Tabqa: Der IS machte fünf Kinder zu Waisen

ANHA aus Tabqa, 13.10.2017.

Eymen und Elai Ibrahim sind zwei Brüder, die mit ihren Frauen und Kindern zusammen in Tabqa wohnten: Eymen und seine Frau Latife Muhyedin Hicazi mit den beiden Kindern Yusuf und Sundis, Elai und seine Frau Ayşe mit Yesmîn (5), Mihemed (4) und Reyan (3).

Unter der Herrschaft des IS, also vor der Befreiung Tabqa‘s im Mai 2017, kamen die IS-Schergen, ohne einen Grund anzugeben, und nahmen Eymen mit, vier Stunden später auch dessen Frau Latife. Nicht genug damit verhafteten sie danach auch Elai und Ayşe.

Wohin sie sie verschleppten, ist nicht bekannt. Als ihre Verwandten versuchten, nach ihrem Verbleib zu forschen, wurde ihnen das Nachfragen verboten. Später erfuhren sie, dass Elai in Mansura, 20 km östlich von Tabqa, durch Erhängen hingerichtet worden ist und Eymen in Rakka. Der IS hatte nach der Hinrichtung ein Plakat an ihre Füße befestigt mit der Aufschrift: “Erhängt wegen Spionage für die Ungläubigen“.

Was mit den beiden Frauen geschah, weiß man nicht. Denn beim IS werden Frauen nicht öffentlich gehängt, sondern im Gefängnis.Waisenkinder Tabqa

Ansonsten werden Verhaftungen, Folterungen, Hinrichtungen und ähnliche Grausamkeiten in aller Öffentlichkeit vollzogen, entgegen jeglicher Kultur und Sitten der Gesellschaft. Mit Zwang und Terror werden die Bewohner, auch die kleinen Kinder, auf dem Platz versammelt, wo die Folter- und Hinrichtungsmethoden ausgeübt werden.

Diyai Ibrahim, die Schwester von Eymen und Elai, die in ihrer Kindheit durch eine Krankheit blind geworden ist, kann es jetzt noch nicht fassen: „Auch wenn ich nicht sehen kann, so habe ich doch immer vor Augen, wie brutal die IS-Schergen meine Verwandten wegschleppten und wie die Kinder vor Entsetzen schrieen. Das gellt mir immer noch in den Ohren. Das kann ich nicht vergessen.“

Die fünf Kinder, die als Waisen zurückbleiben, leben jetzt bei ihren Großeltern.