Nordsyrien: In Minbic wird Erdogan die Hölle erleben!

 Aus Minbic / ANF von Mahir Yılmazkaya, 27.11.2016.

In den letzten Tagen griff die türkische Armee zusammen mit ihren verbündeten Islamisten von der “Nationalen Koalition Syriens” (NKS) nicht nur den IS vor Al Bab an, sondern auch die Region Minbic, insbesondere Dörfer auf der Strecke nach Al Bab, die erst vor wenigen Tagen vom IS befreit worden sind. Mistefa Minbic, Mitglied des “Militärrats von Minbic”, ist sich sicher: Auch wenn alle anderen Mächte stillhalten – die türkische Armee und die mit ihr verbündeten islamistischen Banden von der NKS werden hier die Hölle erleben!

Interview mit Mistefa Minbic, Mitglied des “Militärrats von Minbic”.

In den letzten Tagen haben die türkische Regierung und die NKS-Banden ihre Luft- und Boden-Angriffe auf Minbic intensiviert. Wie sieht es derzeit im Raum Minbic aus?

Nachdem Minbic von den IS-Banden gesäubert und befreit worden ist, begann die türkische Regierung mit ihren Angriffen in Richtung Minbic. In den letzten 5 – 6 Tagen verdichteten sich die Bomber- und Artillerie-Angriffe auf die Dörfer Zılanlı, Şex Nasır, Weran, Kavaklı und die (noch vom IS besetzte) Kleinstadt Arima. (…) Die Kriegsflugzeuge zielten in Minbic vor allem auf Zivilisten und deren Häuser. Durch die intensiven Bombardements kamen viele Zivilisten ums Leben, und Dutzende wurden verwundet. In den Dörfern entstanden große Schäden, und viele Häuser wurden unbewohnbar. Es ist Winter, und man will unsere Leute vertreiben. (…)

Was bezweckt die türkische Regierung mit der Gebietsbesetzung und der Offensive in dieser Region?

Innenpolitisch und außenpolitisch steckt die türkische Regierung in einer Sackgasse. Um da rauszukommen, besetzte sie das Gebiet von Rojava bzw. der Nordsyrischen Föderation, von Cerablus bis El Rai. Und sie versucht schon seit längerem, die Besetzung auf die Stadt El Bab auszuweiten. Sie unterstützt jetzt offen die Gruppen IS, Ehrar El Şam, El Nusra, Ceyş El Islam, Sultan Murat Bataillon usw.; sie hat im syrischen Krieg von Anfang an aktiv teilgenommen. Sie setzte und setzt diese Gruppen gegen das derzeitige Baath-Regime, gegen die syrischen Völker und gegen die revolutionär-demokratischen Kräfte des Volkes ein. Diese Gruppen sieht sie also ganz und gar nicht als Bedrohung für sich selbst.

Das wichtigste Ziel der türkischen Regierung ist dabei, dass die Kantone Efrîn und Kobanê sich nicht verbinden. Eine große Bedrohung für sich selbst sieht sie vielmehr darin, dass Araber, Turkmenen, Aramäer, Kurden, Tscherkessen, also verschiedene Völker und unterschiedliche Konfessionen, sich zusammen tun und ein System gemeinsamen und freien Zusammenlebens auf der Grundlage von Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit aufbauen.

Deshalb hat sie die Städte Cerablus und El Rai besetzt. Und deshalb will sie El Bab besetzen. Wie zu Zeiten der Osmanen. Es geht ihr also nicht nur um kurzfristige politische und militärische Vorteile, sondern sie hat historische Ziele im Hinterkopf. Das darf man nicht vergessen.

Und was verfolgt die türkische Regierung mit den Angriffen auf Minbic?

 Damit will sie den Willen der Völker von Rojava /Nordsyrische Föderation brechen, sie zur Aufgabe zwingen. Minbic ist bekannt als eine Stadt mit einem Völker-Mosaik. Vom IS war sie in ein Gefängnis, in eine Hölle verwandelt worden. Jetzt, wo die Stadt befreit ist, ist sie wieder zum Zentrum unterschiedlicher Völker und Religionen geworden. Das macht die türkische Regierung nervös.

Wir haben erfahren, dass sie in Cerablus eine neue Gruppe unter dem Namen “Soldatenrat von Minbic” zusammenstellen will. Nach Cerablus und El Rai will sie auch El Bab und Minbic besetzen, damit sich die Kantone Efrîn und Kobanê nicht verbinden können. Nur so meint sie das verhindern zu können. (…)

Wie begegnet der Militärrat von Minbic den Angriffen?

 Nach der Befreiung von Minbic durch den Militärrat sind erst drei Monaten vergangen. Diese kurze Zeit haben wir genutzt: An die 3 000 neue Kämpfer haben sich unsere Kräften eingereiht. Sie werden von uns ausgebildet. Die meisten sind bereits im Kampf gegen die Offensiven der türkischen Regierung und ihrer verbündeten Banden engagiert und verteidigen ihre Heimat. (…)

Bis jetzt wurden schon Dutzende Gegner vom Militärrat getötet, darunter auch türkische Soldaten. Bis heute haben unsere Kämpfer 5 türkische Panzer vernichtet. Obwohl die Gefechte seit einer Wochen intensiv toben, sind wir bisher keinen Schritt zurückgewichen. (…) Im Gegenteil, unsere Widerstand wird zunehmen, und wir werden Minbic der türkischen Regierung und ihrer SNK-Banden zur Hölle machen!

Und wie erlebt die Zivilbevölkerung die Offensive?

 Viele sind getötet oder verwundet worden. In diesen Minuten wird der Ort Arima bombardiert. Die Toten und Verletzten bringen wir ins Krankenhaus von Minbic. (…) Wo sind die Menschenrechts-Organisationen? Warum schweigen sie, während die türkischen Flugzeuge und Kanonen unsere Bevölkerung tötet und zerstückelt?

 Die türkische Regierung führt sogar in Koordination mit dem IS die Angriffe auf Minbic aus, und Länder wie die USA und Russland halten still…

 Als die türkischen Truppen syrischen Boden betraten und die Stadt Cerablus und El Rai besetzten, waren sie alle auf dem Laufenden und haben zugestimmt. Und jeder weiß, dass die AKP/Erdogan-Regierung in Kollaboration mit dem IS und den Kräften des SNK jetzt die Offensive gegen Minbic führt. Trotzdem ziehen es die USA und Russland vor, ihren Mund zu halten. Keiner fragt: “Was ist los mit Minbic?” Alle schweigen. Alle blind, taub und stumm! Wir denken, dass die Offensive gegen Minbic Teil eines schmutzigen internationalen Plans ist, genau so wie die gegen El Bab.

Die türkische Regierung führt also einen internationalen Plan aus?

 Genau. Dass die türkische Regierung einen Teil Syriens besetzt, ist Ergebnis eine Bündnisses zwischen internationalen Kräften und der türkischen Regierung. Sonst würde sie nicht einmal einen Luftballon in Syrien platzen lassen. Die Kräfte des Komplotts wollen Rojava – Nordsyrische Föderation liquidieren und mit Minbic beginnen. Das hat die Türkei schon mit dem IS versucht, aber nicht fertiggebracht. Und jetzt versucht sie es noch einmal mit den SNK-Banden und der eigenen Armee.

Nicht ein einziges Mal hat ein US-Flugzeug in der Gegend die von IS, El Nusra, Ehrar El Şam, Sultan Murat Bataillon usw. besetzten Gebiete bombardiert. Die USA und Russland intervenieren seit jeher nur dann, wenn es in ihrem eigenen Interesse liegt. Während die USA weiter die türkische Regierung und deren verbündete Banden schützt, bringt sich Russland über das derzeitige syrische Regime in Stellung.

Aber die USA hat doch vor Ort die Befreiung von Minbic durch den Militärrat unterstützt… und genauso an vielen Orten die Demokratischen Kräfte Syriens…

Ja, weil es um ihre eigenen Interessen ging. Nicht wegen der Interessen der syrischen Völker. Bei der Befreiung von Minbic. Und bei der Befreiung von Kobanê. Wir gingen mit den USA Beziehungen ein zum Vorteil von Rojava und unserer Völker. Wenn es zum Vorteil unserer Völker gereicht, sind wir bereit, mit allen Beziehungen einzugehen. Sonst nicht.

Eins darf man nicht vergessen: Großmächte wie die USA und Russland akzeptieren den Militärrat von Minbic, die Demokratischen Kräften Syriens und ihre Einheiten auf militärischem Gebiet, da sie zwar über sehr begrenzte Mittel, aber über einen starken Willen verfügen und so dem IS Niederlagen beibringen. Aber auf der politischen Ebene kann von Akzeptanz keine Rede sein. (…)

Mit was muss Minbic jetzt rechnen?

 Die Angriffe aufgrund der schmutzigen Bündnisse werden jeden Tag weiter gehen, um Rojava und die Nordsyrische Föderation zu liquidieren. Ja, sie werden zunehmen. Denn die ausbeuterischen Regierungern haben Angst – Angst vor dem Hoffnungsstrahl, den Rojava und die Nordsyrische Föderation den Völkern geben. Denn im Grunde geht es bei dem Krieg in dieser Region um einen Krieg zwischen zwei Konzepten, Philosophien, Ideologien.

Heute führen auf dem Boden von Rojava und Nordsyrien Staaten wie die USA, Russland, der Iran, Saudi-Arabien, Katar und die Türkei einen Krieg. Alle mit der Absicht, die Machtstruktur und die Ausbeutung in dieser Gegend zu festigen und zu entwickeln. Deshalb werden sie weiter täglich neue Pläne und Projekte aufs Tapet bringen und umzusetzen versuchen. Entsprechend muss voller Bewußtsein die neue Phase angegangen werden und muss jeder sein Leben entsprechend dem Krieg einrichten. (…)

Aber angefangen mit den internationalen Mächten müssen alle wissen, dass wir die türkische Regierung an den Grenzen von Minbic nicht akzeptieren! Wir wollen, dass jedem klar ist: die Angriffe auf Minbic schlagen wir zurück, und wir kämpfen bis zum letzten Blutstropfen. Und dem Erdogan möchte ich klipp und klar sagen: Ich schwöre, dass unser Widerstand grösser wird und wir Minbic dir und deinen Banden zur Hölle machen werden!

 

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