Revolutionäre Gesundheitserziehung

ANHA / Qamişlo, 5.5.17

Die Konferenz zur Gesundheitserziehung von Rojava in Qamişlo zählte 350 TeilnehmerInnen. Sie stand unter der Losung “Eine Gesellschaft, die ihre Probleme der physischen und seelischen Gesundheit löst, ergreift die Möglichkeit zu ihrer Befreiung”. Am 30. April gab sie folgende Schlußerklärung bekannt:

Begründung 1:

Der Mittlere Osten durchlebt eine historische Phase von dichtem politischen, militärischen und ideologischen Kampf. Für die Kurden haben sich sehr große Gewinnmöglichkeiten, Gelegenheiten und Chancen eröffnet. Aber aufgrund der uns aufgezwungenen Kriegsbedingungen und der Unzulänglichkeiten des Erziehungswesens des (Assad-)Regimes sind diese Möglichkeiten bisher nicht ergriffen worden. Um die Ungleichheit der Chancen zu beseitigen…

Beschluss 1:

…ist es unabdingbar, dass gemäß dem Paradigma einer Demokratischen Nation die SchülerInnen beginnend mit der Grundschulphase bis zum gymnasialen Niveau Gesundheitsunterricht genießen. Das heißt, dass alle, die eine zehnjährige Schulausbildung haben und alle Leute im Alter zwischen 18 und 32 Jahren einen Anspruch auf Gesundheitserziehung haben.Begründung 2:

Damit beim Aufbau eines freien Lebens wir wieder zu einer Gesellschaft zurückfinden, in der Natur und Gesellschaft eins sind, darf auf keinen Fall versäumt werden, dass Akademien eröffnet werden, wo jede und jeder ein Mindestmaß an Unterricht kkriegen kann, jedes Individuum im Schoße der Gesellschaft. Diese Akademien bilden eine Alternative zu den wissenschaftlichen Organismen, welche die Wissenschaftsproduktion monopolisieren, und ermöglichen es gleichzeitig dem Volk, an der Wissenschaftsproduktion teilzunehmen.

Beschluss 2:

Damit ein ‘gleiches, kostenloses, muttersprachliches und auf universalen Prinzipien gestütztes’ Unterrichtssystem tatsächlich realisiert wird, müssen die Lebensbedingungen der SchülerInnen kostenlos und bedingungslos gesichert sein.

Begründung 3:

Während der ganzen Dauer des Gesdundheits-Unterrichts dürfen die SchülerInnen auf keinen Fall in eine passive Lage verfallen. Auf allen Stufen muss mit den SchülerInnen auf Zusammenarbeit der Akzent gelegt werden, sei es bei der Aufstellung des Lehrplans oder wie der Unterricht ablaufen soll. Sowohl was die Probleme des existierenden Gesundheitssystems angeht, als auch die Art, wie auf diese Probleme im Unterricht eingegangen wird und wie die persönlichen Unterrichtsprobleme gelöst werden, dürfen die GesundheitsschülerInnen nicht in Passivität versetzt weren, sondern sie müssen aus eigenem Antrieb die Probleme anpacken und ihre eigenen Fähigkeiten einsetzen, um Anteil zu nehmen am Aufbau eines Gesundheits-Unterrichts, der die natürliche Gesundheit zum Ziele hat.

Beschluss 3:

Dazu ist es nötig, dass die SchülerInnen auf allen Stufen der Verwaltung der Gesundheits-Akademien ihren Platz haben.

Begründung 4:

Die Frauen müssen für ein neues Gesundheitsverständnis ihre Führungsrolle selbst finden. Gesundheit wieder zu einer Kultur zu machen, kann nur durch eine Frauengesundheitsbeweegung erreicht werden. Die Wissenschaft von der Medizin kann nur durch eine Frauengesundheitsbewegung umgewandelt werden von einem Medizin-Verständnis, in dem die Grenzen unserer Existenz von der Männerherrschaft gezogen werden, zu einem Verständnis einer Wissenschaft für den Menschen und das Leben. Von Wissenschaft und Medizin, bei denen die weiblichen Werte sorgfältig aussortiert wurden, müssen wir wieder in die Wissenschaft und Medizin eintauchen.

Beschluss 4:

Da das Leben weiblicher Werte wieder gefunden werden muss, ist es notwendig, dass bei der Zahl der in die Gesundheitsakademien aufgenommenen Studierenden und auf ihren Leitungsebenen mindestens die Hälfte Frauen sind.

Begründung 5:

Im Erziehungswesen bildet für alle prinzipiellen Betrachtungen das  Paradigma der Demokratie, der Ökologie und der Freiheit der Frauen die Grundlage.

Beschluss 5:

Deshalb müssen, damit bei den Erziehenden und den Schülern das Bildungsverständnis lebendig wird, die ideologische Erziehung von der Philosophie der demokratischen Nation und des Freien Lebens stattfinden.

Begründung 6:

Um eine demokratische Teilnahme am Erziehungssystem sicherzustellen, werden sämtliche Schichten der Gesellschaft in jeder Phase präsent sein. In der Absicht, die demokratische Teilnahme zu realisieren, interveniert das Volk in allen Phasen der Planung, der Durchführung und der Kontrolle des Unterrichts. Die Rolle des Volkes bei der Produktion und Anwendung von akademischem Wissen ist von größter Wichtigkeit.

Beschluss 6:

Um die demokratische Teilnahme am Erziehungswesen zu sichern, müssen in der Leitung der Gesundheitsakademien und in den Gesundheitsräten der Gesdundheitsakademien VertreterInnen des Volkes teilnehmen.

Begründung 7:

Um das Erziehungswesen zu demokratisieren, ist darauf zu achten, dass die Interessen des Volke im Vordergrund stehen, dass das von der Gesellschaft kreierte Wissen zur Sprache kommt, dass in Koordination mit den Meistern und Technikern zusammengearbeitet wird und dass die Hierarchien unter den Berufen eingeebnet werden. Ausbildung nach der Logik des Wissensmonopols,des Marktes, der Männerherrschaft und der Fachidiotie wird abgelehnt.

Beschluss 7:

Um das Verständnis für ein kollektives und gesellschaftliches Erziehungswesen zu fördern, nimmt jeder/ jede auf allen Stufen teil, ohne sich von den Fachleuten zu isolieren.

Begründung 8:

Da der Mensch ein gesellschaftliches und soziales Wesen ist, hängt seine Kultur von den angesammelten gemeinsamen Erfahrungen ab. Diese sind der Evolution und den Sitten unterworfen und erneuern sich ständig. Die Gesellschaften und jede Zelle dieser Gesellschaften sind im Wechselspiel mit der Natur, und die daurch bewirkten Veränderungen in der Natur beeinflussen ihrerseits auch die Menschen.

Beschluss 8:

Das traditionell angesammelte Wissen muss weiterentwickelt werden; aber gleichzeitig muss das angesammelte Wissen über die Gesundheit im Lehrplan präsent sein als Unterricht in traditioneller (oder Natur-) Medizin.

Begründung und Beschluss 9:

Um das, was im Unterrichtssystem dieses Schuljahres noch unzulänglich und fehlerhaft ist, zu korrigieren, müssen vertiefte Diskussionen geführt werden, so dass auf einer Konferenz über Gesundheitserziehung ein Jahr später die notwendigen Beschlüsse gefasst werden können.

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