Was für die Frauen von Rakka die Befreiung bedeutet

Bericht von Ruhenda Amed, Gazete Şûjin, 23.06.2017

Vor allem den Frauen der YPJ ist es zu verdanken, dass die Wunden, welche den Frauen von Rakka fünf Jahre lang vom schlimmsten Fluch auf der Welt zugefügt worden sind, jetzt gelindert werden. Es sind die Frauen der YPJ, welche den aus der Schreckensherrschaft des IS befreiten Frauen zur Hoffnung geworden sind, nicht als militärische Kraft, sondern weil sie ihnen mit ihren Händen das Tor zur Welt wieder aufstoßen. (…)

Die von den DKS (Demokratischen Kräften Syriens) begonnene Rakka-Offensive schreitet voran. Mit zwei Armen, vom Westen und vom Osten, stoßen die DKS-Kämpfer auf den Stadtkern vor und verwickeln die IS-Banditen in schwere Kämpfe. Bis jetzt wurden an der Ostfront die Stadtteile El Meşreb und Sinaa befreit, an der Westfront die Stadtviertel Sebahiye, El Cezra und Romaiye. Noch müssen in den befreiten Vierteln erst die Minen und Fallen geräumt werden; die DKS-Kämpfer versorgen die Bewohner solange mit Lebensmitteln und bringen sie in sichere Gebiete.

Vielen Bewohnern Rakkas gelingt, weiße Tücher schwenkend, die Flucht in die Freiheit. Was die Bewohner der befreiten Dörfer angeht, so führen sie ihr gewohntes Leben weiter. Sie bearbeiten die Felder, bewässern die Gärten, weiden das Vieh. Frauen, die wir bei der Feldarbeit treffen, berichten uns: “Der IS nahm uns von allem, was wir ernteten, die Hälfte als Zekat-Steuer (eigentlich: Almosen); deswegen haben wir unsere Felder gar nicht mehr bearbeitet und geerntet. Jetzt sind dier DKS gekommen, und wir können wieder tief Luft holen”.

Die Frauen umarmen die YPJ-Kämpferinnen

Die in dieser historischen Offensive befreiten Frauen umarmen und küssen als Erstes die YPJ-Kämpferinnen, spielen diese doch eine führende Rolle bei der Befreiung der Stadt. Mit lachenden Gesichtern und strahlenden Augen werfen die Frauen die schwarzen Umhänge weg, Zeichen dafür, unter welchem Joch sie hatten leben müssen. Sie umarmen die Kämpferinnen so fest und wollen ihnen so viel erzählen, als wollten sie damit ihre erlebten Schmerzen von Grund auf tilgen und ein neues Leben finden.

“Gott sei Dank, dass ihr gekommen seid!”

Jeder Bewohner der Stadt hat eine Geschichte zu erzählen; alles dreht sich um die Barbareien des IS, wie die Frauen auf Sklavenmärkten verkauft wurden, wie auf den öffentlichen Plätzen Frauen gesteinigt, wie sie bei lebendigem Leibe verbrannt wurden… Sobald die befreiten Frauen die YPJ-Kämpferinnen sehen, müssen sie ihnen von den Gräueln erzählen. Wie wenn der IS ihr Leben in eine dunkle Wolke getaucht hätte. Das ganze Volk hat wie in einem Alptraum gelebt. Wenn die Bewohner sicheres Gebiet erreichen, stoßen sie als erstes aus: “Gott sei dank, dass ihr gekommen seid; jetzt ist der Schrecken endlich vorbei!”

“Hamdullah, dass ihr gekommen seid. Wir haben so auf euch gewartet! Möge Allah euch schützen und unterstützen!”

“Wenn eines dieser kleinen Mädchen von zuhause rauskam, ohne seine Haare zu bedecken, dann passierte etwas Schreckliches.”

Das erzählen sie: “Wir konnten nicht einmal den Kopf nach außen strecken. Wir Frauen durften allein nicht auf die Straße gehen. Unsere Kinder durften nicht die Schule besuchen. Sie haben Koranschulen eröffnet und unsere Kinder gezwungen, Religionsunterricht zu nehmen. Unsere Töchter zwangen sie, mit ihnen zu heiraten, und wenn diese nicht einverstanden waren, wurden sie beschuldigt, Ungläubige zu sein, wurden öffentlich verleumdet und gesteinigt, vor allen Leuten. Wenn wir ohne schwarzen Umhang auf die Straße gingen, verprügelten sie uns öffentlich. Einmal entdecktern sie eine Tätowierung am Handgelenk einer Frau und kratzten sie mit dem Messer weg – so folterten sie uns.”

Die YPJ ist die Hoffnung der Frauen

Was sie an Scheußlichkeiten erzählen, schnürt einem die Kehle zu. “Diese Tage wollen wir auf keinen Fall mehr erleben; wir wollen sie ein für alle Mal vergessen und wieder zu einem normalen Leben zurückfinden”, sagen die Frauen, und dass die YPJ ihre Hoffnung ist.

Diese Gegenden sind 5 Jahre lang mit dem Fluch der schlimmsten Schmerzen, die es auf der Welt gibt, belegt worden. Und die DKS-KämpferInnen bemühen sich, sie zu lindern. Vor allem die YPJ-Kämpferinnen spielen dabei die Hauptrolle. Die YPJ ist die Hoffnung der Frauen. Nicht nur als eine militärische Kraft unter den Bedingungen des Krieges, sondern als Frauen, die schöpferisch tätig sind und ihnen die Welt öffnen. (…)

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