PKK: Ein Angriff auf Afrin ist das Ende der AKP-Regierung

ANHA 30.06.2017

Murat Karayılan vom Exekutivkomitee der PKK gab dem Radio “Dengê Kurdistan” ein Interview.

Frage: In den letzten Tagen machte die türkische Regierung immer wieder ihre Absicht deutlich, (den Kanton) Afrin und die Region Şehba zu besetzen. Kommt es demnächst um Afrin und Şehba zu einem Krieg?

Karayılan: Das stimmt, es gibt solche Informationen, und die Medien bauschen das Thema regelrecht auf. Die türkische Regierung hat keine Erfolge in ihrer Politik, insbesondere hinsichtlich Syriens, des Nahen Ostens und Rojava’s. Wenn die Türkei ihre Finger nach Afrin ausstreckt, so hat sie dabei sicher die Billigung von Russland, dem Iran und Syriens. Sonst wäre sowas nicht möglich. Unser Volk muss wissen, dass wenn die türkische Regierung einen solchen Angriff unternimmt, sie das Einverständnis dieser Regierungen hat. Die Hauptrolle dabei spielt Russland. Die Türkei konnte (letztes Jahr) Cerablus und El Bab nur deshalb besetzen, weil Russland, ja sogar die Kräfte der (US-geführten) Internationalen Koalition dies erlaubten. Das ist also eine Sache, die auf internationaler Ebene ausgehandelt wird. Die Türkei macht dafür ein Zugeständnis, gibt etwas her, um sich einen Weg zu eröffnen. So will sie sich in bestimmten Regionen Syriens durchsetzen. In dieser Sache gibt es diplomatische Umtriebe, und auch auf militärischer Ebene hat sie einige Kräfte versammmelt.

Aber ich möchte offen erklären: So wie wir damals sagten, als der IS Kobanê angriff: “Kobanê wird zum Stalingrad des IS werden. Das ist der Anfang vom Ende des IS.” Seither sind 3 Jahre vergangen. Und unsere Worte haben sich bewahrheitet. Kobanê wurde zum Stalingrad, ging sogar über Stalingrad hinaus: Kobanê hat den Sturz des IS eingeleitet. Derzeit erleben wir den Fall von Rakka, der Hauptstadt des IS.

Jetzt sagen wir das Gleiche. Wenn die türkische Regierung Afrin angreift, dann bedeutet das den Anfang vom Ende für das AKP-MHP – Regime. Denn das Volk von Afrin leistet Widerstand. Es wird ein großer Krieg ausbrechen. In diesem Krieg wird das Volk von Kurdistan gewinnen, weil es Recht hat. Es wird nicht so einfach sein, in Afrin einzumarschieren. Einen Kriegszustand dort haben wir jetzt schon. Die türkische Regierung beschießt schon jetzt jeden Tag mit schwerer Artillerie, Panzern und Mörsern das Land von Cindires bis Şehba. Sie spekulieren auf Şehba, das im Osten auf Afrin anschliesst. Das können sie leichter angreifen als das kurdische Afrin, denken sie, weil hier vor allem Araber und Turkmenen leben. Afrin ist ein dicker Brocken, das könnte für sie zu einem Kobanê werden.

Eher greifen sie an der Şehba-Front an. Hier sind die Kräfte von Ceyş El-Suwar, der Revolutionären Armee. Hier siedeln Araber und Turkmenen, aber auch Kurden. Und die YPG-YPJ sind auch präsent. Es würde also zu einem erbitterten Krieg kommen. Werden die Türken sowas anzetteln oder nicht? Immerhin ist die Gegend der türkischen Regierung nicht schutzlos ausgeliefert. Es ist ja nicht so, dass die Türken nur zu kommen brauchen und das Land besetzen. Sie werden auf erbitterten Widerstand stossen.

Und ein Krieg um Şehba würde nicht auf Şehba beschränkt bleiben. Wenn die türkische Regierung neues kurdisches Gebiet besetzt, kann es zu einem neuen Krieg zwischen Kurden und Türken kommen. Es wird eine neue Situation entstehen. Denn die Kurden sind jetzt stark. Die Revolution von Rojava gibt ihnen viel Kraft. Was großen Armeen nicht gelang, das hat die YPG fertiggebracht, gegen Rakka und Umgebung.

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