Efrîn nach wochenlanger Vorarbeit eine Bücherei eingerichtet worden. An der Eröffnungsfeier nahmen Vertreterinnen und Vertreter der Bewegung für eine demokratische Gesellschaft (TEV-DEM) und weiterer Institutionen teil.

In der öffentlich zugänglichen Bücherei befinden sich über 2000 Bücher in kurdischer, arabischer und englischer Sprache.

Neue Autonomieräte in Nord- und Ostsyrien

Der Exekutivrat der autonomen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien bereitet sich darauf vor, in Kürze die Gründung von zehn autonomen Räten und sieben Büros bekanntzugeben.

ANF / QAMIŞLO, 21 Sept. 2018.

Die Demokratische Autonome Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens war am 6. September auf dem 3. Kongress des Demokratischen Syrienrats (MSD) in Ayn Isa bekanntgegeben worden. Dem Generalrat der Demokratisch-Autonomen Selbstverwaltung sitzen Sîham Qeyro und Ferîd Etî vor. Der Leitungsrat aus fünf Personen wurde ebenfalls bekanntgegeben.

Zu den Ko-Vorsitzenden des Exekutivrats der Selbstverwaltung wurden Bêrîvan Xalid und Abdulhamit al-Mihbash gewählt. Der Exekutivrat wurde mit dem Aufbau von zehn Räten innerhalb von 21 Tagen beauftragt. Diese Räte zielen darauf ab, die Kommunikation zwischen der Zivilbevölkerung in Nord- und Ostsyrien und der Autonomen Selbstverwaltung zu erleichtern.

Das Vorbereitungskomitee des Autonomen Selbstverwaltungsrats besteht aus 70 Mitgliedern aus verschiedenen Städten und überwacht den Aufbau der zur Selbstverwaltung gehörigen Räte. In kurzer Zeit sollen zehn Räte und sieben Büros die Verantwortung für die Aufgaben gegenüber der Bevölkerung im Bereich Selbstverwaltung, Landwirtschaft, Gesundheit und Bildung übernehmen.

Die Räte sollen außerdem auf der Ebene von Nord- und Ostsyrien für eine Koordination innerhalb der autonomen Selbstverwaltung sorgen und die von Stadt zu Stadt unterschiedlichen Steuern und Brennstoffpreise angleichen, wie auch die Probleme im öffentlichen Nahverkehr lösen.

 

 

In Nordsyrien werden Frauengesetze ausgearbeitet

YÖP Qamişlo, 22.9.2018.

Die Frauenorganisationen von Nordsyrien diskutieren die Frauen-Gesetze, welche vom Frauen – Rechtsrat entworfen wurden.

Der Frauen – Rechtsrat von Nordsyrien hat zu den Frauen-Rechten 36 Paragraphen ausgearbeitet und in Form einer Broschüre an Kongra Star, an die Ko-Vorsitzenden der Region Cizir, an die verschiedenen Frauenräte und an die Rechtsanwältinnen verteilt. Um diese zu diskutieren, fand im Gebäude des Justizgebäudes von Qamişlo eine Versammlung statt. Ein Paragraph nach dem anderen wurde vorgelesen und debattiert. Entsprechend den Meinungen und Änderungs-Vorschlägen wurden sie neu geschrieben.

Wenn die 36 Paragraphen des Frauenrechts dann vom Gesetzgebenden Rat des Kantons Cizir in Endfassung abgestimmt sind, werden sie der Autonomen Verwaltung von Nord- und Ostsyrien vorgelegt.

Gegen Verheiratung von Mädchen im Kindesalter

YÖP Hesekê / Tabqa, 22.9.2018.

In Nordsyrien haben Frauen eine Kampagne begonnen unter der Parole “Alle zusammen wollen wir die Verheiratumg im Kindesalter stoppen!” In Hesekê gab die Frauen-Organisation ‘Yekîtiya Jinên Ciwan’ eine Presse-Erklärung gegen die Kinderheirat heraus. In Tabqa wurden dazu Flugblätter verteilt. „Gegen Verheiratung von Mädchen im Kindesalter“ weiterlesen