Minbic war tributpflichtig unter dem IS

ANF 3.8.16 Mahir Yılmazkaya, Minbic

Einige Bewohner von Minbic, die dem IS entkommen sind, erzählen:
E.H.M. will seinen vollen Namen nicht nennen, da ein Teil seiner Familie noch in Minbic in der Hand des IS ist. Er ist vor 16 Tagen aus dem Zentrum von Minbic geflohen und berichtet:
„Die IS-Banden trieben unter jedem Vorwand als Steuern Geld ein; sie machten die Einwohner von Minbic regelrecht tributpflichtig (Tribut wird eigentlich nur von Ungläubigen erhoben). Sie setzen die Bewohner als menschliche Schutzschilde ein. Eine Gruppe, die sich in befreites Gebiet retten wollte, ist mit schwerer Artillerie niedergemäht worden. Die Zivilisten waren Geiseln; aber wer 100 Dollar Schmiergeld bezahlte, der durfte die Stadt verlassen – da drückten sie ein Auge zu.
Zigaretten-Rauchen war verboten. Wer beim heimlichen Rauchen von den IS-Banditen erwischt wurde, mußte beim ersten Mal 10 Dollar Tribut zahlen; beim zweiten Mal waren es 25 Dollar Strafe und Peitschenhiebe zusätzlich.“

Mihemed El Yaser berichtet: „Wer sich den Bart abrasierte, der bekam 25 Dollar Strafe und dazu Peitschenhiebe; zusätzlich musste er einen 40-tägigen Kurs im Scharia-Recht absolvieren. In sämtlichen Lebensbereichen haben die IS-Banden als religiöse Pflichten Zwangsvorschriften erlassen. Die Frauen waren gezwungen, sich in einen schwarzen Tschador zu hüllen, so dass nichts mehr vom Körper zu sehen ist. Hielten sie sich nicht daran, so bestraften sie die Islamisten mit 10 Dollar, beim 2. Mal mit 25 Dollar und 10 Peitschenhieben.

Sogar bei der Feldarbeit waren die Frauen gezwungen, ihr Gesicht zu verdecken. Er selbst hat erlebt, wie eines Tages ein IS-Bandit, ein sogenannter Wächter, entdeckte, dass eine Frau im Dorf in ihrem Innenhof ohne Tschador arbeitete. Sie wollten mit einer ganzen Wächter-Einheit das Haus stürmen. Das haben die Dörfler aber nicht zugelassen. Darauf überfielen die IS-Banden in großer Zahl das Dorf, töteten etliche Leute und belegten die anderen mit verschiedenen Strafen.“

Ehmed Hasan ist noch ein Kind. Er erzählt: „Wo der IS herrschte, da waren Schulen verboten. Alle Kinder waren gezwungen, in den ‘Kalifat-Schulen’ zu lernen. Dort wurden sie zu ‘Enkeln des Kalifats’ gemacht.“ Seine Mutter berichtet: „Diese Situation hat den Leuten große Sorgen bereitet: nachdem die IS-Banden Minbic besetzt hatten, haben sie die Schulen geschlossen. Deshalb konnten unsere Kinder nicht mehr in der Schule lernen. Aber in die Kalifat-Schulen habe ich meine Kinder auf keinen Fall gelassen.“

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