Schulunterricht für aramäische Kinder in ihrer Muttersprache

Von Rûken Dêrik / JINHA 21.10.2016

Rimêlan (Kanton Cizire) – Die Revolution in Rojava will kein einheitliches Bildungssystem, sondern die Kinder der verschiedenen Völker sollen in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. An der Tişrin-Schule der Stadt Rimêlan sind die aramäischen Kinder sehr zufrieden, dass sie ab der ersten Klasse in ihrer Muttersprache unterrichtet werden.

Das Schulsystem von Nationalstaaten geht aus von der Vorstellung: “eine Sprache”, “eine Nation”, “ein Vaterland”, “eine Fahne”, “eine Regierung” für alle Völker des Landes. Selbst im 21. Jahrhundert werden dadurch zahllose kulturelle Werte vernichtet. Gegen das kurdische Volk, das 40 Millionen zählt, wird eine Politik der kulturellen Vernichtung, der Verleugnung und der Assimilation durchgeführt. Es setzt dieser Assimilationspolitik seit Jahren seinen ganzen Widerstand entgegen, obwohl es dafür einen hohen Preis zahlen muss. Mit der Revolution aber, wie sie sich in Rojava entwickelt, werden nicht nur die kulturellen Werte des kurdischen Volkes, sondern die aller Völker geschützt. Die Aramäer sind eines der Völker, die auf diesem Gebiet in Nordsyrien der Assimilationspolitik des syrischen Nationalstaats ausgesetzt waren. Jetzt im revolutionären Regime gilt: Von welchem Volk du bist, in dessen Sprache wirst du auch unterrichtet in der Schule.

Im Kanton Cizire kriegen die aramäischen Kinder bis zur dritten Klasse Unterricht in ihrer Muttersprache. Niliyê Ishaq ist Lehrerin an der Tişrin-Schule in Rimêlan, wo die aramäischen Kinder zum ersten Mal in ihrer Muttersprache Lesen und Schreiben lernen: “Die aramäischen Kinder sind sehr glücklich, dass sie sogar in ihrer Muttersprache unterrichtet werden. Das ist ein historischer Schritt. Unter dem Baath-Regime gab es nur eine Schulsprache, nämlich Arabisch. Deshalb wurden auch die Kinder anderer Völker nur auf Arabisch unterrichtet”, berichtet sie.

Mîlad Gewriye ist eine Schülerin: “Ich bin jetzt sehr glücklich. Dank der Revolution von Rojava können jetzt alle Völker in ihrer eigenen Sprache lernen. In einer anderen als der eigenen Muttersprache zu lernen, das macht einem den Kopf kaputt. Du wirst gezwungen, den Unterricht in einer Sprache, die du gar nicht verstehst, zu hören – da hast du keinen Erfolg. Ich bin Aramäerin und liebe meine Sprache sehr. Ich will in meiner eigenen Sprache groß werden, in meiner eigenen Sprache lesen und sprechen.”

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