Die Bio-Gärten von Dersim

JINHA, von Bêrîtan Elyakut, 5.10.16.

Um den Bio-Anbau zu verbreiten und um die kollektive Produktion auszuweiten, wurden in Dersim (türkisch: Tunceli; Provinzhauptstadt) die “Bio-Gärten” ins Leben gerufen, und zwar vom Frauenrat der Gemeindeverwaltung. Täglich schließen sich mehr Frauen der freiwilligen Mitarbeit an. Mit dem geernteten Gemüse wird auch eine Samenbank angelegt. Und jetzt im Spätsommer ist es an der Zeit, wo die Frauen das, was sie in den Bio-Gärten ernten, kooperativ an die Verbraucher verteilen. Dazu ist die Gründung einer Kooperative geplant.

Die Frauen-Bürgermeisterin von Dersim, Ayten Kordu, betont, dass mit dem Projekt die Frauen nicht nur den natürlichen Anbau ohne chemische Dünger und Gifte bewerkstelligen, sondern vor allem sich die Grundlagen für ein ökologisches, soziales und gesellschaftliches Leben schaffen. “Sie vereinigen sich für ein gemeinsames Projekt auf eigenem Grund und Boden. Das Ziel ist nicht marktwirtschaftlich; wir haben beschlossen, dass jede, die mitarbeitet, sich von dem Gemüse so viel nimmt, wie sie braucht. Wir wollen damit einen Bereich außerhalb der marktwirtschaftlichen Logik aufbauen. Für uns ist das eine ganz wichtige Erfahrung. Auch Frauen des Frauenrates der Gemeinde machen (ehrenamtlich) mit. Jede kriegt den Anteil, den sie braucht, und was übrig ist, wird an die Leute verteilt.”

Ayten erklärt, dass das (Geld-)Einkommen aus der Gartenernte nicht verteilt, sondern für gemeinsame Vorhaben eingesetzt wird. “Wir wollen einen Bereich ins Leben rufen, wo Frauen zusammen und gemeinsam arbeiten, um die regionalen Pflanzen natürlich anzubauen. Im April haben wir angefangen. Und es geht weiter. Die geernteten Produkte bringen wir den Leuten, die nicht selbst kommen können, die alt sind, nicht arbeiten können, denen es materiall schlecht geht, selbst nach Hause. Und wir diskutieren, wie wir derartigen Vorhaben weiter entwickeln können. Derzeit sind wir an dem Punkt, wo eine Kooperative zu bilden ist.

Als wir mit den Bio-Gärten begannen, diskutierten wir viel über die männlichen Voruteile. Man sagte uns, Frauen könnten so etwas nicht zustande bringen, das Gelände sei zu groß, das würden wir niemals hinkriegen. Aber wir Frauen haben es ihnen gezeigt. Wir haben es hingekriegt, und wir werden es auch in Zukunft hinkriegen!”

Eine der Frauen, die bei den Bio-Gärten mitmachen, ist Şehriban Gürel. Sie sagt, für sie ist es sehr wichtig, dass die Frauen gemeinsam alles machen; sie verbringen ihre Zeit gemeinsame beim Arbeiten in den “Bio-Gärten”: “Wir als Angestellte der Gemeinde machen freiwillig mit, ohne Bezahlung. Wir machen die Erfahrung, dass sich unter den Frauen dabei ein Geist der gegenseitigen Hilfe entwickelt. Mindestens zwei Mal in der Woche kommen wir zur gemeinsamen Arbeit. Und wir geben den Leute, die bedürftig sind. Was übrig bleibt, verteilen wir unter Freunden und Bekannten. Ich wünsche, dass mit der Zeit alle Frauen teilnehmen.”

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