Auswirkungen der Kommune-Wahlen auf ganz Syrien

Ilham Ehmed, die Ko-Vorsitzende des Demokratischen Rates von Syrien, betont die Bedeutung der nordsyrischen Kommune-Wahlen vom 22.9.2017 für das ganze Land:

Die Völker, welche die nordsyrischen Gegenden bewohnen, sehen in dem von uns verfochtenen Projekt eine Hoffnung, ein Tor auf dem Weg zur Lösung. Zum ersten Mal in der syrischen Geschichte sind demokratische Wahlen abgehalten worden. Das Volk wollte selbst über alles bestimmen; mit den Wahlen wollte es über seine Zukunft entscheiden.“

Hohes Interesse bei den Arabern

Dass das Volk sein Schicksal heute und seine Zukunft selbst in die Hand nehmen will, ist sehr deutlich geworden, meint Ilham Ehmed und betont, dass gerade in den arabischeen Gebieten das Interesse an den Wahlen sehr hoch ist. Insofern entwickelt sich die Lage immer erfreulicher; es zeigt sich, wie die Verbundenheit und die Beziehungen zwischen den Völkern sich immer enger gestalten. „Das Assad-Regime hat dem arabischen Volk dieser Gegenden gedroht; aber trotzdem haben die Leute grosses Interesse bezeugt. Die Völker lassen sich durch keine Drohung, durch keine Angstmacherei mehr einschüchtern.“

Niemand hat ein Projekt für eine Lösung

Ilham Ehmed erinnert daran, dass das tiefe Chaos in Syrien andauert, und dass die auf militärischem, diplomatischem und politischem Gebiet kämpfenden Kräfte bis jetzt über keinerlei Projekt zur Lösung dieser Krise verfügen. Dem Regime selbst fehlt ein Lösungs-Projekt, fehlen Vorstellungen über die Zukunft, während jetzt die Wahlen den Völkern den richtigen Weg zeigen.

Keine negativen Reaktionen

Weder die USA noch Rußland und die übrigen internationalen Kräfte haben gegenüber den Wahlen eine negative Haltung eingenommen. Diese Kräfte erwarten und bedenken wohl solche Anstrengungen und Lösungen, meint sie, und die Wahlen sind für die derzeit präsenten Kräfte ein Zeichen: „Ein ernsthaftes Zeichen für die Kräfte, die weiter darauf bestehen, den Völkern ihr Existenzrecht abzusprechen und sie zu vernichten. Für die Kräfte, die auf zentralistische und undemokratische Systeme bestehen. Ein Zeichen, das ihnen sagt: ‚Die Zeiten für ein zentralistisches und aufgezwungenes System sind nun vorbei!‘ Wenn die Leute jetzt an die Urne gehen, heißt das: ‚Die Zeiten sind vorbei für eine Verwaltung, für eine Staatsmacht, die man uns aufzwingt‘. Die Völker wollen, dass ihre Forderungen erfüllt werden. Die Wahlen zeigen klar und deutlich, dass nichts mehr so sein wird wie vorher.“

7 Jahre des Zusammenlebens haben sich durchgesetzt

Ilham Ehmed verweist darauf, dass ausser den Kurden auch die anderen Völker großes Interesse an den Wahlen zeigen, was die Frucht von 7 Jahren des Zusammenlebens auf gleicher Ebene ist. „7 Jahre konnte jeder in seiner eigenen Sprache, Kultur und Identität leben. Man kämpfte zusammen, verteidigte dieselben Stellungen, teilte sich das Brot. Die Denkweise, die man sich in 7 Jahren Erfahrung von Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit angeeignet hat, hat sich auch im gesellschaftlichen Verständnis von der Politik durchgesetzt. Die in Nordsyrien existierenden Kulturen, ethnischen Strukturen und Religionen haben diese starken Lektionen sowohl dem Regime als auch den anderen im Lande agierenden Kräften gegeben, indem sie zu den Urnen gegangen sind. Die Völker haben deutlich gemacht, dass sie weiterhin solidarisch unter selbst bestimmter Leitung und Verwaltung leben wollen.“Wahlen Kommunen Ilham Ehmed

Jetzt wird eine Verfassung für das ganze Land entworfen

„Wir bemühen uns, dass in naher Zukunft dieses Projekt auch in andren Gegenden Syriens zur Anwendung kommt. Mit ihrer Teilnahme an der Wahl haben die Völker dem Projekt zugestimmt. Die schon vor den Wahlen begonnenen Arbeiten zur Ausarbeitung einer Verfassung für ein Demokratisches Syrien werden wir jetzt, gestärkt durch die Erfahrung mit diesen Wahlen, mit doppeltem Eifer vorantreiben.“