Deir Ez-Zor nach Vertreibung des IS: Die Flüchtlinge weigern sich, ins Assad – Gebiet zurückzukehren

ANHA, von Dılyar Cezîrî und Ihsan Ehmed aus Hesekê, 6.12.17.

Die Flüchtlinge, welche vor den Grausamkeiten des IS sich in die Gebiete der DKS (Demokratischen Kräfte Syriens) gerettet haben, beginnen nun, in ihre Häuser zurückzukehren. Am 3. Dezember begann die kontrollierte Heimkehr in die von den DKS befreiten Gebiete. Aber was die vom syrischen Regime kontrollierten Siedlungsgebiete angeht, so weigern sich die von dort Vertriebenen, zurückzukehren, weil dort ihre Sicherheit nicht gewährleistet ist.

Die Einwohner von Deir Ez-Zor, die aufgrund der Bombardierungen des syrischen Regimes aus der Luft und den Angriffen des IS auf dem Boden die Flucht nach Norden ergriffen haben, werden in Lagern untergebracht, welche die autonome Verwaltung der Nordsyrischen Föderation mit ihren beschränkten Mitteln errichtet hat. Das Lager Sed ist eines davon; es liegt 20 km nördlich von Şeddade beim Ort Erişa und beherbergt Zehntausende von Flüchtlingen aus Deir Ez-Zor, Rakka und anderen Gegenden Syriens.

Karte Deir Ez-Zor

 Google-Map 8-12-2017.

nördlich des Euphrat: von den DKS befreites Gebiet

südlich des Eurphrat: unter Kontrolle des syrischen Regimes. Aber die Bewohner sind in den Norden geflohen und wollen nicht zurückkehren.

Derzeit 26.000 im Lager Sed

Enes Umer, ein Verantwortlicher des Lagers, berichtet, dass derzeit 26.000 Leute im Lager Sed leben, vor allem aus Deir Ez-Zor, aber auch viele aus Rakka, die noch nicht zurückkehren konnten. Mit 2.200 neuen Zelten wurde die Kapazität auf 50.000 ausgeweitet. „Die Autonome Verwaltung hilft, soviel sie kann. Aber die Menge der Flüchtenden ist einfach zu groß. Selbst mit Unterstützung der internationalen Hilfsorganisationen können wir nicht für das Notwendige aufkommen. Um das Gesundheitswesen kümmert sich „Heyvy Sor a Kurd“, der kurdische Rote Halbmond.“

Mehr als 10.000 wollen nicht zurückkehren

Nach Aussagen von Enes Umer gibt es mehr als 10.000 Bewohner des Lagers, deren Häuser südlich des Euphrat liegen, also in Gebieten, die jetzt in der Hand des syrischen Regimes liegen; aufgrund des Verhaltens des Regimes wollen sie nicht zurückkehren.

Einer von ihnen ist der 57-jährige Faur Xelef Biser, der aussagt, aufgrund der Luftangriffe des syrischen Regimes und Rußlands und aufgrund der Grausamkeiten des IS vertrieben worden und in Gebiete unter Kontrolle der DKS gekommen zu sein: „Die Flugzeuge des Regimes und Rußlands haben unterschiedslos die Zivilbevölkerung bombardiert. Glaubt mir, die Zentren des IS haben sie nicht bombardiert, sondern sie haben nur auf zivile Gebiete ihre Bomben geworfen.“

Auch der 30-jährige Sewsen El Dexil, der aus dem Städtchen Meyadin östlich von Deir Ez-Zor ist, gibt an, wegen der Bombardierungen der Flugzeuge des Regimes zur Flucht gezwungen worden zu sein. „Die Flugzeuge haben unsere Häuser in Ruinen verwandelt. Sie haben blind unsere Häuser bombardiert.“

Die Gebiete des Regimes sind nicht sicher. Wir kehren nichts zurück.

Suriya El Hesen aus dem Ort Bulel südlich des Euphrat sagt auch, dass sie wegen der Bombardements des Regimes und seiner Verbündeten ihre Häuser verlassen hatten und zu Flüchtlingen wurden.„Mitten in der Nacht haben wir uns auf den Weg gemacht. Nichts konnten wir mit uns nehmen. Die Regime-Kräfte waren uns überhaupt nicht bei der Flucht behilflich. Ihre Helfershelfer haben sogar unsere Wohnungen geplündert. Wir Flüchtlinge haben alle unsere Sachen zurück lassen müssen.“

Suriya versichert, dass sie sehr wohl in ihre Heimat zurückkehren wollten, aber dass sie nicht zurückgehen, weil es dort keine Sicherheit gibt. Und Meryem Ehmed ist entschlossen, hier zu bleiben: „In den Gebieten des Regimes herrscht Willkür. Hier ihaben wir Vertrauen, und hier bleiben wir.“

In die von den DKS befreiten Gebiete beginnt die Rückwanderung

Andererseits begann die Rückwanderung aus dem Lager Sed in die von den DKS befreiten Gebiete. Die erste Gruppe von 1170 Flüchtlingen machte sich auf den Weg aufgrund gemeinsamer Bemühungen des Zivilen Rates von Deir Ez-Zor und der DKS, unterstützt von den Stammesführern der Gegend. Sie zeigten sich zufrieden, heimkehren zu können, und die im Lager Verblieben hoffen ebenfalls auf baldige Rückkehr.

Tarık el Raşid ist Mitglied des Flüchtlings-Komitees des Zivilen Rates von Deir Ez-Zor. Er betont, dass die Rückkehr sorgfältig geplant wird, weil sie nur dann stattfinden kann, wo die befreiten Gegenden auch entmint und von Sprengfallen gesäubert sind. Er schätzt die Zahl der Flüchtlinge aus Gebieten unter Kontrolle des syrischen Regimes auf Zehntausende. „Etliche von ihnen wollen bei Verwandten in unseren Orten unterkommen. Wir sind ihnen dabei behilflich. Aber es bleiben immer noch Tausende in Lagern, die auf keinen Fall in das Land unter Kontrolle des Regimes zurückkehren wollen.“