Rakka: Die Rettung der Zivilbevölkerung

Von Alan Roj, ANHA 26.8.2017

Rakka – Die KämpferInnen der Sondereinheiten zur Rettung von Zivilisten riskieren bei ihren Einsätzen jeden Tag ihr Leben. Bis jetzt wurden allein bei Operationen zur Rettung der Zivilisten 15 KämpferInnen getötet und 25 verletzt. Gerade jetzt, wo die IS-Banditen den siegreichen Abschluss der Befreiungs-Offensive vor Augen haben, setzen sie vermehrt Zivilisten als Schutzschilde gegen die SDK ein.

Um die Stadtviertel El Meşleb, El Sebahiye und El Cezre zu befreien, mussten vor allem die IS-Schutzringe aus Zivilisten überwunden werden. Jetzt haben sie die Zivilisten – Kinder, Frauen und alte Leute – in den Statvierteln Mirur, El Emin, El Reşid, El Sekene und Diriya konzentriert. Um die Zivilisten herum haben sie Minen gelegt und Scharfschützen mit schweren Geschützen postiert.

Für die Befreiungs-KriegerInnen ist die Rettung der Zivilisten am wichtigsten. Dabei werden sie angegriffen von mit Sprengstoff beladenen Fahrzeugen, Selbstmordkommandos und kleinen Offensiv-Trupps. Vor allem die südlichen Viertel Nezlet Şehade und Hişam Bin Ebdulmelik haben viele solcher Überfälle erleben müssen, bevor sie befreit werden konnten, und ebenso das alte Stadtzentrum.

Der IS platziert überall, wo heiße Gefechte ausbrechen, Zivilisten. Und bringt dort Scharfschützen auf den hohen Gebäuden in Stellung. Die Leute, die fliehen wollen, werden getötet. Ein Zivilist, der sich retten konnte, berichtet, dass er von den hohen Gebäuden aus mit Maschinengewehr- und Mörser-Feuer unter Beschuss genommen worden ist. „Um nicht erschossen zu werden, haben wir uns in den Kellern versteckt. Dennoch sind viele Zivilisten verletzt worden, vor allem durch die Minen.“

Der IS hat alle Instrumente und Medikamente in die eigenen Krankenhäuser gebracht. Zivilisten dürfen da nicht rein; die sind nur für die IS-Leute. Die anderen Krankenhäuser und Behandlungszentren wurden in militärische Stellungen umgewandelt. Für die Zivilisten gibt es weder Medikamente noch Milch für die Kinder noch überhaupt Lebensmittel. Die Geretteten erzählen, dass es früher mehr allgemeine und Fach-Kliniken gegeben hat, dass aber etliche in den letzten Jahren durch die Bombenflugzeuge des syrischen Regimes zerstört und die restlichen vom IS in Beschlag genommen worden sind.

Die SDK-KämpferInnen haben mithilfe von „Heyva Sor a Kurd“ und dem Gesundheits-Komitee des Zivilen Rates von Rakka Behandlungszentren eingerichtet, wohin vor allem die Verletzten und die leidenden Kinder und Alten unter den Geretteten gebracht werden. Jetzt gibt es zwei solcher Gesundheitszentren in Stadtnähe sowie drei Erste-Hilfe-Trupps in den befreiten Statvierteln selbst.