Die Stadt Rakka erwartet ihre Befreiung

 

Von Mahir Yılmazkaya, ANF, 10.11.2016

Die nordsyrische Stadt Rakka am Euphrat liegt 160 km östlich von Aleppo. Sie zählte 190 000 im Jahr 2008; seither sind viele Einwohner geflohen und viele neu eingewandert. Von 2011 bis 2014 war die Stadt in der Hand von (islamistischen) Organisationen der “Nationalen Koalition Syriens”; dann wurde sie vom IS (Islamischen Staat) besetzt.

Rakka unter dem IS

 Vor dem Krieg zählte Rakka eine private Universität und etliche staatliche (Höhere) Schulen. Im Sommer blieben die Bewohner bis spät in die Nacht auf den Strassen, in den Parks und Cafés. Männer und Frauen zusammen gingen in die Restaurants zum Essen. Auch in die Vergnügungsorte gingen sie zusammen. Und als die Demonstrationen gegen Assad begannen, konnte man dort Männer und Frauen zusammen sehen.

 

Aber als 2011 auch in Rakka der syrische Bürgerkrieg begann, übernahmen die bewaffneten Organisationen der Nationalen Koalition die Herrschaft. Nach und nach änderte sich dieses freie Leben, und die Scharia-Gesetze setzten sich durch. Als 2014 die faschistischen IS-Banden die Stadt unter Kontrolle brachten, wurde sie zum Magneten für Islamisten aus aller Welt und zu einer Bedrohung für alle Welt. Die Bewohner und die Verwaltung wurden auf Linie des Islam gebracht, wie der IS den Islam interpretierte. Scharia-Gerichte überwachten alles.

 

Überall wurde ein “Wali” (Gouverneur) eingesetzt, und ihm zu Diensten standen die “Emire”. So ist das bis heute. Zu protestieren oder Widerstand zu leisten ist nicht möglich. Es gibt eine lange Liste von unterschiedlichen Strafen für Verletzungen von “Gesetzen”, die vom IS ausgedacht sind: öffentliche Hinrichtungen, Folterungen, Steinigungen und noch mehr Arten von Tötungen. Was an Sicherheit, Recht, Dienstleistungen und Versorgung übrig bleibt, ist gemäß den Bedürfnissen des IS definiert. Und in letzter Zeit, wo die Internationale Koalition unter Führung der USA sowie Russland ihre Bombardements intensivieren, wurde die Versorgung mit Strom und Wasser zerstört, so dass für die Bewohner das Leben noch unerträglicher wurde. Vor allem die Erdöl-Raffinerien wurden zerstört, so dass ein großer Mangel an Brennstoff herrscht.

 

Wie die Frauen unter dem IS leben müssen

 

Ein bißchen konnte man schon aus der Presse erfahren, wie die Frauen in den IS-Gebieten leben mussten. Jetzt kommt vor allem dort, wo die KämpferInnen von YPG/YPJ und die QSD (Demokratischen Kräfte Syriens) Gebiete befreien, an den Tag, welches Leben die IS-Banden den Bewohnern, vor allem den Frauen, aufzwingen.

 

Den jungen Mädchen und den Frauen ist es nicht erlaubt, aus dem Haus zu gehen, wenn sie nicht von einem erwachsenen männlichen Verwandten (gewöhnlich dem Vater, älteren Bruder oder Ehemann) begleitet werden. Alle Frauen sind gezwungen, sich in schwarze Tücher und Umhängen vom Kopf bis zu den Fußknöcheln einzuhüllen. Der IS stellte, als er 2014 Rakka besetzte, Brigaden nur zur Kontrolle der Frauen auf.

 

Auf den Strassen patrouillieren Brigaden, welche auch die Kleidung der Männer und ihr Scharia-konformes Verhalten kontrollieren. Rauchen ist verboten. Wer von einer sogenannten IS-Sicherheitstruppe beim Rauchen erwischt wird, der wird zur Strafe ausgepeitscht. Außerdem müssen alle Männer zu den vorgeschriebenen Zeiten in die Moschee zum Beten.

 

Entdecken die IS-Banden auf dem Handy das Foto einer Frau, kostet das 30 Peitschenhiebe. Auch Fußballspiele Anschauen ist verboten; Restaurants und Cafés, die Spiele übertragen, werden geschlossen, und ihre Besitzer riskieren die Todesstrafe.

 

Die El-Hansa-Brigaden sind sogenannte Sicherheitskräfte aus Frauen, die nur dazu da sind, zu kontrollieren, wie die Frauen angezogen sind. Viele dieser Polizistinnen sind Ehefrauen von IS-Kämpfern; ihre Aufgabe ist nicht nur, die Konformität der Kleidung mit den Gesetzen zu überprüfen, sondern auch die festgenommenen Frauen zu foltern.

 

Deshalb bleiben die Frauen in der Regel, und auch damit sie nicht mit IS-Kämpfern zwangsverheiratet werden, zuhause und gehen nicht auf die Strasse. Die Ehefrauen von gefallenen IS-Kämpfern werden mit anderen Kämpfern zwangsverheiratet. Oft sind die Ehezeiten so kurz, dass zum Kinder-Machen keine Zeit bleibt. Um den Sex-Hunger der Männer zu befriedigen, werden Frauen als Sex-Sklavinnen gehalten.

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