Verkehrte Welt? Das Pentagon muss der Türkei die Revolution von Rakka erklären

Mit amerikanischer Militärhilfe sind die “Demokratischen Kräfte Syriens” dabei, Rakka, die syrische Hauptstadt des IS, zu befreien. Auf was lässt sich die Revolutiuon da ein? General-Lieutnant Townsend, der operative Oberbefehlshaber der Koalitionsstreitkräfte im Nahen Osten, erklärte am 30.3.2017 auf einer telefonischen Presse-Konferenz aus Baghdad, die Perspektiven für Rakka. Daraus zwei interessante Auszüge:

Joe Tabet (Zeitung Al Hurra) fragt:
General Townsend, der prominente kurdische Führer Muslim verkündete letzte Nacht, dass Rakka Teil des kurdischen Bundesstaates sein wird… Wie passt das, was die kurdischen Führer sagen, zusammen mit dem, was auf der anderen Seite Ihr Verbündeter, die Türkei, sagt? Ihr Kommentar dazu?

Townsend:

Tja, mein Kommentar ist, dass ich wirklkich nicht viel dazu zu sagen habe. Ich bin nicht… es ist nicht meine Aufgabe, einen kurdischen föderierten oder föderativen Staat, egal wie Sie ihn nennen, zu schaffen, und es ist nicht… wir befreien Rakka nicht für irgendeine Partei. Tatsache ist doch, was wir mit den Demokratischen Kräften Syriens sehen, auch wenn sie vielleicht zum großen Teil kurdisch geführt werden, sind sie doch zu mehr als die Hälfte Nicht-Kurden. Zumeist Araber, einige andere, einige Turkmenen und einige andere.

Aber die Kurden sind nur etwa 10 %, weniger als 10 %, der Bevölkerung Nordsyriens. Also da kann ich überhaupt nicht erkennen, wo derzeit ein kurdischer föderaler Staat in Nordsyrien ist. Meine Meinung ist, dass die Leute von Nordsyrien, und zwar alle, die Araber, die Kurden, die Turkmenen und weitere, bestimmen, wie ihre Zukunft aussehen wird. Also ich kann da keinen kurdischen föderalen Staat erkennen, und ich sehe nicht, ich weiß nicht, wie Rakka ein Teil davon werden soll oder nicht. Unser Job ist doch, Nordsyrien von ISIS frei zu machen, und das tun wir gerade. Nachfrage:

Wie sehen Sie Rakka nach der Befreiung? Können Sie zusichern, dass die Kurden dort nicht präsent sein werden? Können Sie erwarten, dass das US-Militär dort präsent sein wird, mit den Stiefeln auf dem Boden, mitten in Rakka?

Townsend:

Also… wie wird es in Rakka nach der Befreiung aussehen? Also, Rakka ist ziemlich, mit überrwiegender Mehrheit, eine arabische Stadt. Und die Syrischen Demokratischen Kräfte rekrutieren Syrer… sie erweitern die Syrische Arabische Koalition, die einen Teil ihrer Formation bildet, um Rakka zu befreien. Sind unter denen, die um Rakka kämpfen, auch Kurden dabei? Aber sicher. Denn es sind Kurden von Rakka. Rakka ist nicht homogen. Alle Völker, die in Nordsyrien leben, leben auch in Rakka. Einige Kurden kämpfen also auch dort, einige kurdische Einheiten kämpfen dort. Ich erwarte nicht, dass kurdische Einheiten in Rakka bleiben. Was wir gesehen haben, wenn die Syrischen Demokratischen Kräfte gut 20 % oder mehr von Nordsyrien befreit haben, so haben sie die Kämpfer in dieser Gegend rekrutiert. Die führen die Angriffe durch, um ihre eigenen Städte und Dörfer zu befreien.

Und wenn die befreit sind, dann überlassen sie den lokalen Kämpfern, Arabern, Kurden, Turkmenen usw., für die Sicherheit zu sorgen, überlassen den Leuten die Verwaltung und ziehen weiter. Also nochmal, die Kurden machen nicht mehr als 10 % der Bevölkerung aus. Die können doch nichts mit Gewalt durchsetzen. Sie können nicht regieren und diktieren, was in Nordsyrien passiert. Sie führen an und bringen die Koalitionen zusammen, die sie brauchen, um Rakka zu nehmen. Ich denke, nach dem Kampf werden wahrscheinlich wenige kurdische Kampfkräfte in Rakka sein, wahrscheinlich gar keine, da sie demographisch dort nicht viel ausmachen. Sie werden es den Bewohnern von Rakka übergeben, damit diese selber für die Sicherheit und für die Verwaltung sorgen.

Was Ihre Frage angeht, ob amerikanische odeer Koalitions-Kräfte Rakka betreten werden – ich würde das nicht voraussagen und auch nicht anstreben. Ich würde sagen, wir haben Berater am Boden, und sie werden unsere Partner begleiten, wo immer es nötig ist, um den IS zu besiegen. Genauso wie in Mossul. (…)

Kasim Ileri von der offiziellen türkischen Nachrichtenagentur “Anadolu Ajansi”:

(…) Sie sagten, sie sähen für die Zukunft keinen födrativen kurdischen Staat in Nordsyrien, weil die Kurden dort 10 % der Bevölkerung ausmachen. Aber ich denke, Sie merken gar nicht, was die machen und was die sagen. Sie haben Kantone errichtet. Und sie sagen, sie wollen sie verbinden und sie zusammenhalten dort unten. Und bei jeder Gelegenheit sagen sie, sie bewegen sich hin zu einem föderativen Staat da unten.

Was Sie sagten, scheint nicht kompatibel zu sein mit dem, was sie (die Kurden) gerade dort unten tun. Können Sie für uns diese Quadratur des Kreises lösen? Haben Sie ihnen klargemacht, was Sie denken? Oder haben die Ihnen privat etwas anderes gesagt als öffentlich?

Townsend:

Danke für die Frage. Es hört sich an, als hätten Sie eine politische Absicht. Ihre Frage ist alles andere als neutral. Wie wenn Sie mich zu einer bestimmten Aussage bringen möchten.

Aber ich will Ihnen Folgendes sagen: Ich hatte private Gespräche mit unseren Partnern von den Syrischen Demokratischen Kräften, untr ihnen Kurden, Araber und Turkmenen. Unter ihnen Christen, Musleme und Konfessionslose. Ich habe mit ihren Kommandierenden gesprochen. Tatsächlich ist der Oberkommandierende der Rakka-Operation ein geborener Araber, der in Tabqa (bei Rakka) aufgewachsen ist. Was ich gesehen habe, ist: Höchstwahrscheinlich eine ganz schön breite Koalition von Leuten, und die Kurden stellen wohl die Führung. Denn sie verfügen über eine Führung, die in der Lage ist, diese Herausforderung aufzunehmen. Und sie stellen ihre organisatorische Fähigkeit zur Verfügung. Aber ich sehe ein wachsendes Kontingent von 23 000 bis 25 000 Arabern, die sich in Marsch gesetzt haben, um ihren Teil Nordsyriens zu befreien. Ich sehe aber keinen kurdischen Staat. Ich sehe eine multi-kulturelle, multi-parteiische, multi-ethnische und multi-konfessionelle syrische Region, die gerade vom IS befreit wird.

 

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