Interview mit YJŞ – Kommandantin vor Rakka

Erem Kansoy von der Rakka-Front, YÖP 3.8.2017

Interrview mit der YJŞ-Kommandantin Deniz Şengal:

Die YJŞ (Fraueneinheiten von Şengal) sehen sich vor allem in der Verantwortung, alle bis jetzt gefangenen Êzidî-Frauen zu retten. Mit dieser Mission sind wir heute hier. Wir stehen in Rakka an vorderster Front. Nach allem, was wir erdulden mußten, sind wir jetzt der Dolch im Herzen des IS! Um Rache zu nehmen an unserer ganzen Gewschichte, sind wir hier!“

* Der Beschluß zum Völkermord und Massaker wurde in Rakka, der symbolischen Hauptstadt des IS, gefällt…

– Jawohl, Rakka war das strategische Zentrum der IS-Banden. Den Beschluss zum Ferman fällten sie hier. Den Plan, das Vorhaben dazu haben sie hier entworfen, um dann unser Volk zu ermorden. Insofern hat es für uns eine große Bedeutung, den Feind in seiner Trutzburg zu schlagen…

* Ich war Zeuge, als die YJŞ-Einheit hier ankam (vergl. Info…Nr. 60 vom 10.7.17). An dem Tag haben alle Einheiten durch Euch einen gewaltigen moralischen Antrieb gekriegt. Alle, die euch sahen, waren regelrecht begeistert. Was ist der Grund dafür ?

– Zum Sturm auf Rakka hat sich eine breite Formation zusammengetan. Im Grunde ist das ein Echo auf die moralische Unterstützung, die wir von YPJ, YPG und allen Gruppen der DKS (Demokratischen Kräfte Syriens) bekommen haben. Dass wir jetzt Schulter an Schulter mit ihnen im Kampf gegen den IS stehen, zündet auch die Herzen an. Bis zu den Tagen, wo die Êziden massenhaft massakriert wurden, kannten insbesondere die Frauen weder eine Organisationsdstruktur noch einen Selbstverteidigungsmechanismus. Sie hatten keine Armee. Wir sind sozusagen aus dem Nichts entstanden. Vielleicht ist das der Grund, warum die GenossInnen hier von uns so viel Kraft schöpfen, moralische Stärke, und uns mit lachenden Gesichtern begegnen.

Es ist doch klar, dass die YJŞ für das êzidische Volk und in erster Linie für die êzidischen Frauen sowas wie eine Garantie, eine moralische Kraft darstellen. Und unsere Kämpfer-GenossInnen hier wissen, welche Mission wir haben, und nehmen uns mit warmen Herzen auf. Und das gilt natürlich nicht nur hier an der Kriegsfront. Wir sind eine Quelle der Inspiration in vielen Gegenden der Welt nicht nur für die Êzidinnen, sondern für alle Frauen.

Dass wir sogar an der Rakka-Offensive mitmachen, ist für uns mehr als ein Ansporn, es ist auch eine Chance. Hier ist ja der Ort, wo wir unseren Hass auf den Feind, unseren Zorn, unsere Wut zum Ausdruck bringen und Rechenschaft einfordern können. Das dritte Jahr nach dem Massaker geht jetzt zu Ende, und dass wir hier kämpfen, ist die beste Antwort auf den 73. Ferman. Darin liegt der Grund für unsere Begeisterung. Egal, was noch kommen kann, wir nehmen jetzt unsere Rache!

* Welche Stellung nehmen die YJŞ hier in Rakka ein?

– Sie haben ihren Platz in den militärischen Operationen sowohl bei den Offensiv-Trupps als auch in den vorderen Stellungen und überall dort, wo Sicherheits-Aufgaben zu erfüllen sind. Eine getrennte Gruppe von uns macht vom ersten Tag an bei den Überfall-Aktionstrupps mit. Insgesamt kämpfen die YJŞ bei der Rakka-Offensive in vorderster Front.

* Und welches sind die nächsten Stufen für die YJŞ nach der Befreiung von Rakka?

– Die YJŞ sind keine Rojava-Truppe. Sondern eine, die sich aus Frauen von Şengal zusammensetzt und in Şengal stationiert ist. Es war unser eigener Entschluss, an der Rakka-Offensive teilzunehmen. Ist sie zu Ende, kehren wir nach Şengal zurück. Aber die YJŞ werden, wenn es ihnen notwendig erscheint, an jedem Ort, an jeder Front gegen den Faschismus Stellung beziehen und weiter tapfer kämpfen. Unsere Pflicht und Schuldigkeit ist, die Stellungen in Şengal zu schützen, auszubauen und zu stärken. Aber wir sind entschlossen, von Neuem überall dort, die Befreiung der Frauen es notwendig macht, in den Krieig zu ziehen; in dieser Hinsicht stehen wir als Verstärkung bereit.