Das Volk flüchtet in die Gebiete der Demokratischen Kräfte Syriens

Die Meinung zu aktuellen Fragen von Ilham Ehmed, der Ko-Vorsitzenden des Demokratischen Rates von Syrien, in „Özgürlükçü Demokrasi“ vom 8.11.2017.

Der Ratschlag, zu den sowieso im Überfluß vorhandenen Kriegsfronten neue Fronten zu eröffnen, kann nur aufkommen, wenn man dem Profit hinterher ist und daraus neuen Vorteil erwartet. Es gibt zu viele Kreise, die damit rechnen, dass zwischen den DKS und dem syrischen Regime neue Auseinandersetzungen und ein neuer Krieg entsteht, dass eine neue Front eröffnet wird. Diese Kreise sind scharf auf einen neuen Krieg zwischen den DKS und dem Regime, auf eine neue Kriegsfront.

Ilham Ehmed

Die Menschen rufen die DKS zu Hilfe und zum Beistand auf, um sie vor dem Terrorregime des IS zu retten. Der Euphrat bildet sowas wie eine natürliche Grenze zwischen den Truppen. Der IS vollführt mit Fahrzeugen voller Sprengstoff und Selbstmordattentätern Angriffe, die so blutig wie möglich sein sollen. Die Zivilisten, die sowieso auf der Flucht vor dem Willkürregime Assads sind, zahlen einen hohen Blutzoll. Das Volk will nicht weiter in den Gegenden leben, die vom Regime konntrolliert werden, weil es allen möglichen Grausamkeiten seitens der mit dem Regime verbundenen Gruppen ausgesetzt ist. Denn die praktizieren dort eine Politik der verbrannten Erde und verwandeln die Gegenden in eine Hölle. Deshalb flüchtet sich das zivile Volk in die Gebiete unter Kontrolle der DKS.

Das ist keine normale Situation. Obwohl mit allen Mitteln der Propaganda versucht wird, die DKS schlechtzumachen und anzuschwärzen, ruft das syrische Volk nur die DKS zur Hilfe und zum Beistand auf und sucht bei ihnen Schutz. Auch in anderen Gebieten, angefangen mit Idlib, gibt es derartige Appelle des Volkes an die DKS. Eine sehr verständlicher Haltung, die keineswegs als normal, als nicht außergewöhnlich abgetan werden darf. Das ist Ausdruck eine großen Revolution. Damit manifestiert das Volk seinen Willen, sich nicht denen, die es unterwerfen wollen, auszuliefern. Und dieser Wille richtet sich an die DKS. Deshalb erhebt das Regime von Zeit zu Zeit Drohungen gegen diesen Willen und gegen diese militärische Kraft. Seine Kollaborateure fragen sich nicht, in welcher Lage das Regime und seine Kollaborateure heute wären, wenn die DKS den IS nicht besiegt und seinen Willen gebrochen hätten. Diese Frage kommt ihnen gar nicht in den Sinn.

Wenn wir ihnen in diesem Zusammenhang von der Solidarität der Völker und ihren Grundrechten erzählen, antworten sie auf was ganz anderes. Sie sagen: „Die Kurden haben kein Recht drauf, Syrer zu sein; sie sind als Kurden nur eine Minderheit, haben also Rechte als Minderheit.“ Diese Mentalität hat doch Syrien dorthin gebracht, wo es jetzt steht, nämlich in den Abgrund. Und die Kurden haben dagegen in einer Zeit der Finsternis und des Chaos mit dem Projekt einer Demokratischen Nation ein Licht angezündet, den Weg zu einer Lösung gezeigt, Syrien vor dem Auseinanderfallen und vor Katastrophen bewahrt. Aber diese Menschen akzeptieren ihre Forderungen nicht, weil sie Kurden sind. Die Nachbarländer sind gekommen und haben Syrien besetzt und zerteilt – und diesen beugen sie sich. Ein Verhalten, das sie seit Jahren an den Tag legen – sich vor den Fremden, den Feinden beugen und dem eigenen Volk Feind sein. Aufgrund dieser Erfahrung sucht das Volk in den DKS-Gebieten Schutz, und das Regime ist darüber erbost und gibt Erklärungen ab, welche die wirklichen Gründe gar nicht berühren. Hunderttausende von Leuten sind vor dem Krieg in die DKS-Gebiete geflohen, aber die Vereinten Nationen arbeiten nur mit dem Regime zusammen.

Bis jetzt hat aufgrund des anhaltenden Embargos und aufgrund der Verbote und Behinderungen durch das syrische Regime noch keinerlei ernsthafte Hilfe die Flüchtlinge diese Gebiet erreicht. Es heißt, das Regime würde es nicht erlauben, dass die internationalen Hilforganisationen diese Gebiete erreichen. „Es ist kein Problem, wenn Zehntausende von Flüchtlingen sterben; es reicht, dass die Hilfslieferungen die Gebiete unter Kontrolle der DKS nicht erreichen“, heißt es. Dass ist die Auffassung der Herrschenden: „Nach mir die Sintflut. Wenn es mir nichts nützt, dann soll es niemandem nützen.“ Das ist, was Syrien gerade erlebt. Entweder man arrangiert sich mit dem Regime, oder alle werden im Feuer verbrennen. Weiß das Regime nicht, dass nicht alles (Oppositionelle) auf die Moslembrüder zurückzuführen ist?

Vier Linien haben sich in Syrien herausgeschält. Die erste ist die traditionelle Linie des Regimes. Die zweite die Linie der reakionären Opposition; sie hat sich anderen Kräften unterworfen. Eine andere ist die Linie des IS, dessen Ende jetzt naht. Und die vierte ist die Linie der Demokratischen Nation. Der gemeinsame Nenner der ersten drei ist Rassismus, Rückschritt, Verleugnung und Zerstörung. Die vierte Linie ist die der Demokratischen Nation: sie vereint alle unter einem Dach, lehrt allen das Zusammenleben und arbeitet mit friedlichen Methoden an der Lösung der zum Bürgerkrieg führenden Widersprüche. Diese Linie verhindert Ungerechtigkeiten, wie dass eine Gruppe oder eine Person die Herrschaft ausüben. Sie entwickelt Übereinstimmung und Respekt zwischen den Völkern. Deshalb wundern sich die anderen Linien und Kreise so über sie.

Gemäß dieser Linie leben Kurden, Araber, Assyrer, Turkmenen, Armenier, Alewiten und Sunniten, Êzidî und Christen friedlich zusammen. Aus ihren Unterschieden wollte man Ursachen für Zusammenstöße bauen. Nach dem Fall von Rakka wollte man dazu aufstacheln. Weil in Rakka einige Stadtviertel noch nicht entmint waren und die DKS den Leuten dehalb den Zugang verwehrte, wollten sie mit diesem Vorwand das Volk zum Aufruhr bringen, zum ersten Aufstand gegen die DKS. Aber die DKS hat das nicht zugelassen. Hätte sie den Leuten den Zugang vor der Entminung erlaubt, dann wäre es zu Toten gekommen, und man hätte die DKS dafür verantwortlich gemacht. Diese Kräfte warten auf eine neue Gelegenheit.