Im befreiten Tabqa wird die Selbstverwaltung aufgebaut

ANHA (ge/cj) aus Tabqa (Nordsyrien), 10.6.2017

(Tabqa liegt am Assad-Stausee 50 km westlich von Rakka und 150 km östlich von Aleppo. Die Stadt wurde nach einer 50 Tage dauernden Militär-Operation am 10. Mai 2017 von der IS-Herrschaft befreit. Die DKS (Demokratischen Kräfte Syriens) übergaben sie dem Zivilen Rat von Tabqa. Seither wird in fiebriger Eile die Selbstverwaltung aufgebaut.)

Der Zivile Rat organisierte am 15. Mai die Gründungsversammlung des Stadtrates mit 51 Mitgliedern. Gewählt wurden Rewş Hemî und Ahmet Şaban als Ko-Vorsitzende sowie deren StellvertreterInnen. Außerdem wurden die verschiedenen Komitee (Ausschüsse) zusammengestellt, welche sich um Verwaltung, Versorgung und Organisierung kümmern. Als erste Aufgabe packte man die Aufräumarbeiten an. Und gleichzeit ging es darum, die über 50 000 geflohenen Stadtbhewohner, die nun wieder heimkehrten, mit Wasser und Brot zu versorgen, sowie die Stromleitungen zu reparieren.

Stadtteilräte, Frauenkomitees: Gleichzeitig wurden in den 26 Stadtbezirken die Stadtteil-Räte aufgestellt, jeder mit seinen jeweiligen Komitees für die verschiedenen Funktionen. Dabei spielen die Frauen eine aktive Rolle: Hunderte von Frauen sind in den Stadt-Räten aktiv und bilden auch Frauen-Komitees in den Stadtteilen. Das ist das erste Mal, dass sich die Frauen auf derart breiter Ebene organisieren.

Tabqa: Wahl eines Frauen-Komitees (Bild)

 

Versorgung: Das Versorgungskomitee des Stadtrates setzte 3 Kornmühlen wieder in Gang, die täglich 10 to Korn zu Mehl mahlen, welches dann an die 8 funktionierenden Brotbäckereien geliefert wird – 4 weitere sind vom IS darart sabotiert worden, dass sie nicht mehr funktionsfähig sind. Immerhin werden bereits 8 000 “Brotkörbe” (zu je 12 Broten?) jeden Tag gebacken.

 

Tabqa: Getreidemühle (Bild)

Das Versorgungskomitee hat zur Wasserversorgung auch 12 Motoren, welche an den Verteilstellen das Wasser zuleiten, wieder in Gang gesetzt: das erste und zweite nördliche Stadtviertel sowie einige Dörfer werden schon wieder mit Wasser aus der Leitung versorgt, wenn auch nur während 8 Studen täglich. An den anderen Verteilstellen wird mit Hochdruck an der Reparatur der Dynamos gearbeitet.

Gesundheitswesen: Das Gesundheitskomitee plant, an bestimmten Stellen der Stadt Gesundheitszentren zu eröffnen. In Mahmûdlî Köyü funktioniert eines bereits.

Der Stadtrat hat den größten Teil der Stadt bereits gesäubert, und der Zentrale Markt ist tagsüber wieder geöfffnet. Läden, die beschädigt worden waren, sind wieder repariert und haben wieder geöffnet. Die Bewohner können überall wieder einkaufen.

Stromversorgung: Als die KämpferInnen die IS-Banditen um den Staudamm umzingelt hatte, fluteten letztere die unteren Abschnitte. Deshalb sind jetzt einige technische Anlagen kaputt. Außerdem beschädigten die IS-Banditen die 8 Generatoren des Staudamms. Jeder Genertor könnte 100 MW Strom produzieren. Für die Versorgung von Tabqa reichen schon 50 MW.

Von Rojava kamen Fachleute, nämlich vom Tişrîn-Staudamm und aus Girê Spî, zur Reparatur, die noch andauert. Sie arbeiten unter Hochdruck (…)

Sicherheit: Um Sicherheit und Ordnung in der Stadt zu gewährleisten, hat der Stadtrat Sicherheitskräfte aufgestellt. Die Verkehrspolizei ist ein Teil davon; sie versucht, den Verkehr in der Stadt zu regeln.

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