Frauen-Kooperative für Milchprodukte in Derik (Nordsyrien)

Von Berîtan Sarya, Derik / ANF 24.12.2016

In Rojava werden die wirtschaftlichen Aktivitäten der Frauen in Form von Kommunen und Kooperativen organisiert. Seit etwa 2 Jahren treffen sich die Frauen hauptsächlich in kleinen Kooperativen außer Haus, sichern ihren eigenen Lebensunterhalt und tragen gleichzeitig mit Produkten, deren Preise der Kaufkraft der Gesellschaft angemessen ist, zur Versorgung der Bevölkerung bei.

Eine dieser Kooperativen ist die für Milch und Milchprodukte in Derik, welche mit Unterstützung der (Frauenorganisation) Kongre Star von 10 Frauen geführt wird. 10 Frauen haben sich zusammen getan und eine Kooperative aufgebaut, mit deren Produkten sie ihr eigenes Einkommen sichern und zugleich den täglichen Überschuß anderen Familien abgeben, das alles in gemeinsamer Arbeitsweise. Sie widmen täglich 4 Stunden dieser Arbeit, produzieren 200 kg Käse, Joghurt, Süßigkeiten und andere Leckerbissen. Und was nicht zu unterschätzen ist: zugleich geben diese Frauen mehr Farbe in ihren Tagesablauf und stärken ihr Vertrauen in die eigene Kraft.

‘Gegründet mit Unterstützung von Kongre Star’

 Narınç Sadık erzählt, wie sie die Kooperative gegründet haben: “Das war vor eineinhalb Jahren. Wir waren 10 Frauen, und jede hat ihren Anteil an Geld beigesteuert. Was fehlte, hat uns Kongre Star zugeschossen. Als die Produktion dann lief, haben wir den von Kongre Star gegebenen Anteil unserer Kooperativen-Bewegung übergeben.

Das Wirtschaftskomitee von Kongre Star hat uns zu einem Treffen eingeladen und mit uns diskutiert, wie die Frauen-Wirtschaft aufgebaut wird, warum sie so nötig ist, und wie wir das anstellen können. Sie sagten, damit hier die Frauen ihre eigene Wirtschaft verwirklichen, müssen sie wissen, wie sie sich in Form von Kommunen und Kooperativen organisieren. Aber ganz am Anfang gab es viele, die sich das nicht zutrauten. Unsere Kinder sind noch klein, sagten sie. Wir haben also mit 10 Frauen angefangen, mit gemeinsamer Arbeit in einer Kooperative.”

Ein Beitrag für die Gesellschaft

 Narınç Sadık betont, dass sie mit ihren Aktivitäten einen Beitrag für die Gesellschaft leisten. “Auf dem Markt kostet ein Eimer Joghurt 500 Lira; aber der von uns hergestellte Joghurt kostet 250 Lira pro Eimer. So tragen wir zur Ernährung unserer Leute bei. Bevor wir mit diesen Aktivitäten begannen, lebten wir in wirtschaftlich ziemlich prekären Verhältnissen. Obwohl Joghurt und Milch zu den Grundnahrungsmitteln für Kinder gehört, konnte wir uns das kaum leisten. Aber jetzt kommen wir mit 3 bis 4 Stunden Arbeit täglich für unser eigenes Einkommen auf und können unsere Kinder ausreichend ernähren.

Und dass wir auch für unsere Gesellschaft etwas beitragen können, macht uns froh und zufrieden. Wir glauben nicht, dass wir als Frauen nur für unsere eigenen Kinder sorgen können. Wenn ich das Problem habe, wie ich meine Kinder ernähren soll, so haben doch alle Frauen mit ihren Kindern das gleiche Problem”, meinte sie.

Trotz aller Einwände haben wir angefangen und sind jetzt glücklich

 “Als wir angefangen haben, waren unsere Ehemänner und Verwandten dagegen”, erzählt Narınç Sadık: “Aber so stark sie dagegen waren, so sehr war ich entschlossen. Wir bildeten eine Frauen-Kommune. Dort ist es uns klar geworden, zu was wir alles fähig sind, wenn wir es zusammen tun. Mein Mann hatte Einwände: ‘Das kriegt ihr doch nicht hin, noch gleichzeitig mit der Arbeit auf die Kinder aufzupassen’. Doch, wir kriegen es hin. Ich erziehe meine Kinder und mache gleichzeitig meine Arbeit. In aller Ruhe. Ich achte nicht weiter auf meinen Mann. Ich kenne meine Bedürfnisse und handle entsprechend. Inzwischen ist mein Mann nicht wie vorher. Wenn wir etwas nötig haben, hilft auch er uns.”

‘Mein Selbstvertrauen ist gewachsen’

 Şerife Abdal berichtet, dass sie allein das Einkommen für die ganze Familie garantiert: “Mein Mann kann nicht arbeiten wegen seines physischen Zustandes. Uns ging’s wirklich sehr schlecht. Aber dann habe ich angefangen mit der Tätigkeit in dieser Kooperative. Jetzt sind wir nicht mehr auf die Hilfe von anderen angewiesen. Ich ziehe meine Kinder mit selbst verdientem Geld groß.

Als wir neu damit anfingen, waren wir etwas unerfahren, und die Arbeit hat uns sehr ermüdet. Jetzt machen wir sie in aller Ruhe. Auch wenn die Arbeit ermüdend ist, so machen wir sie doch gemeinsam. Wir mögen einander, und zusammen zu arbeiten ist sehr schön. Wenn wir unsere Arbeitskolleginnen ein paar Tage lang nicht sehen, haben wir Sehnsucht nach ihnen. Früher spielte sich unser Leben ganz zuhause ab. Jetzt hat sich das geändert. Wir erfüllen nach wie vor unsere Pflichten gegenüber unseren Kindern, gegenüber unseren Angehörigen; aber über diese Kooperative lernten wir viele neue Leute kennen. Und auch miit unseren Nachbarinnen haben sich jetzt die Beziehungen besser entwickelt. Ich habe jetzt viel mehr Selbstvertrauen. Ich ziehe meine Kinder groß, ich sorge selber für mein Einkommen. Aber gleichzeitig nehme ich an den Aktivitäten der Frauen-Kommune teil. Dabei bin ich zufriedener und nutzbringender.”

‘Bei unseren Freundinnen wächst das Interesse an wirtschaftlicher Tätigkeit’

 Hatice Muhammed von der Kooperative meint, dass sie zufrieden sind, wenn sie als Frauen diese Arbeit machen, und dass ihre Akktivitäten andere Frauen auch anspornen. “Wir mögen unsere Arbeit und mögen auch einander. Diese Woche fragten uns 3 oder 4 Frauen, ob sie auch in unserer Kooperative arbeiten könnten. Wer in der Kooperative tätig ist, die ist nicht vom Geldbeutel ihres Mannes abhängig. Auch unser Volk ist mit unserer Arbeit zufrieden.

Auch wenn die Arbeit anstrengend ist, macht es uns doch zufrieden, dass wir für das Budget unseres Volkes mit geeigneter Produktion betragen können. Also dass wir Bedürfnisse unserer Gesellschaft befriedigen können, macht uns noch zufriedener und ruhiger. Wir können ja unseren Kindern und unseren Nachbarn verteilen, was sie an Milch, Joghurt usw. brauchen. Dafür sind unsere Leute uns dankbar. Und das ist für uns das größte Glück.”

 

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