Rojava: Absprachen mit den USA und Russland

Russische Soldaten in Afrin, amerikanische Hubschrauber bei Kobane… Das verwirrt uns: Ist die Revolution von Nordsyrien dabei, sich an die Imperialisten zu verkaufen? Da ist es nützlich, zu erfahren, wie die Revolutionäre selbst ihre Zusammenarbeit mit den USA und Russland bewerten. Deshalb geben wir ein Interview mit Salih Muslim wieder, dem Ko-Präsidenten der PYD und bekanntesten Führer der nordsyrischen Revolution.

 ANF, 26. März 2017. Ahmed Dicle stellt die Fragen an Salih Muslim:

Nach (der baldigen Einnahme von Rakka) wird für Syrien eine neue Seite aufgeschlagen?

Aus zwei Gründen ist es von Bedeutung, wenn der IS aus Rakka vertrieben wird. Erstens für die Sicherheit unserer Völker von Rojava, das ja an Rakka angrenzt. Damit wird der Feind vor unserer Nase vertrieben. Das wird unsere Völker beruhigen. Der Krieg ist dann nicht mehr so nah an unseren Grenzen. Und die zweite wichtige Entwicklung wird sein, dass die Einwohner von Rakka selbst ihr Leben in die Hand nehmen können. Das Volk von Rakka ist dann aus den Händen dieser Barbaren gerettet und kann sein eigenes Leben organisieren. Unser System einer Demokratischen Föderation hat dann eine weitere Ausdehnung. Wenn das Volk von Rakka es so entscheidet, wird es Teil dieses Systems sein. Wir erleben dann, dass all die Bewohner von Rakka und den vielen Dörfern und Orten der Umgebung sich das föderale System zu eigen machen und ihm zustimmen. „Rojava: Absprachen mit den USA und Russland“ weiterlesen

Aleppo: Zwischen Ruinen sprießt neues Leben

ANHA, von Mihemed Ebdo und Arıf Sılêman aus Aleppo, 25.03.2017.

Die Bewohner von Ost-Aleppo bauen mit neuen Produktionsmethoden das Leben wieder auf, wo das Regime und die islamistischen Gruppen ganze Straßenzüge in Schutt und Asche gelegt haben.

Die KämpferInnen von YPG und YPJ hatten Ende 2016 die östlich vom kurdischen Stadtteil Şêx Meqsûd gelegenen Viertel Biêdîn, Hulok, Eyn Tel, Şêx Faris, Bustan Başa, Heyderiye, Şêx Xidir und Saxûr von den islamistischen Banden befreit. In Eyn Tel wurde nach der Befreiung zwischen den Ruinen ein Garten angelegt. 25 Personen aus 15 Familien pflanzen hier Zwiebeln, Knoblauch, Bohnen, Erbsen, Lattich-Salat, Petersilie und andere Gemüsesorten an.

Die Bewohner des Viertels ziehen zwischen den zerstörten Häusern Gemüse – so bringen sie mit unterschiedlichen Methoden wieder Leben in die Ruinen. “Wir durchleben eine schwere Zeit. Von außen, von anderen Ländern kriegen wir keinerlei Hilfe”, sagt ein Landsmann mit Namen Cûma Casim, “und mit dem selbstgezogenen Gemüse versuchen die Leute hier, sich mit dem Notwendigsten selbst zu versorgen.”

Gründung des 1. Frauendorfes in Rojava

Jinwar – Ökologischer Neuanfang der Frauen von Rojavavon Enzan Munzur, 11. März 2017

Bald wird der pfeifende Wind an dieser Stelle uns nicht mehr davon fegen können. Dann werden uns Bäume und Lehmbauten vor diesem staubigen Wind aus der mesopotamischen Wüste schützen. Diese Bäume und Lehmbauten werden uns den lebensnotwendigen Schutz im Sommer vor der herunterbrennenden Hitze anbieten. Wir werden gesund leben, hier weit weg von den Städten mit ihren giftigen Emissionen. „Gründung des 1. Frauendorfes in Rojava“ weiterlesen

Appell aus dem kurdischen Flüchtlingslager Maxmur

Die erneute Rettung: Mount Şengal

isku, 17. März 2017

Biji Bexwedane ŞengaleDie neusten Entwicklungen in Şengal erschüttern die Menschen in Rojava, Bakur und auch in Başûr, aber vor allem in Şengal selbst. Sie sind wütend, wieder einmal werden sie angegriffen. Diesmal nicht von DAESH (IS), diesmal schreit nicht die ganze Welt auf, diesmal ist es eine international anerkannte Armee, die die Gesellschaft angreift.

Die Êzid*innen haben viel gelitten. Nicht nur in den letzten Jahren, während und nach dem Genozid an hunderten von Menschen. Es war der 73. Genozid in der Geschichte der Êzid*innen.

Damals waren tausende Peşmerge im Şengal stationiert, als DAESH angriff sind sie geflohen und haben die Menschen sich selbst überlassen. Einzig einige wenige Kämpfer*innen der HPG und YPG sind geblieben und standen den Menschen zur Seite. Die internationale Empörung und das kollektive Mitfühlen waren in diesem Jahr allgegenwärtig. Aber was ist daraus geworden? Ein Gang durch Şengal zeigt in wenigen Bildern, wem es hier wirklich um die Menschen geht. Das französische Rote Kreuz (FRK) hat mehrere Mülltonnen geschickt, das Haus in dem das Büro des FRK ist wurde nie fertiggestellt. Es ist eine Bauruine, traurig und leer steht es da. Der deutsche Staat hat zusammen mit der Hilfsorganisation Barzanis Mission Middle East große Tafeln aufstellen lassen, die zeigen sollen: ja, auch wir haben geholfen. Mehr als die Tafeln sieht man davon aber nicht. Die Hilfsorganisation der KDP verschanzt sich hinter Zäunen und NATO-Draht. „Die erneute Rettung: Mount Şengal“ weiterlesen

16-jährige Êzîdîn bei Demonstration in Shingal erschossen

Published On: Di, Mrz 14th, 2017
Die 16 jährigen Êzîdîn Naze Nayif wurde während Demonstrationen in Khanasor getötet

Die 16 jährigen Êzîdîn Naze Nayif wurde während Demonstrationen in Khanasor getötet


Khanasor. In der nordirakischen Region Shingal haben am Dienstagmittag hunderte Menschen gegen die Angriffe auf die Stadt Khanasor durch Peshmerga der Demokratischen Partei Kurdistans (kurd. PDK) demonstriert. Kurz darauf lösten die sogenannten Rojava-Peshmerga, eine bewaffnete Miliz der PDK, die Demonstration gewaltsam auf und eröffneten das Feuer auf die Demonstranten, nachdem diese sich einem Kontrollpunkt nahe Khanasor näherten. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt, die 16-jährige Êzîdîn Naze Nayif Qewal erlag wenig später im Krankenhaus von Khanasor ihren Verletzungen. Der Konflikt um Khanasor spitzt sich damit immer weiter zu.

Organisiert wurde die Demonstration von der PKK und der êzîdîschen YBŞ-Miliz. Dutzende Êzîden und Kurden aus Syrien wurden zu diesem Zweck zuvor mit Bussen nach Khanasor gebracht, um sich dort an den Demonstrationen gegen die Rojava-Peshmerga zu beteiligen. Am 3. März töteten die Rojava-Peshmerga mehrere Êzîden und PKK-Kämpfer und nutzen dafür auch deutsche Waffen. Die Rojava-Peshmerga sind eine Parteimiliz der PDK und sollen gegen die Präsenz der PKK in Shingal vorgehen.

Viele Êzîden, insbesondere die YBŞ-Kämpfer, sehen in der PKK jedoch eine Schutzmacht, die während des Völkermordes der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) zusammen mit YPG-Kämpfern zehntausenden Êzîden das Leben rettete. Andere Êzîden hingegen kritisieren das Vorgehen der PKK, die in der Demonstration eine bewusste Provokation sehen, um die ohnehin angeheizte Stimmung für eine politische Mobilmachung zu nutzen.

© ÊzîdîPress, 14. März 2017

 

Bewaffnete Angriffe auf Şengal

Protest in Rojava gegen die Angriffe auf Şengal | Foto: ANHA

Protest in Rojava gegen die Angriffe auf Şengal | Foto: ANHA

Şengal – Mit der Demokratischen Partei Kurdistan PDK verbundene Einheiten haben gestern versucht in die Stadt Xanesor, ein Gebiet im Şengal, das seit 2014 unter Kontrolle der YBŞ (Widerstandseinheiten des Şengal) steht, einzudringen. Die YBŞ habe die Gruppe gewarnt und aufgefordert das Gebiet zu verlassen, erklärte ihr Sprecher: „Bis in die Morgenstunden hinein habe man gewartet, dass diese sich zurück zögen. Stattdessen haben diese jedoch heute mit schweren Waffen die Stadt und den Kontrollpunkt angegriffen. Darauf hin habe man das Feuer erwidert.“ Das Gefecht dauerte bis zum Mittag. Bei dem Gefecht sollen unzählige Angreifer getötet worden sein. „Bewaffnete Angriffe auf Şengal“ weiterlesen

Erdoğan’s Provokation gegen Minbic / Nordsyrien

 Von Demir Kücükaydın, 3. März 2017.

(Einleitung der Herausgeber:

Am 2.3.17 verkündete der Militärrat von Minbic: Die Verteidigung der westlichen Grenzregion von Minbic wird an das syrische Regime (bzw. Russland) übertragen. Unter den FreundInnen der von Öcalan inspirierten Revolution in Nordsyrienhat diese Entscheidung heftige Zweifel und Diskussionen ausgelöst.

Nachdem die revolutionäre Bewegung seit Kobane Militärhilfe von den USA erhält, verbündet sie sich jetzt auch mit Russland und damit vor Ort selbst mit Assad, dem schlimmsten Schlächter des 21. Jahrhunderts. Verrat?

 Unsere Meinung: Sicher, schön sind diese Bündnisse nicht. Aber es handelt sich um taktische militärische Vereinbarungen. Nicht um Bündnisse mit politischen Zugeständnissen. Das wurde auch vor 2 Jahren der US-Regierung mitgeteilt, als diese dagegen Einspruch erhob, dass die Selbstverwaltung und Selbstverteidigung auch auf die befreiten arabischen Regionen ausgeweitet wurde.

 Lenin meinte einst: In der Not können die Revolutionäre taktische Bündnisse sogar mit des Teufels Großmutter eingehen! Und ließ sich 1917 von der deutschen Regierung von der Schweiz nach Rußland bringen… Es handelt sich also um eine taktische Frage, nicht um eine grundsätzliche.

 Als Diskussionsbeitrag dazu schien uns ein Artikel von Demir Kücükaydın von besonderem Interesse. Demir ist unabhängiger Marxist, lebte etliche Jahre im Exil in Hamburg und hat zur “nationalen Frage” Positionen entwickelt, die in der Auseinandersetzung mit Öcalan’s Ideen und der Praxis in Rojava große Beachtung in der Türkei finden. Ingo)

                                                       *

Vor ein paar Tagen schrieben wir schon, dass es nach Verbranntem riecht, dass Erdoğan mit dem Feuer spielt. Da besuchte KDP-Führer Barzani Ankara. Gleich darauf schickte Barzani seine Peshmerga nach Şengal, um die Selbstverteidigungskräfte YBŞ der Êzidî unter Druck zu setzen und Zusammenstösse zu provozieren. Freilich kam bald die nötige Antwort: “Xelil Şivan, der Pressesprecher von Şengal der Peshmerga-Kräfte, erklärte, dass die Zusammenstösse eingestellt wurden und dass die Peshmerga-Führung, um weitere Zusammenstösse zu vermeiden, in Gesprächskontakt mit den YBŞ seien”, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur ‘Sputnik’. „Erdoğan’s Provokation gegen Minbic / Nordsyrien“ weiterlesen

Bündnis zwischen Russland und dem Militärrat von Minbic

Published by on 2. März 2017

minbic_russland
http://syria.liveuamap.com/

MINBIC – Der Militärrat von Minbic gab bekannt, dass ein taktisches Bündnis mit Russland vereinbart wurde, um die westlich von Minbic gelegenen Dörfer vor den Angriffen der türkischen Armee und ihrer Unterstützer zu schützen. (A.d.Ü.: Orange Fläche)

In der Erklärung heißt es wie folgt:

„Wir haben uns zur Aufgabe gemacht, die Menschen in dieser Region und Syriens sowohl grundsätzlich, als auch speziell vor den direkten Auswirkungen des Krieges zu schützen, dies schließt die Verteidigung Minbics und die Zerschlagung des Invasionsplans der Türkei gegen Syrien ein. „Bündnis zwischen Russland und dem Militärrat von Minbic“ weiterlesen

Karayılan: „In Sachen Rakka blufft die Türkei“

Murat KarayilanFiratnews, 28.02.2017

Im Interview mit der Nachrichtenagentur Firatnews geht Murat Karayilan, Oberkommandeur der Volksverteidigungskräfte Hêzên Parastina Gel (HPG), auf die Hintergründe der Eroberung von al-Bab durch die türkische Armee ein. Laut Karayilan konnte die Stadt nur durch Abmachungen mit dem IS unter die Kontrolle der türkische Armee und ihrer Verbündeten gebracht werden. Das Drängen auf eine von der Türkei geführte Operation gegen die vermeintliche IS Hauptstadt Rakka nimmt Karayilan nicht ernst.

Die Verantwortlichen der AKP geben an, dass die türkischen Truppen in al-Bab einen großen Sieg errungen haben. Doch es gibt weiterhin Meldungen von Gefechten und Toten. Was passiert derzeit in der Region?

Man kann von keinem Erfolg des türkischen Militärs in al-Bab sprechen. Sie haben sich sieben Monate heftige Auseinandersetzungen geliefert. Nun erklären sie, dass sie al-Bab unter ihre Kontrolle gebracht haben. Doch mancherorts kommt es noch zu Gefechten, auch wenn es so aussieht, dass sie die vollständige Kontrolle in al-Bab erlangen werden. „Karayılan: „In Sachen Rakka blufft die Türkei““ weiterlesen