Bericht von der Rakka-Front: Rettung der Zivilisten

Nazım Daştan, DIHABER/Rakka, 25.7.2017

Heute ist der 50. Tag des „Großen Krieges“, wie die DKS (Demokratischen Kräfte Syriens) die Rakka-Offensive nennen. Die Befreiung der Stadt kann noch Monate dauern. Denn die DKS gehen Schritt für Schritt vor. Ihr oberstes Anliegen: die Zivilbevölkerung zu retten. Dafür haben sie Sondereinheiten gebildet. Ihre Aufgabe: Korridore herzustellen und zu sichern, durch welche die Zivilbevölkerung sich retten kann. „Bericht von der Rakka-Front: Rettung der Zivilisten“ weiterlesen

„Die Syrien-Krise wird durch das föderale System gelöst werden“

Hediye Yusuf im Interview mit der Nachrichtenagentur ANF, 27.07.2017

Die Ko-Vorsitzende des Rat der Demokratischen Föderation Nordsyrien Hediye Yusuf hat in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ANF über das Lösungspotential eines föderalen Systems für die Krise in Syrien gesprochen.

Im Folgenden veröffentlichen wir in Auszügen die Erklärungen Yusufs:

 „Rakka wird die Tür für eine Lösung öffnen“

„Die regionalen Mächte hatten bezüglich Syriens immer ihre Pläne. Der türkische Staat und viele Staaten in der Region wollten an der Rakka-Offensive teilnehmen, doch keine ihrer Rechnungen ist aufgegangen. Die FSA-Gruppen gehen sich in Nordsyrien gegenseitig an die Gurgel. Der türkische Staat versucht Azaz, Idlib, Cerablus und Bab mit diesen bandenartigen Gruppen zu kontrollieren. Die Lösung der syrischen Krise ist an die Befreiung Rakkas gebunden. Die Demokratischen Kräfte Syriens setzen ihren Kampf gegen den IS überall fort. Es gibt einen großen Widerstand in Rakka. Hunderte Zivilisten werden Tag für Tag gerettet. Der IS-Terror hat seine Macht in Rakka verloren. Mit der Befreiung Rakkas wird eine neue Tür für eine dauerhafte Lösung der Krise in Syrien geöffnet. Der Widerstand, den die SDF in Rakka vorgezeigt haben, hat ihnen neues Ansehen gebracht. Sie sind die zentrale Armee Syriens.“

„Die demokratischen Kräfte Syriens haben Ansehen gewonnen“

Die Demokratischen Kräfte Syriens haben gegen den IS-Terror drei Jahre lang Widerstand geleistet. In Shaddadi, Hawl, Tishrin und Manbij legten ihre Operationen diesen großen Widerstand dar. Die Verteidigung der syrischen Revolution und der Menschen, die in Syrien leben, wird durch die Demokratischen Kräfte Syriens verwirklicht. Sie gewinnen eine neue Form des Ansehens auf der internationalen Ebene als die Armee Syriens. Rakka wurde die Hauptstadt des IS. Und die syrische Bevölkerung möchte den IS loswerden. Die neue gesetzliche Garantie und Verteidigungskraft des Volkes sind die Demokratischen Kräfte Syriens.

„Das vernünftigste Modell für die Krise“

Die Krise und das Chaos in Syrien haben eine neue Phase erreicht. Die USA, Russland und die internationalen Kräfte suchen nach einem neuen konstitutionellen Arrangement für Syrien. Mit der Befreiung Rakkas wird sich das politische Gleichgewicht verändern. Syrien sollte eine demokratische Lösung anstreben und die Bevölkerung sollte sich in einem neuen gesetzlichen System repräsentieren können. Das föderale System ist die Adresse für eine Lösung der Krise. Als alternatives Modell gegen das zentralistische System war die Demokratische Autonomie das grundlegende Modell hierfür in Nordsyrien. Was wir auf der internationalen Ebene nahelegen und fördern ist das föderale Modell. Es ist das vernünftigste Modell für die Krise Syriens.

„Die Türkei hat verloren“

Die Türkei ist ein NATO-Staat. Sie gehen durch eine schwierige Krise im Mittleren Osten. Sie haben wiederholt Pläne für eine Invasion Syriens vorbereitet. Sie möchten die Rojava-Revolution aufhalten. Erdoğan und die AKP-Regierung nehmen die Bevölkerung Syriens in Form der kurdischen Bevölkerung ins Visier. Sie wollen nicht, dass das föderale System realisiert wird. Der türkische Staat führt eine Politik der Verleugnung und der Auslöschung auf allen Ebenen Kurdistans. Sie versuchen die Menschen Nordkurdistans in die Fänge des Völkermords treiben. Sie legitimieren eine Politik, die sowohl die syrischen Kurden als auch unsere Bevölkerung in Nordkurdistan kulturell, politisch und militärisch zerschlagen soll. Erdoğan zerstört ganze Kulturen und Völker im Mittleren Osten um sie seinen hegemonialen Interessen zu opfern.

„Wir diskutieren mit Russland, Iran und dem Regime“

Das Baath Regime weiß, dass Syrien nicht so weiter regiert werden kann wie zuvor. Wir waren nie für eine Spaltung Syriens. Syrien ist in diese Lage gekommen, weil das System zentralistisch war und der Nationalstaat in einer Krise steckt. Regionale Kräfte handelten zugunsten ihres eigenen Interesses und brachten das Gleichgewicht durcheinander. Die Stadt Rakka wird ein Fundament für die Völker Syriens und das föderale System sein. Wir diskutieren mit Russland, Iran und dem Assad-Regime über die Sicherheit des föderalen Modells und der syrischen Bevölkerung. Es gab einen Kampf gegen den IS-Terror. Das neue Syrien und die Freiheit der Völker sollte unter dem Dach der Föderation aufgebaut werden.“

 

 

 

 

In Tabqa wird ein neues Gerichtswesen aufgebaut

ANHA aus Tabqa, 28.7.2017

(Tabqa ist eine Kleinstadt am Euphrat 50 km westlich von Rakka, die Anfang Mai 2017 von der IS-Tyrannei befreit worden ist.)

Im Rahmen des Aufbaus einer gesellschaftlichen Selbstverwaltung in Tabqa wurde in den letzten Tagen der Soziale Gerichtshof gegründet. Für 27 TeilnehmerInnen begann nun ein fünfzehntägiger Ausbildungskurs. „In Tabqa wird ein neues Gerichtswesen aufgebaut“ weiterlesen

Hier haben sie mich als Sklavin verkauft

(Wir berichteten im Info Nr. 60, dass Kämpferinnen der YJŞ (Fraueneinheiten von Şengal) an der Rakka-Front eingetroffen sind, um Rache zu nehmen.)

Hêzda Şengal ist eine von den Tausenden Êzidî-Frauen, die der IS nach dem 3. August 2014 versklavt und verkauft hat. Sie konnte nach 10 Monaten Gefangenschaft fliehen und kehrt nun als YJŞ – Kämpferin zurück. Sie zeigt im Sînaa-Viertel von Rakka auf ein Gebäude mit roten Ziegeldach: “Diese Schule da drüben haben sie als Frauenmarkt benutzt. Und jetzt sind wir dabei, diesen Ort zu befreien!”

 

Êzidin befreit Rakka

 

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Der Mittlere Osten nach dem Islamischen Staat

Die Rolle regionaler staatlicher und nichtstaatlicher Akteure und Europas bei der Stabilisierung des Mittleren Ostens, Civaka Azad Dossier Nr. 11, 18.07.2017

Die Entwicklungen im Mittleren Osten stehen kurz vor entscheidenden Veränderungen. Der seit 2014 andauernde Krieg gegen den Islamischen Staat (IS) findet derzeit mit den erfolgreichen Operationen in Mossul (Nordirak) und Rakka (Demokratische Föderation Nordsyrien) seinen Abschluss. Während in beiden Städten der militärische Kampf gegen den IS mit voller Intensität andauert, werden auf politischer Ebene die Karten für die Zeit nach dem IS bereits neu gemischt. „Der Mittlere Osten nach dem Islamischen Staat“ weiterlesen

Frauenkommandantin Rakka: Uns geht es nicht nur um Eroberung von Land

ANF-Korrespondentin Hîvda Hebûn aus Rakka, 14.7.2017
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Clara Rakka stammt selbst aus der Stadt Rakka. Heute ist sie Kommandantin der SDK (Syrischen Demokratischen Kräfte) und der YPJ (Frauenverteidigungseinheiten) an der Front von Rakka. Sie beantwortet die Fragen der ANF-Korrespondentin zur Rolle der Frauen im Krieg. „Frauenkommandantin Rakka: Uns geht es nicht nur um Eroberung von Land“ weiterlesen

Türkei bombardiert Flüchtlingslager in Nordsyrien

 Nach dem Flüchtlingsdeal der EU mit der türkischen Regierung hat letztere ihre Grenze für syrische Flüchtlinge dichtgemacht. Wie? Ganz einfach: mit Schießbefehl.
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Im befreiten Nordsyrien haben bereits 1 Million Menschen Zuflucht gefunden, und täglich kommen neue an. Kein Wunder: hier werden sie alle aufgenommen und versorgt, nicht schikaniert und diskriminiert wie in der Türkei oder auch bei uns. Die befreiten Gebiete Nordsyriens unter demokratischer Selbstverwaltung wirken wie ein Magnet.

Internationale Hilfe ist bisher nicht angekommen. Die türkische Regierung hat die Grenzen hermetisch abgeriegelt. Inzwischen geht sie dazu über, auch die Flüchtlingslager im befreiten Nordsyrien gezielt zu beschiessen. (Redaktion) „Türkei bombardiert Flüchtlingslager in Nordsyrien“ weiterlesen

Neues vom Frauendorf in Rojava

Gazete Şûjin vom 12.7.2017; aus Dırbêsıyê (Nordsyrien)
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Das Besondere am Dorf Jinwar: es ist das erste Frauendorf im Mittleren Osten, und hier wird das ureigene Leben der Frauen in einer Kommune organisiert. Jede neue Baustelle, die hier in Angriff genommen wird, verstärkt die Zuversicht auf ein freies Leben für die Frauen. „Neues vom Frauendorf in Rojava“ weiterlesen

Erstes Bataillon arabischer Fauen

YÖP 12.7.2017 (ANHA aus Provinz Dayr Az-Zor)

Unter dem Dach der SDK (Syrischen Demokratischen Kräfte) wurde von arabischen Frauen das “Arabische Frauen-Bataillon Şehit Amara” aufgestellt. Da immer mehr arabische Frauen sich den Reihen der SDK anschliessen, wurde ein eigenes Bataillon für sie gegründet. In einer Erklärung wurde darauf hingewiesen, dass dies ein Novum in der arabischen Geschichte ist – aber es ist nur ein Anfang; auch in anderen (befreiten) Gegenden wird es bald solche Bataillone geben. „Erstes Bataillon arabischer Fauen“ weiterlesen

Tabqa (Nordsyrien): 38 IS-Kriegsgefangene freigelassen

ANHA Tabqa, 10.7.2017
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Auf Betreiben des Zivilen Rates von Tabqa und arabischer Stammesführer wurden 38 junge Leute von Tabqa, die beim IS engagiert waren, aber an deren Händen kein Blut klebte, nach Gesprächen mit den SDK (Syrischen Demokratischen Kräften) freigelassen. „Tabqa (Nordsyrien): 38 IS-Kriegsgefangene freigelassen“ weiterlesen