Nicht nur Êzidî: Der Rat von Şengal wird erweitert

YÖP vom 14.11.2017.

Der „Demokratisch Autonome Rat von Şengal“, einer Region im Nordirak, die im August 2014 den 73. „Ferman“ (Massenmord an den Êzidî) erlebte, ist am 20. August 2017 ausgerufen worden (vergl. „Info zur Kurdischen Revolution“ Nr. 67 vom 28.8.2017) und ist seither unermüdlich aktiv. Ko-Vorsitzender Hecî Hesen Piso setzt sich einerseits für gute Beziehungen aller Bewohner in der Region ein und stellte andererseits das Projekt der Demokratischen Autonomie Vertretern der Baghdader Regierung, der benachbarten Staaten sowie von Europa und den USA vor. Piso berichtet, dass nicht nur die Êzidî, sondern auch die schiitischen Turkmenen und die arabischen Stämme in Tel Afer und der Region positiv darauf reagierten.

Um das Projekt der Demokratischen Autonomie anzugehen, haben sie zuerst einen provisorischen Rat gebildet. Dieser wurde am 30. Mai 2017 erneuert, und er arbeitet seit dem 20. August als Demokratisch-Autonomer Rat.

Positive Aufnahme

Piso berichtet, dass das Projekt der EU, den USA sowie verschiedenen europäischen Parlamentariern und auch der irakischen Regierung unterbreitet wurde. „Unser wichtigstes Ziel dabei ist, dass die Êzidî zu einer Einheit finden. Sie müssen zu einer Kraft werden. Und sie wollen sich selbst verwalten. Schon vor den Ereignissen von Kirkuk setzten wir uns in Baghdad mit der EU zusdammen. Zu 80 % fanden sie das Projekt positiv. Aber da wir mit der Regierung von Baghdad noch einigie Fragen klären müssen, übernahmen sie keine Verantwortung. Unser Rat in der Diaspora hat in dieser Hinsicht gute Arbeit geleistet. Er hat in Europa wichtige Schritte unternommen. Daneben sehen auch die USA unser Projekt positiv.“

Piso berichtet, dass Baghdad ihre Forderungen nicht verworfen hat. Bei den Gesprächen mit der dortigen Regierung hieß es, dass aus Tel Afer und Şengal eine gemeinsame Wilayat (Provinz) gebildet werden soll. Das haben wir unter uns noch nicht diskutiert; wir haben solche Meinungen nur gehört. Sie wollen Mossul zu einer getrennten Wilayat machen: die Mossul-Ebene mit Hemdanî, Tel Kêf, Beşika, Şêxan, El Qûs und Feyda. Die sollen mit der Regierung (und nicht mit der Region Kurdistan) verbunden sein.

Nicht nur Êzidî

Piso weist darauf hin, das in Şengal nicht nur Êzidî leben, sondern auch schiitische und sunnitische Araber. Er fährt fort: „Mit denen wollen wir ein gemeinsames System aufbauen. Etliche, die hier leben, stehen uns gar nicht so fern. Wir haben dabei nicht nur Şengal im Blick, sondern auch die Bewohner der Region Tel Afer bis hin nach Mossul. Wie wir schon früher kundgetan haben, können wir mit ihnen zusammen leben, soweit sie nicht Blut der Êzidî an den Händen haben, unsere Frauen versklavt, die Häuser der Êzidî geplündert und den IS-Banden den Weg gezeigt haben.“

Der Rat hat auch schon, wie Piso erzählt, Vertreter der in Şengal und Tel Afer lebenden schiitischen Turkmenen und arabischen Stämme eingeladen, um ihnen das Projekt darzulegen. Sie finden es gut und können es unterstützen. Piso ist überzeugt, dass das Autonomnie-Projekt für alle Völker in der Region den Weg in die Zukunft öffnen wird.